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Anti-Anti-Islam-Demos: Deutsche Metropolen rüsten sich gegen Pegida

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DPA

Anti-Pegida-Demo in München: Der Protest wächst

In Dresden, Köln und Berlin wird Pegida am Montag wieder marschieren - doch auch der Protest gegen die Anti-Islam-Bewegung nimmt zu. Tausende wollen am Abend für ein tolerantes Deutschland demonstrieren. Ein Überblick.

Berlin - Wenn am Montagabend zum elften Mal die selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) durch Dresden ziehen, sind ihre Gegner schon da: In der sächsischen Landeshauptstadt kommt es zu Wochenbeginn ebenso zu einer Anti-Pegida-Kundgebung wie in zahlreichen anderen deutschen Städten. Denn auch in Köln und Berlin wollen Ableger von Pegida demonstrieren.

Sollte sich der Trend der vergangenen Wochen fortsetzen, dürfte Pegida in Dresden wieder einen regen Zulauf erleben - aber eben auch nur dort. Die ostdeutsche Stadt ausgenommen, sahen sich in vielen Orten zuletzt kleine Grüppchen von Islamfeinden Tausenden Gegendemonstranten gegenüber. Der Widerstand wächst also.

Unter anderem in diesen Städten gibt es am Montag Anti-Pegida-Demonstrationen:

  • Dresden: Hier startet um 18 Uhr die Kundgebung "Dresden für alle" auf dem Straßburger Platz. Zudem steigt um 20 Uhr der traditionelle "Dresdner Neujahrsputz" auf dem Postplatz, wo zuvor die Pegida-Abschlusskundgebung stattfindet.
  • Köln: Um 17.30 Uhr wird in Köln am Deutzer Bahnhof zur Anti-Pegida-Kundgebung aufgerufen.
  • Berlin: Das Bündnis gegen Rassismus lädt ab 16 Uhr an der Stralauer Straße zum Protest gegen Pegida. Ab 17 Uhr soll es eine Gegenkundgebung unter dem Motto "No Pegida - Gegen Rassismus und völkische Propaganda" im Lustgarten geben. Die Türkische Gemeinde Berlins ruft um 18 Uhr zum Prostest gegen Pegida vor dem Brandenburger Tor auf.
  • Stuttgart: Um 17 Uhr gibt es eine Anti-Pegida-Demonstration mit dem grünen Oberbürgermeister Fritz Kuhn auf dem Schlossplatz.
  • Hamburg: Am Glockengießerwall ist ab 18.30 Uhr eine Protestveranstaltung gegen Pegida geplant.

Zudem sind in München, Marburg, Kassel, Rostock und Münster weitere Anti-Pegida-Proteste vorgesehen.

Dabei können sich die Pegida-Gegner auch auf den ehemaligen Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland berufen. Für den früheren EKD-Vorsitzenden Nikolaus Schneider ist "Pegida von der Zielsetzung unchristlich". Zu den Werten des Abendlandes gehörten auch die Religionsfreiheit und das Eintreten für die muslimischen Flüchtlinge, sagte Schneider der "Rheinischen Post". Man könne nicht "das Abendland verteidigen, indem wir den Islam als Feind ausrufen". Deshalb gelte: "Christen haben auf diesen Kundgebungen nichts zu suchen." (Zum Pegida-Faktencheck gelangen Sie hier.)

Schneider begrüßte ausdrücklich die Entscheidung des Erzbistums Köln, während der am Montagabend geplanten "Kögida"-Demonstration, die Beleuchtung des Kölner Doms abzuschalten, um den Pegida-nahen Protesten keine Kulisse zu bieten. Der frühere Präsident des lutherischen Weltbundes, Christian Krause, bezeichnete die Verwendung christlicher Symbole auf Pegida-Demonstrationen im "Kölner Stadt-Anzeiger" als pervers. Krause sagte: "Wenn ich sehe, dass da schwarz-rot-gold angestrichene Kreuze hochgereckt werden, gruselt es mich."

Experten ordnen Teile der Organisatoren und Demonstranten von Pegida dem rechtsextremen Spektrum zu. Genährt wird die Bewegung nach Ansicht von Sozialforschern von einer diffusen Angst vor sozialem Abstieg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in ihrer Neujahrsansprache dazu aufgerufen, sich nicht den Demonstrationen anzuschließen. Die Organisatoren hätten oft "Kälte, ja sogar Hass" in ihren Herzen.

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flo/dpa/AFP

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