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RAF-Gnadendebatte: "Reue wäre nur ein Lippenbekenntnis"

Von Alexander Schwabe, und

Bewährung für Brigitte Mohnhaupt, Gnade für Christian Klar? Die mögliche Freilassung der früheren RAF-Attentäter polarisiert die Republik. Ehemalige Linksterroristen lehnen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE die Forderung ab, wonach die beiden erst öffentlich ihre Taten bereuen sollen.

Hamburg - Sie gehören zu den letzten vier inhaftierten Terroristen der "Rote Armee Fraktion" (RAF). Seit fast einem Vierteljahrhundert sitzen Brigitte Mohnhaupt, 57, und Christian Klar, 54, hinter Gittern. Sie wurden mehrfach lebenslänglich verurteilt für die Morde an Dresdner-Bank Chef Jürgen Ponto, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer im deutschen Terrorjahr 1977. Jetzt haben sie gute Chancen, schon im Februar auf freien Fuß zu kommen.

Die Bundesanwaltschaft hat beantragt, den Rest von Mohnhaupts Strafe zur Bewährung auszusetzen. Das Stuttgarter Oberlandesgericht will im Februar über den Antrag befinden. Dann wird auch eine Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler darüber erwartet, ob er einem von Klar gestellten Gnadengesuch nachkommt.

Gnade vor Recht? Über die mögliche Haftentlassung ist ein heftiger Streit entbrannt. Sollte den beiden Mitgliedern der zweiten RAF-Generation der Weg in die Gesellschaft offen stehen, ohne dass gesundheitliche Gründe oder ein öffentliches Bedauern der Taten dafür sprächen?

Politiker und Angehörige der Opfer äußerten auf SPIEGEL ONLINE Bedenken. "Wenn man jetzt über Gnade redet, sollte man auch über ein Bekenntnis und Reue reden", sagte Michael Buback, Sohn des am 7. April 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Waltrude Schleyer, Witwe des am 18. Oktober 1977 ermordeten Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer, würde sich gekränkt fühlen, wenn Mohnhaupt und Klar frei kämen: "Die haben genau gewusst, was sie taten, und sie haben bisher keine Reue gezeigt."

Ehemalige Kampfgefährten aus dem Lager der Linksterroristen halten Reuebekenntnisse dagegen für wenig sinnvoll - plädieren aber für eine Freilassung. Auf SPIEGEL ONLINE äußern sich Michael Baumann und Till Meyer von der "Bewegung 2. Juni" und das ehemalige RAF-Mitglied Peter-Jürgen Boock:

Michael Baumann

Till Meyer

DER SPIEGEL

Peter-Jürgen Boock

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Mohnhaupt und Klar: Debatte um Freilassung

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