+++ Newsblog +++ USA müssen Luftschläge gegen IS umplanen

Die US-Luftwaffe kann derzeit von der Türkei aus keine Angriffe gegen den "Islamischen Staat" fliegen. Der türkische Luftraum ist für Militärmaschinen gesperrt. Die Offensive soll aber bald weitergehen.

Mit , und


Putschversuch gegen Recep Tayyip Erdogan: Teile der türkischen Streitkräfte haben versucht, in der Türkei die Macht an sich zu reißen. In Ankara gab es offenbar Bombardements, unter anderem auf das Parlamentsgebäude. In Istanbul wurden Medienhäuser vorübergehend besetzt, es kam zu Auseinandersetzungen. Insgesamt starben nach Angaben des Militärchefs 265 Menschen, 1440 wurden verletzt. Mehr als 2800 Armeeangehörige seien festgenommen worden.

Präsident Erdogan hat bereits harte Konsequenzen angekündigt und den Putsch für beendet erklärt.
Doch die Lage ist noch immer unübersichtlich. Wir halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden. 
UPDATE: Die Sperrung des Nato-Luftwaffenstützpunktes Incirlik ist offenbar aufgehoben. Dies meldet die Nachrichtenagentur DPA unter Berufung auf das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bei Berlin. Die Soldaten könnten mit Ausweiskontrolle weiterhin die Basis verlassen und wieder hineingehen, es sei aber die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden, sagte ein Sprecher der Bundeswehr.
Die USA möchten bald wieder von der Türkei aus Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fliegen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington, Peter Cook, bestätigte am Samstag, dass die türkische Regierung nach dem Putschversuch den Luftraum für Militärflugzeuge gesperrt habe. Als Ergebnis seien die Flüge von der Basis Incirlik aus zurzeit gestoppt. "US-Vertreter arbeiten mit den Türken daran, dass die Luftoperationen so schnell wie möglich fortgesetzt werden können", so Cook weiter. In der Zwischenzeit würden die Einsätze gegen den IS umgestellt, um die Auswirkungen der Ereignisse in der Türkei auf die Luftkampagne gegen den IS gering zu halten. Die Zusammenarbeit mit der Türkei werde durch die aktuelle Staatskrise nicht beeinträchtigt.
Liebe Leser, die Lage in der Türkei ist zwar noch nicht vollends beruhigt, aber die Ereignisse überschlagen sich nicht mehr derart, dass wir einen Newsblog als notwendig erachten. Deshalb verabschieden wir uns an dieser Stelle und danken für Ihre Aufmerksamkeit. Alle wichtigen Nachrichten aus der Türkei und dem Rest der Welt bekommen sie ab sofort an gewohnter Stelle.
Aus der Türkei wird die Festnahme eines weiteren Verfassungsrichters gemeldet. Nach Alparslan Altan ist es das zweite Mitglied des Verfassungsgerichts in Ankara, das festgenommen wird. Auch dem Richter Erdal Tezcan wird eine Beteiligung am Putschversuch vorgeworfen.
Erdogan fordert die Auslieferung des in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen. Die türkische Regierung sieht in seinen Anhängern die Schuldigen hinter dem Putschversuch. Gülen bestreitet, verantwortlich zu sein. Auch in Berlin teilt man Erdogans Schuldzuweisung nicht. In deutschen Geheimdienstkreisen vermutet man etwas anderes.
 
Gülen und seine Anhänger in der Türkei zählten lange zu den Unterstützern von Erdogan und dessen islamisch-konservativer Regierungspartei AKP. Nach einem Zerwürfnis im Jahr 2013 ließ Erdogan dann mit Festnahmen, Massenversetzungen und Entlassungen im Justiz- und Polizeiapparat Tausende Gülen-Anhänger aus staatlichen Institutionen entfernen. Gülen selbst flüchtete bereits 1999 ins Exil in die USA.
Ägypten hat einen Beschluss des UN-Sicherheitsrats blockiert, der die Gewalt in der Türkei verurteilen sollte. In dem von den USA vorbereiteten Statement sollte dazu aufgefordert werden, "die demokratisch gewählte Regierung der Türkei zu respektieren". Enthalten war auch ein Appell zur Mäßigung und einer baldigen Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit. Unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, Ägypten habe argumentiert, es sei nicht am UN-Sicherheitsrat zu entscheiden, ob eine  Regierung demokratisch legitimiert sei.
Die acht türkischen Soldaten, die sich per Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt haben, sollen nach türkischer Darstellung bald wieder zurückgeschickt werden. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias habe ihm am Telefon die Auslieferung "der acht Verräter" zugesagt, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf Twitter mit:
Athen bestätigte das Telefonat, äußerte sich aber zurückhaltender. Für die Soldaten würden die internationalen Regeln gelten, sagte der Sprecher des griechischen Außenministeriums, Stratos Efthymiou.
CNN Türk meldet die Festnahme eines Verfassungsrichters. Alparslan Altan befinde sich in Gewahrsam, meldete der Sender, ohne weitere Details zu nennen.
 
