Prozess gegen Ex-Bundespräsidenten Wulffs Personenschützer verärgert Richter

Im Prozess gegen Christian Wulff sollte sein früherer Personenschützer über einen Oktoberfestbesuch aussagen - doch der Mann erinnerte sich nur an wenig. Die Gedächtnislücken waren derart groß, dass dem Vorsitzenden Richter der Kragen platzte.

Vorsitzender Richter Frank Rosenow: "Ein Verfahren, das die Republik erregt"
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Vorsitzender Richter Frank Rosenow: "Ein Verfahren, das die Republik erregt"


Hannover - Die Aussage des früheren Personenschützers sollte Klarheit bringen über einen Oktoberfestbesuch im Jahr 2008, Christian Wulff war damals niedersächsischer Ministerpräsident. Der Besuch steht im Mittelpunkt des Verfahrens gegen den späteren Bundespräsidenten wegen des Verdachts der Vorteilsannahme.

Doch sein Personenschützer erinnerte sich nur an wenig. Ob sich Wulff und der Filmfinancier David Groenewold bei dem Fest regelmäßig trafen, konnte er zum Beispiel nicht sagen.

Der Zeuge begleitete Wulff von 2003 bis 2009 rund zwei Wochen pro Monat. An dem Oktoberfestwochenende wohnte der Beamte im Hotel "Bayerischer Hof" sogar im Zimmer neben der Suite des Ehepaars Wulff. Er konnte sich auch nicht daran erinnern, dass der kleine Sohn des Ministerpräsidenten dabei war.

Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow war über die Erinnerungslücken sichtlich verärgert. "Sie wissen ja, dass das ein Verfahren ist, das die Republik erregt." Er habe erwartet, dass sich ein Polizeibeamter auf ein solches Verfahren vorbereite, sagte Rosenow. "So eine Vernehmung von einem Polizeibeamten habe ich noch nicht erlebt."

Der Ex-Bundespräsident steht seit 14. November vor Gericht. Laut Anklage soll Filmproduzent Groenewold bei dem Besuch Wulffs auf dem Oktoberfest einen Teil der Hotelkosten für Wulff und dessen Frau übernommen haben - insgesamt rund 750 Euro für Hotel, Abendessen und die Bewirtung auf dem Oktoberfest. Später setzte sich Wulff für ein Filmprojekt seines Freundes beim Elektrokonzern Siemens ein.

Groenewold ist wegen Vorteilsgewährung mitangeklagt. Sowohl Wulff als auch Groenewold weisen die Vorwürfe zurück. Sie streben einen Freispruch an.

Am 5. Dezember will das Gericht die ersten prominenten Zeugen hören, Verleger Hubert Burda und seine Frau, die Schauspielerin Maria Furtwängler. Beide sollen beim Oktoberfest in jenem Jahr ebenfalls Gäste von Groenewold gewesen sein. Ein Urteil wird frühestens im kommenden Jahr erwartet.

kgp/dpa

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braman 28.11.2013
1. Erregte Republik
Welcher Teil der Republik, außer der Regenbogenpresse, erregt sich denn? Die Relevanz dieses Prozesses tendiert eher gegen NULL. Herr Wulff wurde von der Regenbogenpresse zu Fall gebracht, jetzt wird das traurige Nachspiel noch ausgeschlachtet.
hesekiel2517 28.11.2013
2. Na..
Zitat von sysopDPAIm Prozess gegen Christian Wulff sollte sein früherer Personenschützer über einen Oktoberfestbesuch aussagen - doch der Mann erinnerte sich nur an wenig. Die Gedächtnislücken waren derart groß, dass dem Vorsitzenden Richter der Kragen platzte. Prozess gegen Christian Wulff: Personenschützer verärgert Richter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/prozess-gegen-christian-wulff-personenschuetzer-veraergert-richter-a-936130.html)
..diesem "vergesslichen Zeugen"würde ich mal mit Beugehaft drohen.......!
jurawel 28.11.2013
3. Benehmen ungenügend, Herr Rosenow!
Als hätten sich Staatsanwaltschaft und Gericht nicht schon lächerlich genug gemacht, indem sie diese Anklage eingereicht, bzw. zugelassen haben, da wird der vorsitzende Richter ungehalten, wenn ein Zeuge nicht das sagt, was er gerne hätte?! Peinlich. Schon gestern lies dass Gericht zu, dass die Zeugin eigene Mutmaßungen anstellte, ob Wulf seinen Kostenanteil gezahlt habe, obwohl sie konkrett anderes weder wußte noch wissen konnte?! Sorry, Herr Rosenow ein Prozess ist kein Wunschkonzert und Zeugen müssen nicht das aussagen, was sich Richter wünschen, sondern Richter sollen sich aufgrund der Beweismittel ein Urteil bilden!
lackehe 28.11.2013
4. Na endlich kommt heraus, dass
hier ein Verfahren eröffnet wurde und die Staatsanwaltschaft nicht einmal weiß, um was es geht; lesen die denn keine Zeitungen? Woher haben die denn überhaupt den Namen eines Personenschützers, aus der Vorratsdatenspeicherung? Hat den vorher niemand gekannt, niemand vernommen? Ist es nicht Aufgabe der Ermittler, alles be- und entlastende zusammenzutragen, bevor Anklage erhoben wird? Geht es vielleicht einfach darum, dem Volke etwas vorzumachen, in dem Tenor, etwas blieb schon kleben und vielleicht gelinkt es uns am Ende, dem Volke begreiflich zu machen, dass ein Rechtsstaat, Recht sprechen muss, egal auf welche Art und Weise?
Berg 28.11.2013
5. Was war vor 5 Jahren beim Oktoberfest?
Also, was voriges Jahr beim Volksfest los war, das weiß ich heute npch genau; an vorvoriges Jahr erinnere ich mich noch halbwegs; an 2010 kann ich mich etwas weniger erinnern; und über 2009 weiß ich fast nichts mehr; und was 2008 ablief, habe ich vollkommen vergessen. Leuchtet das ein?
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