Prozessauftakt: Deutsches Qaida-Quartett plante Anschlag mit Splitterbombe

Mit "dem Schlachten der Hunde" beginnen: So martialisch sollen die vier mutmaßlichen Mitglieder der Düsseldorfer Qaida-Zelle ihre Anschlagspläne angekündigt haben. Angeblich wollten sie eine Splitterbombe in einer Menschenmenge zünden. Beim Prozessauftakt in Düsseldorf schwiegen sie.

Amid C. und Abdeladim El-K. im Gerichtssaal: Zweck, "Mord und Totschlag zu begehen" Zur Großansicht
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Amid C. und Abdeladim El-K. im Gerichtssaal: Zweck, "Mord und Totschlag zu begehen"

Düsseldorf - Ihr Auftrag soll aus der Führungsspitze der radikalislamischen al-Qaida gekommen sein: Im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat am Mittwoch der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der Düsseldorfer Terrorzelle begonnen. Die Männer im Alter von Anfang 20 bis Anfang 30 wollten laut der Anklage "Angst und Schrecken in Deutschland verbreiten".

Sie planten demnach, eine gewaltige Bombe mit Metallsplittern in einer großen Menschenmenge zu zünden. Eine zweite Bombe sollte gegen die Rettungskräfte gerichtet werden. Im Visier der Täter seien Bundeswehr-Angehörige und islamkritische Organisationen gewesen. Die Pläne waren nach Angaben der Bundesanwaltschaft jedoch noch im Anfangsstadium. Ein konkretes Anschlagsziel habe es noch nicht gegeben.

Zweck der Vereinigung sei es gewesen, "Mord und Totschlag zu begehen", wie die Bundesanwaltschaft in der Anklage erklärte. Den Männern wird die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen, außerdem stehen sie wegen Betrügereien vor Gericht, mit denen sie ihre Pläne finanzieren wollten.

Obwohl die Spezialeinheit GSG 9 beim Zugriff in einer Düsseldorfer Wohnung im April 2011 Utensilien zum Bombenbau entdeckte, wurden die vier Verdächtigen nicht wegen der Planung des Terroranschlags angeklagt. Die Vorbereitungen für den Anschlag seien noch nicht weit genug gediehen gewesen, sagte eine Vertreterin der Bundesanwaltschaft.

"Sieg und Märtyrertum"

Auf die Spur der mutmaßlichen Terroristen kamen die Ermittler nach eigenen Angaben durch einen Informanten aus dem Umfeld von Al-Qaida im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Daraufhin setzten sie die "Düsseldorfer Zelle" unter Beobachtung.

Bei den Angeklagten handelt es sich unter anderem um den Marokkaner Abdeladim El-K. Laut Bundesanwaltschaft hatte er im Jahr 2010 einen Anschlag bei der Ausbildung in einem Qaida-Lager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vorbereitet. Dort wurde er demnach auch im Umgang mit Schusswaffen sowie in der Herstellung von Sprengstoffen und Zündern unterrichtet.

Die Qaida-Führung habe El-K. mit dem Aufbau einer Zelle beauftragt, um Anschläge in Deutschland zu begehen. Im Mai 2010 sei er nach Deutschland gekommen und habe die ihm aus seiner Studienzeit bekannten Mitangeklagten - den Deutsch-Marokkaner Jamil S., den Deutsch-Iraner Amid C. und den Deutschen Halil S. - rekrutiert.

Den Fanatismus, den der Hauptbeschuldigte El-K. dabei an den Tag gelegt haben soll, will die Staatsanwaltschaft mit Auszügen aus E-Mails und Telefongesprächen belegen. Demnach schrieb er an die Qaida-Führung, er halte sein Versprechen und werde "mit dem Schlachten der Hunde" anfangen. Es gehe um "Sieg und Märtyrertum", hieß es laut Staatsanwaltschaft an anderer Stelle. Der Text für ein Bekennervideo habe der Beschuldigte schon fertig formuliert.

Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen erkundet

Laut der Anklageschrift war die Zelle ab Dezember 2010 in Deutschland aktiv. El-K. habe sich über die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden, Flughäfen und Bahnhöfen informiert. Jamil S. habe ihn in seiner Wohnung in Düsseldorf aufgenommen und sollte bei der Herstellung des Sprengstoffs mitwirken. Die beiden weiteren Angeklagten seien vor allem für logistische Aufgaben, etwa für die verschlüsselte Kommunikation mit der Qaida-Führung, zuständig gewesen.

Ab April 2011 habe die Gruppe dann nach Möglichkeiten gesucht, für die Herstellung von Sprengsätzen nötige Materialien zu beschaffen und schließlich versucht, in der Wohnung aus Grillanzündern Hexamin für Sprengstoff zu gewinnen.

Daraufhin waren El-K., Jamil S.und Amid C. Ende April 2011 in Düsseldorf und Bochum festgenommen worden. Halil S. habe die Anschlagspläne anschließend weiter verfolgt, sei aber im Dezember in Bochum festgenommen worden.

In einem Vorgespräch hatten die Verteidiger dem Gericht signalisiert, dass das Quartett zu den Vorwürfen zunächst schweigen wird. Das Material zum Fall füllt 260 Aktenordner, die Anklageschrift umfasst mit Anhang mehr als 500 Seiten. Für das Verfahren hat die Vorsitzende Richterin 30 Verhandlungstermine bis Ende November bestimmt. Sie war bereits an den Prozessen gegen die sogenannten Kofferbomber aus Köln und die islamistische Sauerland-Gruppe beteiligt.

fdi/usp/dpa/dapd/Reuters/AFP

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