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Publizist: Broder kandidiert für Vorsitz des Zentralrats der Juden

Henryk M. Broder will Präsident des Zentralrats der Juden werden. Das hat der Publizist in einem Beitrag für den "Tagesspiegel" angekündigt. Im Falle seiner Wahl will sich Broder unter anderem dafür einsetzen, den Straftatbestand der Holocaustleugnung aufzuheben.

Henryk M. Broder (Archivbild): "Verband in einem erbärmlichen Zustand" Zur Großansicht
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Henryk M. Broder (Archivbild): "Verband in einem erbärmlichen Zustand"

Berlin - Henryk M. Broder strebt die Nachfolge von Charlotte Knobloch an. Er bewerbe sich nach reiflicher Überlegung für das Amt als Vorsitzender des Zentralrats der Juden, schreibt der Journalist, der regelmäßiger Autor für SPIEGEL ONLINE ist, im "Tagesspiegel". Der Verband sei in "einem erbärmlichen Zustand", die Präsidentin scheine überfordert. Knobloch ließ am Mittwoch mitteilen, von ihr gebe es dazu keine Stellungnahme.

Broder geht auch mit Generalsekretär Stephan Kramer scharf ins Gericht. Dieser versuche vergeblich, die schwindende Bedeutung der Organisation mit ihren rund 120.000 Mitgliedern durch taktische Allianzen und "sinnfreien Aktionismus" auszugleichen.

Als Präsident will sich Broder dafür einsetzen, dass die Holocaustleugnung als Straftatbestand aufgehoben wird. "Das Gesetz war gut gemeint, hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, indem es Idioten dazu verhilft, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren", schrieb Broder. "Unser aller Problem ist nicht der letzte Holocaust, dessen Faktizität außerfrage steht, sondern der Völkermord, der vor unseren Augen im Sudan stattfindet."

Deutschland brauche nicht noch mehr Holocaustmahnmale und Gedenkstätten, sondern eine aktive Politik im Dienst der Menschenrechte ohne Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Interessen. Außerdem wolle er sich um gute Beziehungen zu den Muslimen in Deutschland bemühen, die für eine strikte Trennung von Staat und Religion eintreten, schreibt Broder.

cte/AP/AFP

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