Putins Antrittsbesuch: Küsschen für die Kanzlerin

Kaum gelandet, schon wieder weg. Wladimir Putins Antrittsbesuch in Berlin währte nur kurz. Das werten viele als Beleg für die Verschlechterung des deutsch-russischen Verhältnisses. So zeigten sich Kanzlerin Merkel und der Kreml-Chef demonstrativ entspannt - inklusive Küsschen.

DPA

Berlin - Der Besuch fiel kurz aus. Russlands Präsident Wladimir Putin ist am Freitag nur für ein paar Stunden zum Antrittsbesuch in Berlin gewesen. Kanzlerin Angela Merkel und Putin versicherten sich dabei gegenseitig, ihre Beziehungen nach dem Machtwechsel in Moskau weiter ausbauen zu wollen. Beide benannten dabei besonders die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Merkel mahnte indirekt aber auch demokratische Reformen an. Beide vereinbarten, die deutsch-russischen Regierungskonsultationen im Oktober im russischen Kasan fortzusetzen.

Putin reiste nach den Treffen mit Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck sofort nach Frankreich weiter. Im Vorfeld des Besuchs hatte es Spekulationen über Spannungen zwischen Putin und Merkel gegeben. Beide bemühten sich im Kanzleramt allerdings nach Kräften, diesen Eindruck zu zerstreuen. Schon die Begrüßung fiel sehr freundlich aus, nach einem gemeinsamen Arbeitsessen präsentierten sich beide gut gelaunt der Presse. Merkel lobte die "sehr intensiven und guten, freundschaftlichen Beziehungen" mit Russland. Auch Putin sprach von einem "produktiven, offenen und freundschaftlichen" Treffen. Merkel wertete es als Beweis der "sehr intensiven und guten freundschaftlichen Beziehungen", dass eine seiner ersten Auslandsreisen Putin nach Berlin geführt habe.

Beide Politiker sprachen auch über die Situation in Syrien und erklärten anschließend, sie setzten gemeinsam auf eine politische Lösung. Sie forderten die Umsetzung des Friedensplans von Kofi Annan. Putin erschien den Beobachtern bei der Syrien-Frage ungewöhnlich zahm. Moskau ist einer der letzten Verbündeten des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Gemeinsam mit China blockierte Russland im Uno-Sicherheitsrat bereits zwei Mal Resolutionen gegen das Assad-Regime.

Merkel und Putin loben wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die wirtschaftlichen Beziehungen entwickelten sich sehr hervorragend, betonten beide. Die gelte nicht nur für die Modernisierung der russischen Industrie, sondern auch für die Kooperation im Rohstoffbereich, wie die Erdgaspipeline Nordstream zeige, sagte Merkel.

Thema sei aber auch die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland gewesen, sagte Merkel. "Ich habe von meiner Seite aus deutlich gemacht, dass wir alles Interesse daran haben, dass die demokratische Vielfalt in Russland sich auch weiter entwickeln kann, weil nur so aus meiner Erfahrung heraus auch eine wirklich kräftige Zivilgesellschaft, die die Entwicklung des Landes unterstützt, entstehen kann."

Merkel hatte Putin zuvor mit militärischen Ehren im Kanzleramt empfangen. Beide begrüßten sich mit Wangenküssen - eine Geste, auf die der französische Präsident François Hollande bei seinem Antrittsbesuch in Berlin verzichtet hatte. Vor dem Kanzleramt standen einige Dutzend Demonstranten, die Syrien-Flaggen und Transparente mit der Aufschrift wie "Putin ist nicht legitim" hochhielten. Der Empfang des Kreml-Chefs wurde aus der Ferne von Pfiffen und Anti-Putin-Parolen begleitet.

ler/dpa

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Wladimir Putin im SPIEGEL

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