Kabinett beschließt Gesetzentwurf Freiern von Zwangsprostituierten droht Gefängnis

Wer Sex bei einer Zwangsprostituierten kauft, soll in Deutschland künftig mit Freiheitsentzug bestraft werden. Frankreich plant für alle Freier empfindliche Geldstrafen.

Prostituierte in Berlin
AP

Prostituierte in Berlin


Freier von Zwangsprostituierten müssen künftig mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren rechnen. Das sieht ein Gesetzentwurf zur strafrechtlichen Verfolgung von Zwangsprostitution vor, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat. Straffrei bleiben soll der Freier unter Umständen, wenn er den Fall der Zwangsprostitution anzeigt.

Auch die Regelungen gegen Menschenhandel und Zuhälterei werden verschärft. Bis zu zehn Jahre Haft drohen demjenigen, der eine Zwangslage oder Hilflosigkeit ausnutzt oder jemanden durch Gewalt zur Ausübung der Prostitution veranlasst. In der Entwurfsfassung hieß es, Männer, die Sex mit einer Prostituierten kaufen, obwohl sie "Kenntnis" von deren Zwangslage haben, müssten bestraft werden.

Die geplante Strafrechtsänderung aus dem Bundesjustizministerium soll das Prostitutionsschutzgesetz ergänzen, welches das Kabinett im März beschlossen hatte. Diese Neuregelung sieht ein Anmeldepflicht für Prostituierte sowie Auflagen für Bordellbetreiber vor.

1500 Euro Strafe: Frankreich will alle Freier sanktionieren

Auch in Frankreich steht ein Prostitutionsgesetz auf der Tagesordnung. Das Parlament in Paris will am Mittwochnachmittag die Neuregelung endgültig verabschieden. Zentrale Maßnahme ist es, künftig alle überführten Freier zu betrafen.

Wer Prostituierte aufsucht, soll dort in Zukunft mit 1500 Euro bestraft werden können, im Wiederholungsfall sogar mit 3500 Euro. Bisher vorgesehene Geldstrafen gegen Prostituierte sollen dagegen gestrichen werden. Das Gesetz sieht auch Hilfen für Frauen vor, die der Prostitution entkommen wollen.

cht/AFP/dpa



insgesamt 156 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
erzengel1987 06.04.2016
1. Rückschritt
In meinen Augen ein großer Rückschritt. Die Prostituierte als Person gilt es natürlich zu schützen, so wie jeden Arbeitnehmer auch. Es darf niemals ein Zwang sein. Allerdings ist es in meinen Augen grundlegend Falsch die Kunden zu bestrafen. Viel mehr muss die Polizei ihre Arbeit erledigen und die Hintermänner fassen. Frankreich macht einen großen Fehler das Gewerbe wieder zu kriminalisieren. Wir leben in einer freien Welt und da gehört käufliche Liebe wohl oder übel dazu. Das gab es schon immer und die Leute die Ihren Körper verkaufen wollen sollen das doch bitte legal tun.
dritter_versuch 06.04.2016
2. Wie
Wie will man beweisen, dass der Freier weiss, dass es sich um eine Zwangsprostituierte handelt? Wäre es nicht besser, er müsste glaubhaft erklären, dass er davon ausgehen konnte, dass die Dame, das freiwillig macht. Wenn eine Frau aus Osteuropa kommt und kein Deutsch kann, ist es doch wohl offensichtlich, ohne dass man das im konkreten Fall sicher weiss.
boblinger 06.04.2016
3. Was ist das Gegenteil von
Komplett Banane. Die Folge dieses Unsinns wird sein, dass Prostitution wieder stärker in die Illegalität abwandern wird. Womit Zwangsprostitution gestärkt wird. Glückwunsch, Tusch!
Msc 06.04.2016
4.
Wie unterscheidet Ottonormalfreier zwischen Zwangsprostituierten und "Freiwilligen"? Nicht, dass mich das persönlich interessieren würde, aber das ist schon eine ziemlich große Rechtsunsicherheit.
silenced 06.04.2016
5.
Jetzt bin ich aber gespannt, wie die Beweisführung dahingehend aussehen soll. Zum einen muss der klagenden Seite, also dem Staat demzufolge, bekannt sein, daß eine Prostituierte unter Zwang arbeitet, wo man sich dann wiederum fragt warum nichts dagegen unternommen wird. Zum anderen muss irgendwer der Anklage mitteilen, oder die Anzeige stellen, daß ein bestimmter Freier nachweislich Verkehr mit einer Zwangsprostituierten hatte. Diese Person aber auch wieder wusste, daß die Prostituierte unter Zwang arbeitet, also schon vorher hätte aktiv werden können um weiteren Schaden von der Prostituierten abzuwenden. Wie sieht es eigentlich aus mit männlichen Prostituierten? Auch die gibt es, und auch diese arbeiten teilweise mit Sicherheit unter Zwang. Ich frage mich wirklich, wie das in der "realen Welt" umgesetzt werden soll.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.