+++ Newsblog +++ USA müssen Luftschläge gegen IS umplanen

Die US-Luftwaffe kann derzeit von der Türkei aus keine Angriffe gegen den "Islamischen Staat" fliegen. Der türkische Luftraum ist für Militärmaschinen gesperrt. Die Offensive soll aber bald weitergehen.

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Die USA möchten bald wieder von der Türkei aus Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fliegen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington, Peter Cook, bestätigte am Samstag, dass die türkische Regierung nach dem Putschversuch den Luftraum für Militärflugzeuge gesperrt habe. Als Ergebnis seien die Flüge von der Basis Incirlik aus zurzeit gestoppt. "US-Vertreter arbeiten mit den Türken daran, dass die Luftoperationen so schnell wie möglich fortgesetzt werden können", so Cook weiter. In der Zwischenzeit würden die Einsätze gegen den IS umgestellt, um die Auswirkungen der Ereignisse in der Türkei auf die Luftkampagne gegen den IS gering zu halten. Die Zusammenarbeit mit der Türkei werde durch die aktuelle Staatskrise nicht beeinträchtigt.
Ägypten hat einen Beschluss des UN-Sicherheitsrats blockiert, der die Gewalt in der Türkei verurteilen sollte. In dem von den USA vorbereiteten Statement sollte dazu aufgefordert werden, "die demokratisch gewählte Regierung der Türkei zu respektieren". Enthalten war auch ein Appell zur Mäßigung und einer baldigen Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit. Unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, Ägypten habe argumentiert, es sei nicht am UN-Sicherheitsrat zu entscheiden, ob eine  Regierung demokratisch legitimiert sei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von dem Putsch überrascht. Bisher hatte sie den Eindruck, dass Erdogan Militär und Polizei mit Gefolgsleuten besetzt hat. Merkel telefonierte noch in der Nacht mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Kanzleramtsminister Peter Altmaier, um eine gemeinsame Haltung der Bundesregierung festzulegen. Auf dem Asem-Gipfel in Ulan Bator wurde unter den Europäern eine gemeinsame Linie festgelegt, die dann Ratspräsident Donald Tusk verkündete. Das Kanzleramt und das Auswärtige Amt hielten den Kontakt zur Botschaft in Ankara. Es ist noch unklar, ob sich Merkel am Samstag öffentlich zur Lage in der Türkei äußert.

Die Kanzlerin nahm den Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann mit zwei Mitarbeitern in ihrer Regierungsmaschine mit. Schneider-Ammann wollte einen Linienflug nehmen, saß aber wegen der Schließung des Flughafens Istanbul in Ulan Bator fest.
Sämtliche Nato-Mitarbeiter und -Truppen in der Türkei seien wohlauf, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Das habe ihm der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Curtis Scaparrotti, bestätigt. Zudem lobte Stoltenberg den Widerstand der türkischen Bevölkerung und Politik gegen den versuchten Militärputsch und den Einsatz für die Demokratie.
Der Bosporus wurde von der Seeschifffahrtsbehörde wieder freigegeben. (Foto: Emrah Gurel/AP)
 
Polizisten sichern den Taksim-Platz in Istanbul. Vieles deutet darauf hin, dass die Putschisten kurz vor dem Scheitern stehen. (Foto: AP)
Auch in Istanbul gibt es Todesopfer, berichtet Reuters unter Berufung auf Regierungskreise. Die Angriffe auf das Parlament in Ankara hielten noch an. Der örtliche Widerstand von Putschisten in Ankara und Istanbul werde aber bald beendet.
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat alle Parteien für Samstagnachmittag zu einer Sondersitzung ins Parlament bestellt, wie Lokalmedien berichteten. 
Der Flughafen in Istanbul ist offenbar unter der Kontrolle von Soldaten, die der Regierung loyal gegenüber stehen.
Der Sender CNN Türk berichtet wieder. Nachdem Putschisten das Gebäude besetzt hatten, wurde die Berichterstattung vorübergehend unterbrochen.
Betroffen ist auch der Sender Kanal D, der sich im Dogan Medya Center befindet. Das Studio CNN Türk ist nun leer twitter.com/zeynep/status/…