Zuvor waren mehr als 2500 Richter entlassen worden. Zusätzlich wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mindestens zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats - eines der obersten Gerichte in der Türkei - festgenommen. Ihnen wird Unterstützung des Putschversuchs vorgeworfen.
Die Staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldet die Verhaftung von General Adem Huduti. Er ist der bislang ranghöchste Soldat, der im Zusammenhang mit dem Putschversuch gesucht wurde. Huduti soll mit mehreren Offizieren festgesetzt worden sein.
Ministerpräsident Binali Yildirim (Mitte) bei seinem Empfang im türkischen Parlament. Die Abgeordneten aller Parteien demonstrierten in der Sondersitzung nach dem gescheiterten Putschversuch Geschlossenheit. Yildirim dankte in seiner Rede der Opposition und den türkischen Bürgern für ihre Unterstützung. Er erklärte den 15. Juli zum künftigen "Demokratie-Festtag".

Bahar Kimyongur on Twitter“Soldats putschistes livrés à la vindicte erdoganienne sur le Bosphore, un pont (ou fossé) entre l'Asie et l'Europe.”

In der Putschnacht sollen nach unbestätigten Berichten womöglich Soldaten misshandelt oder sogar gelyncht worden sein. Auf einem Video, das offenbar auf einer der Bosporus-Brücken in Istanbul aufgenommen wurde, ist ein Soldat zu sehen, der blutüberströmt auf dem Boden liegt. Derjenige, der das Video aufnimmt, sagt auf Türkisch: "Vier haben wir umgebracht, jetzt sind wir beim fünften. Hund!" Schüsse sind zu hören. Andere rufen "Gott ist groß", "Ungläubiger!" und "Krepier!". Mehrere treten auf den leblos wirkenden Körper ein. Das Video wurde via Twitter verbreitet.
 
Die dem Militär nahestehende Zeitung "Sözcü" berichtete am Samstag, ein aufgebrachter Mob habe einem Soldaten in Istanbul die Kehle durchgeschnitten. Regierungskreise bestätigten den Bericht zunächst nicht. Auf weiteren Aufnahmen ist zu sehen, wie Putschgegner einen Panzer umzingeln. Ein Demonstrant steigt auf das Dach und tritt auf den Soldaten in der Luke ein. Stimmen sind zu hören, die auf Türkisch rufen: "Schlag ihn! Schlag ihn!" Andere flehen: "Das ist ein Soldat! Hört auf!" Ein Polizist eilt dem Soldaten schließlich zur Hilfe.
 
Auf einem weiteren Video, das im Gebäude von CNN Türk aufgenommen worden sein soll, ist zu sehen wie eine aufgebrachte Menge auf Soldaten einprügelt. Umstehende Polizisten schirmen die Männer ab und versuchen sie vor dem Mob zu schützen. Der TV-Sender war vergangene Nacht vorübergehend von Putschisten besetzt worden.
Bundesjustizminister Heiko Maas zeigt sich besorgt angesichts der Entlassungen und Festnahmen zahlreicher Richter in der Türkei: "Rechtsstaaten müssen sich besonders in der Bedrohung beweisen. Rache und Willkür werden nicht zu einer Befriedung der Lage nach dem Putschversuch beitragen. Der Schutz der Rechte von Beschuldigten und Verdächtigen gehört zu den Grundpfeilern eines demokratischen Rechtsstaats."
Der von den Putschisten vergangene Nacht festgenommene Generalstabschef der Türkei Hulusi Akar wird im Parlament gefeiert.
 
