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10. April 2013, 20:25 Uhr

Protest gegen Bundeswehr

Studenten schreien de Maizière nieder

Er wollte an der Berliner Humboldt-Universität über die Rolle der Bundeswehr sprechen. Doch Studenten sprengten den Auftritt von Verteidigungsminister Thomas de Maizière und ließen ihn nicht zu Wort kommen. Der CDU-Politiker gab entnervt auf.

Berlin - Mehrere Dutzend Studenten haben am Mittwochabend an der Humboldt-Universität in Berlin eine Veranstaltung mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière verhindert. Der CDU-Politiker wollte einen Vortrag zum Thema "Armee der Einheit - Der Beitrag der Bundeswehr zum gesellschaftlichen Zusammenhalt" halten.

Doch schon zu Beginn wurde der Minister in dem mit etwa 300 Studenten besetzten Hörsaal nur mit rhythmischem Klatschen und Sprechchören wie "Thomas, wir lieben dich" am Reden gehindert. Nach einiger Zeit waren aber fast nur noch Parolen wie "Nie wieder Deutschland", "Deutschland ist scheiße" und "Nie wieder Krieg" zu hören. Mehrere Gruppen hatten in den vergangenen Tagen übers Internet zum Protest aufgerufen.

De Maizière versuchte dann, mit den Studenten ins Gespräch zu kommen, indem er auf einem Computer schrieb: "Wer hat Angst davor, ein Argument zu hören?" Das blieb jedoch ebenso ohne Erfolg wie die Bitten von Universitätspräsident Jan-Hendrik Olbertz.

Nach rund einer halben Stunde gab der Verteidigungsminister auf - er verließ die Hochschule wieder, weil er wegen der lauten Klatsch- und Sprechchöre nicht zu Wort kam.

Beim Herausgehen sagte de Maizière der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Ich finde, es ist kein Zeichen von Stärke, eine solche Diskussion zu verhindern. Das hat keinen Zweck." Trotzdem wolle er weiterhin auch an Universitäten auftreten. "Ich mache das gern weiter. Berlin ist nicht überall."

Proteste hatte es auch schon bei anderen Auftritten an Universitäten gegeben. Bislang war de Maizière jedoch immer zu Wort gekommen.

als/dpa

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