#CNN #Türkei verantwortlicher Redakteur:"Die Soldaten fragen,wie man die Sendung abstellt",Kamera läuft noch;"Freunde,ihr macht einen Fehler
Erdogan ist offenbar in Istanbul gelandet. Das melden Medien, unter anderem AFP unter Berufung auf das Präsidialamt. Unklar blieb, woher Erdogan angereist war. Medienberichten zufolge war der Staatschef zum Urlaub im Badeort Marmaris an der Mittelmeerkürste, als der Putsch startete. Später hatte es aus dem Präsidialamt lediglich geheißen, der Präsident sei in der Türkei und in Sicherheit.
Die Journalisten Cigdem Akyol berichtet für  SPIEGEL ONLINE aus Istanbul. Sie berichtet von einer Explosion. Im Stadtteil Cihangir, nahe dem Taksim-Platz, seien überall Alarmanlagen zu hören. Über der Stadt fliegen Kampfjets.
Der Sender CNN Türk berichtet, Soldaten seien in das Gebäude des Senders in Istanbul eingedrungen. Fernsehbilder zeigen, wie das Nachrichtenstudio vor laufender Kamera geräumt wird.
Ein Journalist der Hürriyet twittert, dass eine Gruppe Putschisten in das Gebäude des Medienkonzerns eingedrunken seien:
Der Sender NTV berichtete, 50 Soldaten seien festgenommen worden. Auf Fernsehbildern waren Polizisten zu sehen, die Soldaten abführten. 
Die Europäische Union steht hinter der Regierung in der Türkei. "Wir rufen zu einer schnellen Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung auf", hieß es am Samstag am Rande des Asian-Europa-Gipfels (Asem) in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator in einer Erklärung von EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Die Türkei ist ein wichtiger Partner der EU", teilten beide darin weiter mit. "Die EU unterstützt voll die demokratisch gewählte Regierung, die Institutionen des Landes und die Rechtsstaatlichkeit." Die EU werde die Entwicklung aufmerksam verfolgen.
Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, in Istanbul seien sechs Zivilisten durch Schüsse getötet worden - fast hundert Menschen wurde verletzt. Die Toten und Verletzten seien in ein Krankenhaus auf der asiatischen Seite der Stadt eingeliefert worden.
Eine Bombe soll das Parlament in Ankara getroffen haben. Das berichten mehrere Medien, darunter Anadolu. Reporter berichten von einer lauten Explosion.Dem Sender Fox TV zufolge hat ein Hubschrauber auf das Gebäude gefeuert.
Der deutsche Botschaft in der Türkei, Martin Erdmann, ruft deutsche Staatsbürger in der Türkei dazu auf, Wohnungen und Hotels nicht zu verlassen. Die Lage in sei unklar.
Das Bild zeigt Flammen, die in den Nachthimmel lodern. Der Journalist Mete Sohtaoglu verbreitete die Aufnahme, die das bei einem Helikopterangriff getroffene Polizeihauptquartier in Ankara zeigen soll.

Kanzlerin #Merkel in laufendem Kontakt mit Ministern Steinmeier, Gabriel und Altmaier. Unterstützung für gewählte Regierung. #Türkei
Nach ersten Angaben hat der Putschversuch keine Auswirkungen auf die Bundeswehr-Soldaten in der türkischen Luftwaffen-Basis Incirlik.  Aus dem Verteidigungsministerium in Berlin hieß es i, aktuell gebe es "keine Auswirkung" auf das deutsche Kontingent.

In Incirlik sind derzeit etwa 240 Bundeswehrsoldaten stationiert, die sich mit "Tornado" Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen.
Wir haben die Bilder einer besorgniserregenden Nacht in der Türkei zusammengestellt. Den Link zur Fotostrecke finden Sie hier.
In mehreren deutschen Städten fahren offenbar Autos hupend durch die Straßen, zum Beispiel in Mannheim, wie dieses Video zeigen soll:


Bei dem Angriff auf die Zentrale der Spezialeinheiten in Ankara sollen laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu 17 Polizisten getötet worden sein. 
Auch in Deutschland gehen zahlreiche Menschen auf die Straße. In Bremen versammelte sich eine größere Gruppe vor dem Hauptbahnhof. Mehrere türkische Flaggen sind zu sehen.

Ein Kampfjet hat einem TV-Bericht zufolge über Ankara einen Militärhubschrauber abgeschossen, der sich in der Hand der Putschisten befand. Das meldet der Sender NTV.
In Istanbul gehen Anhänger und wegner des Putsches gleichermaßen auf die Straße. Es ist mit blutigen Zusammenstößen in der Nacht zu rechnen, schon jetzt werden aus mehreren
Stadtteilen Schlägereien und Schusswechsel gemeldet. Die Polizei ruft die
Menschen erneut dringend dazu auf, in den Häusern zu bleiben.

