"Puma" Ministerium bestellt 405 umstrittene Panzer

Es gibt noch keinen funktionsfähigen Prototypen, trotzdem will das Verteidigungsministerium 405 Exemplare des neuen Schützenpanzers "Puma" bestellen. Kosten: knapp vier Milliarden Euro. Nach SPIEGEL-Informationen setzt sich das Ministerium über Bedenken des Bundesrechnungshofs hinweg.


Hamburg - Obwohl es bisher noch keinen funktionsfähigen Prototypen gibt, will das Verteidigungsministerium demnächst 405 Exemplare des neuen Schützenpanzers "Puma" im Wert von knapp vier Milliarden Euro bestellen. Es setzt sich damit über Bedenken des Bundesrechnungshofs (BRH) hinweg. Nach SPIEGEL-Informationen weist der Rechnungshof in einem vertraulichen Bericht auf "erhebliche Risiken" hin.

"Puma" (Studie aus dem Jahr 2004): "Technische Probleme"
DDP

"Puma" (Studie aus dem Jahr 2004): "Technische Probleme"

Demnach sind bei fünf sogenannten Vorserien-Fahrzeugen "erhebliche technische Probleme" bei Motor, Getriebe und Fahrwerk aufgetreten, obendrein werde der Panzer schwerer als geplant. Die bisherigen "Erprobungsergebnisse" seien nicht zufriedenstellend. Ungewiss bleibt dabei, ob der "Puma" je die geforderten Leistungen erbringen wird.

Die Koalitionsmehrheit im Bundestag will dem Kauf trotzdem zustimmen. "Die Bundeswehr kauft eine Katze im Sack", rügt der Grünen-Haushalts- und Rüstungsexperte Alexander Bonde. Er hoffe nur, dass der "Puma"-Kauf "nicht so endet wie die HS-30-Affäre". In den fünfziger Jahren bestellte das Verteidigungsministerium zahlreiche Schützenpanzer des Typs HS 30, obwohl lediglich ein Holzmodell zu besichtigen war. Das Fahrzeug erwies sich im Truppenalltag rasch als unbrauchbar und stand später im Zentrum eines Schmiergeldskandals.

Das Verteidigungsministerium sieht keinen Handlungsbedarf. "Für uns ist das Risiko überschaubar und akzeptabel", sagte ein Sprecher am Samstag. "Wir halten am Puma fest."

Der "Puma" soll den Schützenpanzer "Marder" ablösen. Der neue Panzer hat eine modernere Kanone und ist lufttransportfähig. Den Auftrag für 405 Stück teilen sich die Rüstungshersteller Krauss-Maffei und Rheinmetall. Ursprünglich sollte 2010 mit dem Serienbau begonnen werden.

Nach dem sechsten Sachstandsbericht, der am Mittwoch laut Ministeriumssprecher im Verteidigungsausschuss des Bundestages beraten wurde, geht die Industrie wegen der technischen Probleme inzwischen von einer Verzögerung von etwa zweieinhalb Jahren aus.

wal/dpa



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