 
Polizisten fahren Panzer zurück in den Armeestützpunkt Selimiye in Istanbul. (AP Photo/Cansu Alkaya)
Bulgarien hat wegen des Putschversuchs in der Türkei vorsorglich 230 Soldaten an die türkische Grenze geschickt. Der Schutz der bulgarischen EU-Außengrenze zur Türkei sei verstärkt worden, obwohl es keine Anzeichen für einen möglichen Flüchtlingszustrom gegeben habe. Wie der bulgarische Regierungschef Bojko Borissow nach einem Treffen mit dem türkischen Botschafter in Sofia, Süleyman Gökçe, am Samstag weiter erklärte, wollten die Türkei und Bulgarien zusammenarbeiten, sollte der Migrationsdruck an der gemeinsamen Grenze steigen.
 
Die Türkei habe alle drei Grenzübergänge zu Bulgarien wieder geöffnet, sagte Borissow. Die Grenzpunkte waren während des Putschversuchs in der Nacht zum Samstag auf der türkischen Seite geschlossen worden.
Präsident Erdogan wurde im türkischen Parlament mit Applaus empfangen. Die türkische Nationalversammlung trifft sich im beschädigten Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Ankara zu einer Sondersitzung. Die Abgeordneten verharrten in einem Moment der Stille, bevor die Nationalhymne abgespielt wurde, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Auch Ministerpräsident Binali Yildirim wurde von den Abgeordneten feierlich begrüßt. Ebenfalls anwesend ist der Genneralstabschef Hulusi Akar, der vergangene Nacht von den Putschisten festgenommen wurde.
 
Ministerpräsident Yildirim versprach in seiner Rede vor den Abgeordneten einen "Neustart" der Zusammenarbeit der vier im Parlament vertretenen Parteien. Die Putschisten nannte er "Terroristen, die das Parlament angegriffen haben". Yildirim dankte außerdem der Opposition und türkischen Bürgern für ihre Unterstützung. Er erklärte den 15. Juli zum künftigen "Demokratie-Festtag".
 
Kemal Kilicdaroglu schloss sich dieser Ansicht an. Der Vorsitzende der kemalistisch-sozialdemokratischen CHP, der größten Oppositionsfraktion im türkischen Parlament, prangerte den Umsturzversuch an. Die Niederschlagung des Aufstands lasse die Parteien zusammenrücken und biete eine Möglichkeit, die Demokratie im Land zu stärken, sagte Kilicdaroglu. Der CHP werden gute Verbindungen zum Militär nachgesagt.
Türkische Staatsmedien melden die Festnahme von zehn Mitgliedern des Staatsrates. Für 188 Angehörige der Justiz sollen Haftbefehle vorliegen, darunter 140 Mitglieder des Kassationshofs. Als zweite und letzte Instanz in Zivil- und Strafverfahren ist es das höchste ordentliche Gericht des Landes. Vorangegangen war eine erste Verhaftungswelle unter Richtern, was darauf schließen lässt, dass auch im Justizapparat Umstürzler vermutet werden. Die türkische Regierung macht "parallele Strukturen" für den Putschversuch verantwortlich. Präsident Erdogan hat bereits "Säuberungen" beim Militär angekündigt.

Die Lufthansa hat am Samstag aus Sicherheitsgründen alle Istanbul-Flüge von und nach Frankfurt gestrichen. Außerdem wurden alle Türkei-Flüge von und nach München abgesagt. An den für den Nachmittag geplanten Verbindungen zwischen Frankfurt und Antalya sowie Frankfurt und Bodrum hielt die Fluggesellschaft dagegen nach eigenen Angaben fest. Zu Türkei-Flügen am Sonntag war zunächst keine Auskunft zu erhalten.

In ihrer jüngsten Stellungnahme zum Putschversuch in der Türkei mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Ende der Kämpfe an. "Das Blutvergießen in der Türkei muss ein Ende haben", sagte Merkel. Es sei tragisch, dass so viele Menschen den gescheiterten Umsturz mit dem Leben bezahlt hätten: "Panzer auf den Straßen und Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung sind Unrecht." Das türkische Volk habe das Recht auf eine demokratisch gewählte Regierung. Mit Blick auf den Nato-Stützpunkt bei Incirlik sagte Merkel, das Verteidigungsministerium stehe derzeit im engen Kontakt mit den in der Türkei stationierten deutschen Soldaten und unternehme alles, um deren Sicherheit zu gewährleisten.
UPDATE: Die Sperrung des Nato-Luftwaffenstützpunktes Incirlik ist nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aufgehoben. Die Soldaten könnten mit Ausweiskontrolle weiterhin die Basis verlassen und wieder hineingehen, es sei aber die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden, sagte ein Sprecher der Bundeswehr.
 
