Pussy-Riot-Urteil Protest vor der russischen Botschaft in Berlin

Bunt vermummte Demonstranten vor der russischen Botschaften in Berlin: Unterstützer der Punkrockgruppe Pussy Riot haben am Freitag ihre Solidarität mit den verurteilten russischen Musikerinnen bekundet. Auch in Warschau protestierten Anhänger der Band gegen den Prozess.

DPA

Moskau/Berlin - Das Markenzeichen der Punkrockgruppe wird zu einem Zeichen der Solidarität, der Protest ihrer Anhänger trägt viele Farben: Mit bunten Strumpfmützen haben Unterstützer der russischen Punkband Pussy Riot am Freitag vor der russischen Botschaft in Berlin demonstriert. Sechs Menschen ketteten sich aus Protest gegen die Verurteilung der drei Frauen an den Zaun der russischen Botschaft, wie ein Sprecher der Berliner Polizei mitteilte. Die Protestaktion wurde von der Polizei aufgelöst.

Ein Moskauer Gericht verurteilte die drei Musikerinnen der Band zu je zwei Jahren Lagerhaft. Das Gericht warf den jungen Frauen Rowdytum aus religiösem Hass vor. Die Aktivistinnen im Alter zwischen 22 und 30 Jahren hatten im Februar ein so genanntes "Punk-Gebet" in einer Kathedrale aufgeführt. Darin wehrten sie sich gegen eine dritte Amtszeit des russischen Präsidenten Wladimir Putin und prangerten die engen Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Kreml an.

Punkgebet in Warschau

In Berlin hatte sich am Donnerstag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich wegen des Urteils gegen die Musikerinnen zu Wort gemeldet. "Das unverhältnismäßig harte Urteil" stehe "nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie", sagte Merkel. Moskau habe sich zu diesen Werten aber unter anderem als Mitglied des Europarats bekannt.

Auch in Warschau solidarisierten sich am Freitag Anhänger der Band mit den Musikerinnen. "Heute sind wir alle Pussy Riot, und wir erlauben niemandem, uns den Mund zu verbieten", sagte eine Demonstrantin, die wie viele Teilnehmer nach dem Vorbild der Sängerinnen eine bunte Gesichtsmaske trug.

Einige Demonstranten hatten ihren Mund mit Klebeband zugeklebt. Vor Beginn des Protestmarsches, der zur russischen Botschaft zog, sangen sie das "Punkgebet" von Pussy Riot, mit dem die Band gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin protestiert hatte.

bos/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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thomaswalter 17.08.2012
1. Jeder kann etwas dagegen tun ...
... und viele tun es schon: Wenn jeder ab jetzt jeden Tag das Pussy-Riot-Stoßgebet "Jungfrau Maria - vertreibe Putin!" postet oder twittert, wird das bald zum Suchwort des Jahres.
fussel132 17.08.2012
2.
Zitat von thomaswalter... und viele tun es schon: Wenn jeder ab jetzt jeden Tag das Pussy-Riot-Stoßgebet "Jungfrau Maria - vertreibe Putin!" postet oder twittert, wird das bald zum Suchwort des Jahres.
Ihre Idee in Ehren, meine Sache ist das nicht. Ich denke, hier wäre dies allenfals als Ordnungswidrigkeit gesehen worden, wenn überhaupt. Soviel zu dieser lupenreinen Demokratie!
henniman 18.08.2012
3. Twittert aber keiner
Weil alle mit Assange Tweets beschäftigt sind
qsysopr 18.08.2012
4. Das Moskauer Gericht ...
... und der gesamte putinsche Machtapparat ist von allen guten Geistern verlassen. Ich hätte Putin und seine Gefolgsleute nicht für so blöd gehalten. Leider habe ich mich getäuscht: Sie sind noch dümmer als ich es mir in meinen wüstesten Träumen gedacht habe.
Berg 18.08.2012
5.
Zitat von thomaswalter... und viele tun es schon: Wenn jeder ab jetzt jeden Tag das Pussy-Riot-Stoßgebet "Jungfrau Maria - vertreibe Putin!" postet oder twittert, wird das bald zum Suchwort des Jahres.
Soll denn auch gegen den Patriarchen getwittert werden, anch dem Liedtext? Oder sollen sich die Leute der Forderung anschließen, die Jungfrau Maria sollte gefälligst Feministin werden? Ich stelle mal meine Erklärung dagegen: ähnlich wie die barbusigen Frauen in der Ukraine machen sich nun auch in Russland Frauen auf, um gegen eine Männerherrschaft zu revoltieren.
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