"Querfront": Rechtsextreme buhlen um Lafontaine und die Linke
Die Rechtsextremen werfen sich an Linke-Chef Lafontaine ran: Er vertrete "lupenreine NPD-Positionen", befand deren Generalsekretär. Schon träumen NPD-Funktionäre von einer "Querfront" zwischen Rechtsdraußen und Linksaußen.
Berlin - "Lafontaine vertritt außenpolitisch lupenreine und völlig authentische NPD-Positionen", behauptete NPD-Generalsekretär Peter Marx. Beispiele hatte er auch parat: etwa Lafontaines Forderung nach Abzug der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan, die "Völkerrechtswidrigkeit" des Kriegs im Irak sowie die "Eindämmung des Aggressionsstaates Israel". Lafontaine habe "Solidarität" verdient, schlussfolgerte Marx.
Linke-Chef Lafontaine: Bekommt Avancen für Rechts-Links-Allianz
"Krankhafte Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Staat"
Namentlich griff Graumann Linke-Chef Lafontaine an und verwies darauf, dass dieser von einer deutschen Neutralität zwischen Israel und der Hisbollah gesprochen habe. Unhaltbar sei für Graumann auch Lafontaines Frage, ob nicht auch Iran Atomwaffen haben dürfe, wenn Israel sie besitze.
Nach dem Verbrüderungsavancen der NPD an Lafontaine bekräftigte Graumann seine Position: Der Politiker betreibe eine "Politik, die gekennzeichnet ist von krankhafter Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Staat". Lafontaines Nahost-Positionen seien "Populismus pur ohne jedes Gefühl von Verantwortung".
Graumann bezeichnete den Linke-Politiker allerdings nicht als Antisemiten: "Weder Lafontaine noch die Linke sind antisemtisch." Daher könne man sie auch nicht in einen Topf mit der rechtsextremen NPD werfen. Allerdings solle die heutige Reaktion der NPD der Linken zu denken geben: "Wer solche Freunde hat, sollte sich überlegen, ob er nicht etwas falsch macht."
NPD-Generalsekretär Marx indes schien schon einen Schritt weiter zu denken, sprach von einer "Querfront" mit Lafontaine, zwischen Linke und NPD: "Durch seine Bekanntheit und seine Medienpräsenz nimmt Oskar Lafontaine innerhalb dieser Querfront eine gar nicht zu unterschätzende Verstärkerrolle wahr", so Marx. Er halte künftig gemeinsame Aktionen der NPD mit dem "anti-imperialistischen Flügel der Linken" für möglich.
Die Reaktion der neuen Linkspartei: "Plumper Anbiederungsversuch und durchsichtiges Manöver", kommentierte Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch in Richtung NPD: "Neonazis und Linke passen zusammen wie Feuer und Wasser."
Der Anbiederungsversuch der NPD, die Kritik des Zentralrats: Es ist nicht das erste Mal, dass Oskar Lafontaine in eine Debatte um sein Verhältnis zu Rechtsdraußen verwickelt ist. Im Sommer 2005 hatte es bereits Wirbel um rechtspopulistische Äußerungen gegeben. Der frühere SPD-Chef hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung gesagt, "Fremdarbeiter" würden deutschen Familienvätern die Arbeitsplätze wegnehmen. Ihm war daraufhin vorgeworfen worden, am rechten Rand zu fischen - einen Vorwurf, den Lafontaine stets zurückwies.
sef/dpa/ddp
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