Das US-Konsulat hatte zuvor die Abriegelung des Nato-Stützpunktes bei İncirlik, im Süden der Türkei gemeldet. Auch der Strom soll abgestellt worden sein. Sicherheitskräfte hätten die Zu- und Abfahrt auf das Gelände untersagt, heißt es in einer Stellungnahme auf der Website des US-Konsulats. Der türkische Luftwaffenstützpunkt wird von der U.S. Air Force zur Versorgung der US-Streitkräfte in Irak und Afghanistan genutzt. Die USA fliegen von Incirlik aus außerdem Luftangriffe gegen die Terrormiliz IS. Die Bundeswehr hat dort derzeit 240 Soldaten stationiert. Sie beteiligen sich mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen und einem Tankflugzeug am Kampf gegen die Islamisten. Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Bundestags war zuletzt durch die türkische Regierung untersagt worden, Incirlik zu besuchen. Auf dem Stützpunkt sollen auch Atombomben stationiert sein.
Hinweis zur Situation in Incirlik auf der Website des US-Konsulats
Anscheinend möchten nur wenige Türkei-Urlauber vorzeitig aus der Türkei abreisen. Die Lage in den Urlaubsressorts sei ruhig, zitiert die DPA Sprecher der Reiseanbieter Thomas Cook ("Öger") und TUI. Inzwischen finden auch wieder die ersten Linienflüge in die Türkei statt. Die großen Reisekonzerne bieten aber kostenfreie Umbuchungen an, zumindest für Kunden, die am Samstag und Sonntag abreisen. Branchenschätzungen zufolge befinden sich derzeit mehr als 100.000 deutsche Urlauber in der Türkei. Das Auswärtige Amt warnt nicht generell vor Reisen in die Türkei. Das Ministerium rät Bundesbürgern in Istanbul und Ankara aber zu äußerster Vorsicht, insbesondere auf öffentlichen Plätzen und bei Menschenansammlungen.
Die Nachrichtenagentur Reuters meldet die Festnahme von rund 100 Soldaten auf einem Luftwaffenstützpunkt im Südosten des Landes. Die Basis Diyarbakir ist ein wichtiges Drehkreuz für die Operationen in den Kurdengebieten. Auch aus anderen Militäreinrichtungen in der Gegend werden Festnahmen gemeldet, allerdings nicht in dieser Größenordnung.
US-Außenminister Kerry hat sich erneut zu Wort gemeldet. Seiner Einschätzung nach seien in der Türkei Ruhe und Ordnung wiederhergestellt. Der demokratisch gewählten Regierung versprach er Unterstützung. Fragen nach einem Auslieferungsgesuch der Türkei für den Geistlichen Fetullah Gülen verneinte Kerry. Die USA hätten keinen Ausliegerungsantrag der Türkei erhalten. Staatspräsident Erdogan und Ministerpräsident Yildirim hatten bereits während des Putschversuchs die Schuldigen unter den Anhängern des im Exil lebenden Predigers verortet.
Nach dem Putschversuch in der Türkei sind laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu 2745 Richter abgesetzt worden. Zudem seien fünf Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte in Ankara vom Dienst entbunden, meldete Anadolu am Samstag. Gegen sie liefen Ermittlungen, hieß es zur Begründung.
Auf dem Luftwaffenstützpunkt Diyarbakir im Südosten der Türkei sind nach Angaben von Sicherheitskreisen rund hundert Angehörige der Streitkräfte festgenommen worden.
Grünen-Parteichef Cem Özdemir rechnet damit, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Lage für seine Interessen nutzen wird. "Erdogan wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, nicht nur das Militär gründlich zu säubern und sein Projekt einer Verfassungsänderung mit dem Ziel der Alleinherrschaft endgültig zu realisieren", sagte Özdemir der "Welt am Sonntag".

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von dem Putsch überrascht. Bisher hatte sie den Eindruck, dass Erdogan Militär und Polizei mit Gefolgsleuten besetzt hat. Merkel telefonierte noch in der Nacht mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Kanzleramtsminister Peter Altmaier, um eine gemeinsame Haltung der Bundesregierung festzulegen. Auf dem Asem-Gipfel in Ulan Bator wurde unter den Europäern eine gemeinsame Linie festgelegt, die dann Ratspräsident Donald Tusk verkündete. Das Kanzleramt und das Auswärtige Amt hielten den Kontakt zur Botschaft in Ankara. Es ist noch unklar, ob sich Merkel am Samstag öffentlich zur Lage in der Türkei äußert.

