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Provokateure global: Die anderen Sarrazins

Von , , Yassin Musharbash, Dominik Peters, , , , und

Ovadia Josef, Israel: Radikaler Rabbi

Schas-Partei-Rabbi Ovadia Josef: Mächtiger Strippenzieher in der israelischen Politik Zur Großansicht
dpa

Schas-Partei-Rabbi Ovadia Josef: Mächtiger Strippenzieher in der israelischen Politik

Ovadia Josef ist geistliches Oberhaupt der ultraorthodoxen Schas-Partei und Strippenzieher der israelischen Innenpolitik. Der 89-Jährige polemisiert seit Jahren gegen Politiker und Palästinenser gleichermaßen - mit Erfolg.

Die einen sehen in ihm "unseren Meister", andere einen "jüdischen Ajatollah" - Ovadia Josef spaltet Israel. Der radikale Rabbi wünscht Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die "Pest" und hofft, dass alle Palästinenser "vom Erdboden verschwinden". Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nannte er einst eine "blinde Ziege", Verteidigungsminister Ehud Barak "hirnlos" und den im Koma liegenden Ariel Scharon einen "Kriegstreiber, der Schweine liebt". Die sechs Millionen Opfer des Holocausts hatte er gar als "wiedergeborene Sünder" bezeichnet, die für ihre früheren Verfehlungen bezahlt hätten.

Der Spiritus Rector der 1984 gegründeten ultraorthodoxen Schas-Partei und Strippenzieher der israelischen Innenpolitik poltert und polemisiert seit Jahren gegen Israels Spitzenpolitiker und die arabische Welt.

Der junge Josef, 1920 als Sohn eines Goldschmieds in Bagdad geboren, galt als Wunderknabe: Im zarten Alter von zwölf schrieb er sein erstes Buch, acht Jahre später folgte die Ordinierung zum Rabbiner, und von 1968 bis 1973 war er sephardischer Oberrabbiner. Er galt lange Zeit als gemäßigt, hatte er doch die Lösung "pikuach ha nevesch" gepredigt, was so viel heißt wie: "Ein Menschenleben wiegt mehr als ein Stück Land", sich also für den Modus "Land gegen Frieden" mit den Palästinensern ausgesprochen.

Diese Zeiten sind vorbei.

Heute ist er biblische 89 Jahre alt, trägt einen weißen Bart, hat eine Vorliebe für rosa Sonnenbrillen und tritt stets in goldverzierten Kaftanen auf. Er beschwört den "Kulturkampf" in Israel herauf, sieht seine Partei als Sprachrohr und sich selbst als Rächer der religiösen, orientalischen Juden, die im Gegensatz zu den aschkenasischen, also europäischen, Juden bis heute in politischen Ämtern und Führungspositionen unterrepräsentiert sind.

Keine Regierung kommt ohne seine Schas-Minister aus - in einer Koalition machen sie jedoch nur mit, wenn der Staat mit Millionen die Sozialleistungen für die sephardischen Juden und deren religiösen Schulen mit hohen Summen unterstützt.

Der greise Schas-Führer bestimmt, wer Premier wird

Derzeit hat seine Schas (Akronym für Sephardische Torahwächter) vier Minister im Regierungskabinett sitzen, unter anderem Innenminister Eli Yishai. Die Politiker (Frauen gibt es in der Partei nicht) folgen dem Rabbi - genau wie die Hunderttausende sephardischen, orientalischen, Juden. Ihnen verspricht Ovadia Josef den Eintritt ins Paradies, wenn sie für Schas ihre Stimme abgeben.

Und das tun sie.