Noch ein paar weitere Informationen zur Gülen: Erdogan macht die mächtige Bewegung des in den USA lebenden Predigers für die meisten innenpolitischen Krisen verantwortlich. Erdogan wirft seinem einstigen Verbündeten vor, einen Staat im Staate errichten zu wollen und seinen Sturz zu betreiben. Die Regierung geht massiv gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor, die sie vor allem bei der Polizei und in der Justiz vermutet. 
Der Fernsehsender A-Haber berichtet, dass mehrere Putschisten festgenommen worden sind.
Auch Ministerpräsident Yildirim sagte laut Präsidentenpalast: "Einige Rädelsführer des Putsches sind festgenommen worden. Die Demokratie wird gewinnen." Die Verantwortlichen würden bestraft werden. 
Die Polizei soll damit begonnen haben, Soldaten, die in den Putschversuch verwickelt sind, festzunehmen.
In Istanbul ertönen in der Nacht die Rufe von Muezzinen aus zahlreichen Moscheen, mehrere Stunden vor dem normalen Morgengebet.
Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu sprach sich gegen den Putschversuch aus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA sagte er: "Dieses Land hat viel unter Putschen gelitten. Wir wollen nicht, dass es die gleichen Probleme wieder erlebt." Kilicdaroglu ist Chef der Mitte-Links Partei CHP, die traditionell dem Militär nahe steht. 
Die amerikanische Botschaft in der Türkei ruft US-Amerikaner in der Türkei dazu auf, Familiengehörige via E-Mail und Telefon zu konatktieren. Ihnen wird geraten, das Haus nicht zu verlassen. Sie werden gebeten, sich nicht auf den Weg zur Botschaft zu begeben.
Ministerpräsident Yildirim nennt den Umsturzversuch einen terroristischen Akt. Hinter dem Putsch stünden "Banden und illegale Gebilde". Yildirim weiter: "Die Türkei ist kein Dritte-Welt-Land, Menschen, die die Türkei auf diese Weise darstellen, werden einen hohen Preis dafür zahlen."
Bekannter schreibt aus Dorf im Randgebiet #Istanbul: Polizei wurde entwaffnet, Militär feuert in die Luft. Geldautomat ist aus. #TurkeyCoup
Augenzeugen berichten von Hamsterkäufen in der Türkei. Die Bevölkerung befürchtet, dass der Ausnahmezustand verhängt werden könnte.

Shop at Galata after Midnight: People buy as much as they can #turkey #militarycoup

Regierungsanhänger sollen einen Panzer von den Putschisten erobert haben.

Auch aus Berlin gibt es eine Reaktion: Grünen-Chef Cem Özdemir, wahrlich kein Erdogan-Freund, sprach sich für einen gewaltlosen Wandel in der Türkei aus. "Wer den autoritären Herrscher Erdogan loswerden will, der muss dies an der Wahlurne tun", sagte Özdemir. "Ein Militärputsch kann nicht akzeptiert werden." Er hoffe, dass der "Putschversuch möglichst schnell und unblutig gestoppt" werden könne. Zuvor hatte Özdemir auf dem Kurznachrichtendeinst Twitter erklärt: "Weder Militärputsch, noch zivile Diktatur. Die Türkei braucht Demokratie für alle. Jetzt." 
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ruft zur Ruhe auf. Die Vereinten Nationen verfolgten die Entwicklungen in der Türkei aufmerksam, sagt ein Sprecher Bans.


insgesamt 509 Beiträge
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david_fuchs 15.07.2016
1. Wow!
Extrem Spannend
thunderstorm305 15.07.2016
2. Unter Erdogan hätte die Türkei keine Zukunft.
Hoffentlich klappt der Putschversuch. Das würde Herrn Erdogan endgültig entmachten.
Eutighofer 15.07.2016
3. Hoffnung ?
Ich hoffe auf eine rechtsstaatliche Türkei im Sinne Mustafa Kemal Atatürks. Erdogan führt die Türkei in den Abgrund. Die Türkei bräuchte einen modernen , neuen Atatürk.
PARLIAMENT 15.07.2016
4. Bravo, bravo
... ich hatte immer darauf gehofft, dass das Militär das Erbe Kemal Atatürks verteidigen wird. Jetzt ist es endlich soweit !
Bravehart 15.07.2016
5. Der Anfang vom Ende
In was für einer Welt leben wir? Kein Tag ohne Gewalt, Mord und Gräueltaten. Sollte tatsächlich das Militär die Macht übernehmen, wäre das der Anfang vom Ende. Ich habe Angst vor der Zukunft Europas, denn diese ist kohlrabenschwarz. Nachtigall, ich hör dich trapsen!
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