Quotendebatte Frauen an die Macht

Auf Deutschlands Chefetagen in Politik, Wirtschaft und Kultur sind weibliche Führungskräfte selten. Braucht es eine Frauenquote? Antworten von acht Frauen, die den Aufstieg geschafft haben - und von ganz unterschiedlichen Erfahrungen in der Männerwelt berichten.

Von , , , Carolin Neumann, Maike Jansen, und Oliver Sallet

Dirigentin Karen Kamensek: Als Frau im Führungsjob "eine Kuriosität"?
Kobie van Rensburg

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Hamburg - Sie arbeiten 60 Stunden in der Woche, sind ständig unterwegs, haben oft keine Kinder: Frauen, die heute in Deutschland an den Schaltstellen der Macht sitzen, arbeiten häufig nach den Spielregeln der Männer. Viele sind bereit, dafür im Privaten auf vieles zu verzichten - aber trotzdem schaffen nur wenige den Sprung nach oben.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung legte im Januar die jüngsten Zahlen vor. Demnach gibt es in Vorständen und Aufsichtsräten deutscher Unternehmen noch immer kaum Frauen. In den 200 größten deutschen Unternehmen sind nur 3,2 Prozent der Vorstandsposten weiblich besetzt. 78,3 Prozent aller Führungspositionen haben Männer inne.

Diskutierten früher eher feministisch geprägte Kreise über Frauenquoten, haben inzwischen auch die Konservativen das Problem entdeckt. Selbst die CSU hat seit vergangenem Jahr eine Quote.

Nun ist die Wirtschaft dran.

Erste Unternehmen wie die Deutsche Telekom haben sich inzwischen selbst eine verordnet. Nicht, weil die Männer so selbstlos wären. Sondern weil langsam die Erkenntnis wächst, dass es angesichts der alternden Gesellschaft und des drohenden Fachkräftemangels ohne die weibliche Reserve künftig nicht geht.

Doch weil die Freiwilligkeit in der Vergangenheit nur in Ausnahmefällen Erfolg hatte, will die Bundesregierung die Unternehmen nun zur Quote verdonnern. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Frauenministerin Kristina Schröder streiten über das Wie - aber nicht über die Frage, ob überhaupt.

In der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gehen immer wieder Beschwerden von Frauen ein. Leiterin Christine Lüders hat festgestellt, dass es oft derselbe Grund ist: "Frauen werden insbesondere wegen Kindern am beruflichen Aufstieg gehindert." Als Beispiel nennt sie eine Frau aus dem Vorstand einer Aktiengesellschaft. Als diese schwanger wurde, forderte man sie auf, ihr Amt abzugeben.

Solche Erfahrungen sind den Frauen, die SPIEGEL ONLINE getroffen hat, erspart geblieben. Sie sind weit gekommen - ohne Quote. Dennoch sind die meisten von ihnen für eine Frauenquote, weil sie sehen, wie wenig sich rund um sie herum verändert. Wie etwa H&M-Managerin Angelika Giese, die festgestellt hat, dass ihr Bereich am besten läuft, wenn Frauen und Männer etwa gleich stark vertreten sind.

Lesen Sie, wie es Frauen an die Macht schaffen:

Forum - Quotendebatte: Mehr Frauen an die Macht?
insgesamt 277 Beiträge
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cemi 02.02.2011
1. .,-
Typische Scheindebatte. Die beiden Ministerinnen tun so, als würden sie sich um eine Sachfrage streiten. Mindestens 53% der Wähler (also die Frauen) im SupaDupa-Wahljahr finden das Thema wichtig und interessant, die CDU hat ein Thema besetzt, vdL hat mal was anderes als die frustierenden Arbeitslosenzahlen, Schröder überhaupt mal irgendein Thema. Darüber kann man jetzt ein paar Monate schwadronieren. Dann lässt man das Thema langsam einschlafen. Außerdem kann man jetzt eh nichts machen, da die EU ja sowieso eine gerade eine Initiative ausarbeitet. Und am Ende: Viele Worte, noch mehr Talk-Show-Auftritte, gute Figur gemacht, nix bewegt. CDU halt...
thisiscancerylane 02.02.2011
2.
Es ist schon erschreckend auf welchem Niveau wir da in Deutschland sind. Von daher als erste spontane Reaktion eindeutig ein "ja". Aber mit Quote oder nicht?
Lueder, 02.02.2011
3. ...
Zitat von sysopAuf Deutschlands Chefetagen in Politik, Wirtschaft und Kultur sind weibliche Führungskräfte selten. Braucht es eine Frauenquote? Antworten von acht Frauen, die den Aufstieg geschafft haben - und von ganz unterschiedlichen Erfahrungen in der Männerwelt berichten. Mehr Frauen an die Macht?
Was ist den dass schon wieder für ein furchtbares Emanzengewäsch? In die Chefetagen sollten die fähigsten Leute reingewählt werden und nicht nach irgendwlchen Quoten ausgewählt werden! Wenn schon Frauenquoten, dann bitte auch konsequent sein, und eine Ausländerquote, eine Behindertenquote und natürlich eine Schwule und Lesbenquote in die Chefetagen fordern! Diese Gruppen möchten nämlich auch nicht diskriminiert werden und warum soll man da Unterschiede machen? Deutschland braucht genauso wenig irgendwelche Quotenregelungen in den Chefetagen wie Frauenparkplätze in Parkhäusern. Dazu muss ich sagen, ich parke im Parkhaus GRUNDSÄTZLICH auf Frauenparkplätzen und werde das erst dann ändern, wenn es richtige MÄNNERPARKPLÄTZE gibt. Ich lass mich schliesslich nicht diskriminieren!
artusdanielhoerfeld 02.02.2011
4. An ihrer Benachteiligung selber schuld, denn...
...so lange besonders die attraktiven Frauen prinzipiell einen sozial höhergestellten Partner auswählen, darf sich der Rest nicht wundern, wenn Männer dadurch motiviert werden, eben genau diese Überlegenheit auch zu erreichen!
dorfbewohner 02.02.2011
5. Quote nein danke
Wenn jemand qualifiziert für einen Job ist, wäre ein Arbeitgeber doch schön dumm einen weniger qualifizierten Mann einer qualifizierten Frau vorzuziehen.
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