Ausgestattet mit diesem Wählerpotential ist die "Schas" längst ein politisches Schwergewicht geworden und ihr greiser Führer bestimmt darüber, welcher Politiker Präsident oder Premier wird: Schimon Peres hatte im Wettrennen um das Präsidentenamt im Jahr 2000 trotz der Unterstützung der Bevölkerung das Nachsehen gegen Mosche Katzav. Letzterer wurde von Josef protegiert - weil er sephardischer Jude ist und aus Iran stammt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 392 Beiträge
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1. Und noch mehr Sarrazin-Bashing...
rolo 09.09.2010
Zitat von sysopAngst vor dem Islam, Integrationsprobleme, Ausländerfeindlichkeit: Nicht nur in Deutschland wird darüber heftig gestritten. In fast jedem Land gibt es Provokateure wie Thilo Sarrazin - SPIEGEL-ONLINE-Korrespondeten zeigen, wie Populisten weltweit gegen Minderheiten Stimmung machen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716117,00.html
Seit dem Wut-Artikel von Matussek habe ich geglaubt, der SPIEGEL online sei zur Besinnung gekommen und zur sachlichen Berichterstattung übergegangen. Scheint aber wohl nur eine Eintagsfliege gewesen zu sein, jetzt haben die Berufsempörer wieder das Wort und stellen ihn in eine Reihe mit einigen wirklich zwielichtigen Gestalten. Na herzlichen Dank, so verkauft man seine Leser für dumm...
2. ???
lorberost 09.09.2010
Was haben die Genannten alle mit Sarrazin zu tun? Überhaupt nichts. Wieso muß man nun Sarrazin in eine reihe mit ihnen stellen? Arme Würstchen. Die Angst vor Sarrazin muß ja schon zur Panik werden sein.
3. Schönes Gruppenbild...
peter hammer 09.09.2010
...und Sarrazin paßt da bestens rein. Zwischen Schirinowski und Wilders.
4. Die verlorene Ehre....
VorwaertsImmer, 09.09.2010
Zitat von sysopAngst vor dem Islam, Integrationsprobleme, Ausländerfeindlichkeit: Nicht nur in Deutschland wird darüber heftig gestritten. In fast jedem Land gibt es Provokateure wie Thilo Sarrazin - SPIEGEL-ONLINE-Korrespondeten zeigen, wie Populisten weltweit gegen Minderheiten Stimmung machen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716117,00.html
...und der Spiegel zeigt wie man Stimmung gegen eine Person macht. Man nehme die schlimmsten der Welt und vergleiche sie mit einer Person hierzulande. Selbst wenn der Vergleich hinkt. Ähnlich den Rechten, die Osama bin Laden mit ... vergleichen.
5. Hmb
DJ Doena 09.09.2010
Wie gar kein Henryk M. Broder in der Liste? Oder hat der als Spiegel-Online-Schreiber diplomatische Immunität?
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"Bedauerlich, aber konsequent"

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Sarrazin und das Geld
Sarrazins Vergütung
Thilo Sarrazin ist seit Mai 2009 Mitglied des Bundesbank-Vorstands. Für die ersten acht Monate im Amt bekam er im Jahr 2009 154.800 Euro, davon werden 121.670,84 Euro für die Berechnung seines späteren Ruhestandsgehalt berücksichtigt. So steht es im Geschäftsbericht der Bundesbank. Seine Kollegen haben für das gesamte Jahr 2009 je 232.000 Euro bekommen. Es ist anzunehmen, dass in Sarrazins Arbeitsvertrag die gleiche Gehaltshöhe steht. Sein Vertrag läuft noch bis 2014.
Sarrazins Pensionsansprüche
Die Frage, welche Pensionszahlungen Sarrazin aus seiner Zeit als Bundesbank-Vorstand zustehen, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Das Ruhestandsgeld richtet sich nach einer vereinbarten Formel und muss zudem möglicherweise mit Ansprüchen aus früheren Tätigkeiten verrechnet werden. Vor seiner Zeit bei der Bundesbank war Sarrazin unter anderem Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums, der Treuhandgesellschaft, der Deutschen Bahn und zuletzt Berliner Finanzsenator. Solche komplizierten Karrieren führen oft zu gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Pensions- und Rentenansprüche. Sollte Sarrazin tatsächlich aus seinem Amt abberufen werden, droht außerdem eine Auseinandersetzung darüber, ob seine Pension mit dieser Entscheidung ebenfalls hinfällig ist.


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