Die Kanzlerin nahm den Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann mit zwei Mitarbeitern in ihrer Regierungsmaschine mit. Schneider-Ammann wollte einen Linienflug nehmen, saß aber wegen der Schließung des Flughafens Istanbul in Ulan Bator fest.
Sämtliche Nato-Mitarbeiter und -Truppen in der Türkei seien wohlauf, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Das habe ihm der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Curtis Scaparrotti, bestätigt. Zudem lobte Stoltenberg den Widerstand der türkischen Bevölkerung und Politik gegen den versuchten Militärputsch und den Einsatz für die Demokratie.
Der Bosporus wurde von der Seeschifffahrtsbehörde wieder freigegeben. (Foto: Emrah Gurel/AP)
 
Die türkische Seeschifffahrtsbehörde hat den Bosporus wieder für Tanker geöffnet. Die wichtige Seeverbindung war zuvor aus Sicherheitsgründen gesperrt worden.
British Airways hat alle Flüge in die Türkei am Samstag gestrichen. Auch ausgehende Flüge würden ausfallen, hieß es. Am Sonntag werde ein Flug aus Istanbul gestrichen. Die Airline beobachte die Lage. Turkish Airlines habe laut CNN Türk 35 Flüge umleiten und 32 streichen müssen. Der normale Flugbetrieb solle um 13 Uhr weitergehen.
Der Einsatz gegen die Putschisten in der Türkei ist Regierungskreisen zufolge weitgehend abgeschlossen. Vereinzelte Operationen würden aber noch einige Stunden andauern, sagte der Chef des Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan, nach Angaben aus den Regierungskreisen.
Die Türkei hat den Grenzübergang zu Bulgarien wieder geöffnet, sagte eine Sprecherin der bulgarischen Grenzpolizei. Der Verkehr sei für alle Fahrzeuge in beide Richtungen wieder aufgenommen worden.
Die Ferienairline Condor fliegt planmäßig Ziele in Urlaubsregionen des Landes wie Antalya, Izmir oder Dalaman an. Die ersten Flüge der zum Reisekonzern Thomas Cook gehörenden Airline seien am Morgen gestartet, sagte ein Sprecher. Etwa drei Viertel der gebuchten Passagiere hätten die Reise angetreten. Alle für Samstag geplanten 14 Condor-Flüge sollten stattfinden. "In Antalya ist die Lage völlig ruhig." Bisher hätte es kaum Anfrage von Kunden gegeben, die früher abreisen wollten.
Die türkische Gemeinde in Deutschland hat den Verlauf des Putsches in der Türkei als "Zeichen einer demokratischen Reife" der Bevölkerung bezeichnet. "Es ist einmalig in der türkischen Geschichte, dass man einen Putschversuch verhindert. Bisher waren die Putschisten immer erfolgreich", sagte der Bundesvorsitzende der Gemeinde, Gökay Sofuoglu.
Präsident Erdogan ruft die Bevölkerung auf, für Demokratie und Frieden einzustehen. Die Menschen sollten sich auf den Straßen einem "kleinen Kader" entgegenstellen.
Nach Angaben griechischer Militärs haben regierungsfeindliche Kräfte im türkischen Marinestützpunkt Gölcük eine Fregatte gekapert. Der türkische Flottenchef sei als Geisel genommen worden.
Der türkische Außenminister hat von Griechenland die Auslieferung der acht Insassen eines Militärhubschraubers verlangt, der zuvor im Norden des Landes gelandet war.
Helikopterle Yunanistan'a kaçan 8 hain askerin derhal teslim edilmesini istedik
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim droht den Unterstützern des Erdogan-Widersachers Fethullah Gülen: Jedes Land, das den Muslim-Führer unterstütze, sei kein Freund der Türkei und würde sich im Kriegszustand mit dem Nato-Land befinden, sagte er. Gülen lebt derzeit im US-Bundesstaat Pennsylvania.
Laut Ministerpräsident Binali Yildirim sind zwanzig der Planer des gescheiterten Putschversuchs tot, 30 weitere seien verwundet.
Der Alltag kehrt zurück: Passanten gehen in Istanbul über den Taksim-Platz auf das Monument der Republik zu. (Foto: Kemal Aslan/Reuters)
 
