Proteste am 1. Mai Randalierer attackieren Polizei in Hamburg

Brennende Barrikaden, 18 verletzte Polizisten, Festnahmen - in der Nacht zum 1. Mai kam es in Hamburg zu Krawallen. Gespannt ist die Lage in Berlin: Tausende Beamte versuchen seit dem Vormittag, Rechtsextremisten und linke Gegendemonstranten zu trennen.

DPA

Berlin/Hamburg - Die Ausschreitungen begannen in Hamburg kurz vor Mitternacht. Im Schanzenviertel nahe der "Roten Flora" hatten sich laut Polizei ungefähr 80 Menschen versammelt. Sie warfen mit Flaschen und Steinen die Scheiben einer Bankfiliale ein. "Die Gruppe von gewaltbereiten und teilweise vermummten Personen ist dann auf etwa 200 angewachsen. Sie bewarfen die Polizei mit Steinen und Flaschen", sagte ein Sprecher der Polizei.

Auf der Straße vor der Bankfiliale seien Möbelstücke und Holzreste zu Barrikaden aufgebaut und angezündet worden. 300 bis 400 Schaulustige hätten die Ereignisse beobachtet.

Bei den Auseinandersetzungen seien 18 Polizisten verletzt worden. Neun Randalierer wurden festgenommen, wie der Polizeisprecher am Samstag sagte. Über die Zahl verletzter Randalierer machte die Polizei keine Angaben. Auch zwei Polizeihunde seien angegriffen und verletzt worden. Gegen drei Uhr in der Früh war es wieder ruhig in der Schanze.

Berlin bereitet sich auf Randale vor

In Berlin blieb es in der Nacht vergleichsweise ruhig. Am Boxhagener Platz in Friedrichshain flogen zwar vereinzelt Flaschen und Bierbecher gegen Polizisten, Beamte wurden auch angepöbelt. Die Polizei hatte mit ihrer massiven Präsenz die Lage aber unter Kontrolle. Nach Mitternacht wurden mehrere Straßen geräumt. Es gab keine massiven Ausbrüche von Gewalt. Zuvor waren am Rande einer Demonstration gegen Rechtsextremismus in Berlin-Schöneweide zwei Neonazis festgenommen worden. Es sei insgesamt friedlicher als im Vorjahr gewesen, zeigte sich die Polizei am frühen Morgen zufrieden.

Inzwischen wird die Stimmung jedoch brenzliger. Seit dem Vormittag versucht die Polizei, Rechtsextremisten und linke Gegendemonstranten am Prenzlauer Berg zu trennen. Nach Angaben von Innensenator Ehrhart Körting erwartet seine Behörde bis zu 3000 Rechtsextremisten und bis zu zehntausend linke Gegendemonstranten. 6000 Beamte sollen eingesetzt werden. Dabei werden die Berliner Kräfte von Polizisten aus anderen Bundesländern unterstützt.

Ein breites Bündnis will gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten mit Sitzblockaden protestieren. Dem Protestbündnis haben sich Politiker von SPD, Grünen und der Linken angeschlossen, darunter Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Linke-Chef Oskar Lafontaine und die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief zu Gewaltfreiheit auf. "Das Recht auf Demonstration ist kein Recht zu Gewalt und Regelverletzung."

Im vergangenen Jahr waren am Vorabend des 1. Mai in Berlin knapp 60 Randalierer festgenommen worden. 2009 war es bei der abendlichen Mai-Demonstration in Kreuzberg zu massiven Gewaltausbrüchen gekommen. Fast 500 Polizisten waren verletzt worden. Zahlreiche Störer wurden festgenommen. Mehr als 150 Anklagen wurden gegen Randalierer erhoben, erstmals auch wegen versuchten Mordes.

ler/dpa/apn



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