Potsdam - Überraschende Wende in der Verhandlung gegen Christian Goetjes, Ex-Schatzmeister der Grünen in Brandenburg: Bislang hatte sich der 34-Jährige als mittelloser Hartz-IV-Empfänger vor dem Landgericht in Potsdam dargestellt. Doch er soll in Berlin als Zuhälter einen Escort-Service mit bulgarischen Prostituierten betreiben. Hinweise leitete das Landeskriminalamt Berlin an die Brandenburger Ermittler weiter, wie der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann sagte. "Es gibt Anhaltspunkte, dass der Angeklagte Huren für Haus- und Hotelbesuche vermittelt."
Goetjes muss sich vor Gericht verantworten, weil er 2010 und 2011 knapp 274.000 Euro aus der Parteikasse abgezweigt haben soll. Zum Prozessauftakt hatte er zugegeben, sich systematisch bedient zu haben - angeblich, um zwei befreundeten Prostituierten zu helfen.
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll der Ex-Schatzmeister die Frauen aber sogar selbst zu den Freiern chauffieren. "Er soll die Höhe des Dirnenlohns festlegen und sich die Hälfte auszahlen", sagte Tiemann am Donnerstag mit Bezug auf die Erkenntnisse der Ermittlungsbehörde.
Goetjes habe offenbar sogar noch während oder nach der Hauptverhandlung in der vergangenen Woche Prostituierte an Freier vermittelt, sagte der Richter. Eine dafür verwendete Telefonnummer soll auf den Namen seiner Mutter angemeldet sein.
Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft gehen die Vorwürfe auf eine Anzeige einer Bulgarin bei der Berliner Polizei zurück. Die Frau habe Goetjes in der vergangenen Woche angezeigt, weil er ihr nachgestellt haben soll. Sie soll laut Staatsanwaltschaft zu dem von Goetjes betriebenen Escort-Service gehören.
Aufgrund der neuen Erkenntnisse wurde die Verhandlung unterbrochen. Der Prozess wird sich um mindestens zwei Tage verlängern.
als/dpa/dapd
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