Provokateure global: Die anderen Sarrazins

Von , , Yassin Musharbash, Dominik Peters, Jan Puhl, , , und

Geert Wilders, Niederlande: Islamhasser

Niederländischer Rechtspopulist Geert Wilders: Dank Islamophobie auf dem Weg zur Macht Zur Großansicht
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Niederländischer Rechtspopulist Geert Wilders: Dank Islamophobie auf dem Weg zur Macht

Geert Wilders ist der Prototyp des Rechtspopulisten mit antimuslimischer Agenda schlechthin. Für ihn scheint es nur eine Richtung zu geben: schnell zur nächsten Provokation, zum nächsten Tabubruch.

Geert Wilders' Aufstieg in den Niederlanden, der seiner Fraktion bei den Parlamentswahlen im Mai 2010 immerhin 15,5 Prozent einbrachte, ging einher mit einer generellen Revision der früher herrschenden, fröhlich-unbekümmerten Multi-Kulti-Einstellung im Land.

Ausgelöst wurde diese Revision nicht zuletzt durch die Ermordung des Filmemachers Theo Van Gogh 2004 durch einen radikalen Islamisten. Wilders machte sich zum Sprachrohr derer, die sich fortan unbehaglich fühlten. Er gründete eine eigene Partei "für die Freiheit", forderte ein Verbot des Korans, einen Einwanderungsstopp und drehte 2008 einen antiislamischen Film, "Fitna". Seine liebste rhetorische Figur bei alldem: Er habe nichts gegen Muslime, wohl aber gegen den Islam. Denn der Islam sei gar keine Religion, sondern eine faschistische Ideologie.

Seit fünf Jahren steht der Mann mit der Mozartfrisur unter Polizeischutz, ein Leben im Ausnahmezustand.

Der erste Islamophobe auf dem Weg an die Macht

Vor dem, was man gemeinhin Political Correctness nennt, macht Wilders schon aus Prinzip keinen Halt: Die niederländische Kultur sei der islamischen überlegen, sagt er zum Beispiel ohne Einschränkungen. Er ist ein Chauvinist im Gewand des Liberalismus, und tatsächlich liegen seine politischen Wurzeln im Liberalismus und nicht in der extremen Rechten: Wilders liebt Israel und Amerika, er verteidigt Schwulenrechte, er ist mit einer Ungarin verheiratet.

Zurzeit ringen die politischen Parteien der Mitte in den Niederlanden noch damit, ob und wie Wilders und seine Leute eingebunden werden sollen. Verhandlungen über ein Modell, in dem er eine Minderheitenregierung toleriert hätte, sind vorerst gescheitert. Das muss nicht das letzte Wort sein, womöglich wird Geert Wilders der erste Islamophobe, der in Europa an einer Regierung beteiligt wird.

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1. Und noch mehr Sarrazin-Bashing...
rolo 09.09.2010
Zitat von sysopAngst vor dem Islam, Integrationsprobleme, Ausländerfeindlichkeit: Nicht nur in Deutschland wird darüber heftig gestritten. In fast jedem Land gibt es Provokateure wie Thilo Sarrazin - SPIEGEL-ONLINE-Korrespondeten zeigen, wie Populisten weltweit gegen Minderheiten Stimmung machen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716117,00.html
Seit dem Wut-Artikel von Matussek habe ich geglaubt, der SPIEGEL online sei zur Besinnung gekommen und zur sachlichen Berichterstattung übergegangen. Scheint aber wohl nur eine Eintagsfliege gewesen zu sein, jetzt haben die Berufsempörer wieder das Wort und stellen ihn in eine Reihe mit einigen wirklich zwielichtigen Gestalten. Na herzlichen Dank, so verkauft man seine Leser für dumm...
2. ???
lorberost 09.09.2010
Was haben die Genannten alle mit Sarrazin zu tun? Überhaupt nichts. Wieso muß man nun Sarrazin in eine reihe mit ihnen stellen? Arme Würstchen. Die Angst vor Sarrazin muß ja schon zur Panik werden sein.
3. Schönes Gruppenbild...
peter hammer 09.09.2010
...und Sarrazin paßt da bestens rein. Zwischen Schirinowski und Wilders.
4. Die verlorene Ehre....
VorwaertsImmer 09.09.2010
Zitat von sysopAngst vor dem Islam, Integrationsprobleme, Ausländerfeindlichkeit: Nicht nur in Deutschland wird darüber heftig gestritten. In fast jedem Land gibt es Provokateure wie Thilo Sarrazin - SPIEGEL-ONLINE-Korrespondeten zeigen, wie Populisten weltweit gegen Minderheiten Stimmung machen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716117,00.html
...und der Spiegel zeigt wie man Stimmung gegen eine Person macht. Man nehme die schlimmsten der Welt und vergleiche sie mit einer Person hierzulande. Selbst wenn der Vergleich hinkt. Ähnlich den Rechten, die Osama bin Laden mit ... vergleichen.
5. Hmb
DJ Doena 09.09.2010
Wie gar kein Henryk M. Broder in der Liste? Oder hat der als Spiegel-Online-Schreiber diplomatische Immunität?
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"Bedauerlich, aber konsequent"

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Sarrazin und das Geld
Sarrazins Vergütung
Thilo Sarrazin ist seit Mai 2009 Mitglied des Bundesbank-Vorstands. Für die ersten acht Monate im Amt bekam er im Jahr 2009 154.800 Euro, davon werden 121.670,84 Euro für die Berechnung seines späteren Ruhestandsgehalt berücksichtigt. So steht es im Geschäftsbericht der Bundesbank. Seine Kollegen haben für das gesamte Jahr 2009 je 232.000 Euro bekommen. Es ist anzunehmen, dass in Sarrazins Arbeitsvertrag die gleiche Gehaltshöhe steht. Sein Vertrag läuft noch bis 2014.
Sarrazins Pensionsansprüche
Die Frage, welche Pensionszahlungen Sarrazin aus seiner Zeit als Bundesbank-Vorstand zustehen, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Das Ruhestandsgeld richtet sich nach einer vereinbarten Formel und muss zudem möglicherweise mit Ansprüchen aus früheren Tätigkeiten verrechnet werden. Vor seiner Zeit bei der Bundesbank war Sarrazin unter anderem Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums, der Treuhandgesellschaft, der Deutschen Bahn und zuletzt Berliner Finanzsenator. Solche komplizierten Karrieren führen oft zu gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Pensions- und Rentenansprüche. Sollte Sarrazin tatsächlich aus seinem Amt abberufen werden, droht außerdem eine Auseinandersetzung darüber, ob seine Pension mit dieser Entscheidung ebenfalls hinfällig ist.