Von Benjamin Bidder, Hasnain Kazim, Yassin Musharbash, Dominik Peters, Jan Puhl, Gregor Peter Schmitz, Stefan Simons, Daniel Steinvorth und Carsten Volkery
Ovadia Josef ist geistliches Oberhaupt der ultraorthodoxen Schas-Partei und Strippenzieher der israelischen Innenpolitik. Der 89-Jährige polemisiert seit Jahren gegen Politiker und Palästinenser gleichermaßen - mit Erfolg.
Die einen sehen in ihm "unseren Meister", andere einen "jüdischen Ajatollah" - Ovadia Josef spaltet Israel. Der radikale Rabbi wünscht Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die "Pest" und hofft, dass alle Palästinenser "vom Erdboden verschwinden". Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nannte er einst eine "blinde Ziege", Verteidigungsminister Ehud Barak "hirnlos" und den im Koma liegenden Ariel Scharon einen "Kriegstreiber, der Schweine liebt". Die sechs Millionen Opfer des Holocausts hatte er gar als "wiedergeborene Sünder" bezeichnet, die für ihre früheren Verfehlungen bezahlt hätten.
Der Spiritus Rector der 1984 gegründeten ultraorthodoxen Schas-Partei und Strippenzieher der israelischen Innenpolitik poltert und polemisiert seit Jahren gegen Israels Spitzenpolitiker und die arabische Welt.
Der junge Josef, 1920 als Sohn eines Goldschmieds in Bagdad geboren, galt als Wunderknabe: Im zarten Alter von zwölf schrieb er sein erstes Buch, acht Jahre später folgte die Ordinierung zum Rabbiner, und von 1968 bis 1973 war er sephardischer Oberrabbiner. Er galt lange Zeit als gemäßigt, hatte er doch die Lösung "pikuach ha nevesch" gepredigt, was so viel heißt wie: "Ein Menschenleben wiegt mehr als ein Stück Land", sich also für den Modus "Land gegen Frieden" mit den Palästinensern ausgesprochen.
Diese Zeiten sind vorbei.
Heute ist er biblische 89 Jahre alt, trägt einen weißen Bart, hat eine Vorliebe für rosa Sonnenbrillen und tritt stets in goldverzierten Kaftanen auf. Er beschwört den "Kulturkampf" in Israel herauf, sieht seine Partei als Sprachrohr und sich selbst als Rächer der religiösen, orientalischen Juden, die im Gegensatz zu den aschkenasischen, also europäischen, Juden bis heute in politischen Ämtern und Führungspositionen unterrepräsentiert sind.
Keine Regierung kommt ohne seine Schas-Minister aus - in einer Koalition machen sie jedoch nur mit, wenn der Staat mit Millionen die Sozialleistungen für die sephardischen Juden und deren religiösen Schulen mit hohen Summen unterstützt.
Der greise Schas-Führer bestimmt, wer Premier wird
Derzeit hat seine Schas (Akronym für Sephardische Torahwächter) vier Minister im Regierungskabinett sitzen, unter anderem Innenminister Eli Yishai. Die Politiker (Frauen gibt es in der Partei nicht) folgen dem Rabbi - genau wie die Hunderttausende sephardischen, orientalischen, Juden. Ihnen verspricht Ovadia Josef den Eintritt ins Paradies, wenn sie für Schas ihre Stimme abgeben.
Und das tun sie.
Ausgestattet mit diesem Wählerpotential ist die "Schas" längst ein politisches Schwergewicht geworden und ihr greiser Führer bestimmt darüber, welcher Politiker Präsident oder Premier wird: Schimon Peres hatte im Wettrennen um das Präsidentenamt im Jahr 2000 trotz der Unterstützung der Bevölkerung das Nachsehen gegen Mosche Katzav. Letzterer wurde von Josef protegiert - weil er sephardischer Jude ist und aus Iran stammt.
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