In Nordgriechenland sind acht Insassen eines dort gelandeten türkischen Militär-Hubschraubers festgenommen worden, teilte die griechische Polizeibehörde mit. An Bord waren sieben Soldaten und ein Zivilist. Sieben Männer hätten politisches Asyl beantragt.
Russische Fluggesellschaften setzen alle Flüge in die Türkei auf Anweisung von Präsident Wladimir Putin aus, berichtet die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verkehrsministerium. Air Berlin nimmt die Flüge in die Urlaubsregion Antalya dagegen wieder auf. "Wir haben uns dazu entschieden, die Flüge in die Türkei bis auf Weiteres durchzuführen", sagte ein Sprecher. Die Airline beobachte die politische Lage und stehe in Kontakt mit den Behörden.
Die Zahl der Toten bei dem Putschversuch ist nach Regierungsangaben auf insgesamt 265 gestiegen. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, hieß es aus Regierungskreisen. Yildirim sagte, 1140 Menschen seien verletzt und 2839 Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen worden. Die Festnahmen dauerten an.
Die Situation sei vollständig unter Kontrolle, sagte der türkische Ministerpräsidenten Yildirim auf einer Pressekonferenz. Es würden weitere Verhaftungen vorgenommen werden. Zugleich drohte er den Putschisten: Die Todesstrafe stünde nicht in der Verfassung, aber die Türkei würde Gesetzesänderungen erwägen, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederhole.
Die Fußballstars Lionel Messi und Andrés Iniesta, die im türkischen Badeort Antalya an einem Wohltätigkeitsspiel teilnehmen sollten, sind wegen des versuchten Militärputsches nicht in die Türkei gereist. Die Profis des FC Barcelona seien in Spanien geblieben, twitterte der spanische Meister und Pokalsieger.
 
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim bezeichnete den Putschversuch als Schandfleck für die türkische Demokratie. "Die Nation hat den Terroristen die bestmögliche Antwort gegeben", hieß es weiter. Das Ereignis habe gezeigt, dass die Türkei große Erfahrung mit der Demokratie habe. Die Putschisten würden die Strafe bekommen, die sie verdient hätten.
Die Sicherheitsmaßnahmen auf der auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes sind erhöht worden. "Es handelt sich um eine routinemäßige, vorsorgliche Erhöhung der Bereitschaftsstufe zum Schutz der Soldaten", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Lage sei völlig ruhig. Die USA fliegen von Incirlik aus Luftangriffe gegen den IS. Die Bundeswehr hat dort derzeit 240 Soldaten stationiert. Sie beteiligen sich mit "Tornado"-Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrormiliz.
Aufräumarbeiten: In Ankara wird ein zerstörter Volvo abtransportiert. (Foto: Erhan Ortac/Getty Images)
 
Frankreich verurteilt den Putschversuch entschieden. Die türkische Bevölkerung habe Reife und Mut gezeigt, sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault. Er hoffe, die türkische Demokratie werde gestärkt aus diesem Test hervorgehen und fundamentale Freiheiten werden voll respektiert.
Der Reiseveranstalter Alltours bietet kostenlose Stornierungen von Türkeireisen an. Alle Abreisen in die Türkei bis einschließlich Montag könnten kostenlos storniert werden, der Reisepreis werde zu hundert Prozent erstattet, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Abreisen bis zum nächsten Sonntag (24. Juli) könnten kostenlos auf andere Ziele umgebucht werden.


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 509 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
david_fuchs 15.07.2016
1. Wow!
Extrem Spannend
thunderstorm305 15.07.2016
2. Unter Erdogan hätte die Türkei keine Zukunft.
Hoffentlich klappt der Putschversuch. Das würde Herrn Erdogan endgültig entmachten.
Eutighofer 15.07.2016
3. Hoffnung ?
Ich hoffe auf eine rechtsstaatliche Türkei im Sinne Mustafa Kemal Atatürks. Erdogan führt die Türkei in den Abgrund. Die Türkei bräuchte einen modernen , neuen Atatürk.
PARLIAMENT 15.07.2016
4. Bravo, bravo
... ich hatte immer darauf gehofft, dass das Militär das Erbe Kemal Atatürks verteidigen wird. Jetzt ist es endlich soweit !
Bravehart 15.07.2016
5. Der Anfang vom Ende
In was für einer Welt leben wir? Kein Tag ohne Gewalt, Mord und Gräueltaten. Sollte tatsächlich das Militär die Macht übernehmen, wäre das der Anfang vom Ende. Ich habe Angst vor der Zukunft Europas, denn diese ist kohlrabenschwarz. Nachtigall, ich hör dich trapsen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.