RAF-Mord an Buback Bundesanwaltschaft klagt Verena Becker an

Erst vor wenigen Monaten ist die frühere RAF-Terroristin Verena Becker freigekommen. Jetzt soll die 57-Jährige sich wegen des Mordes am früheren Generalbundesanwalt Buback vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage erhoben - sie wirft ihr Mittäterschaft vor.

Archivbild der Ex-Terroristin Verena Becker (r.): Verdacht der Mittäterschaft
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Archivbild der Ex-Terroristin Verena Becker (r.): Verdacht der Mittäterschaft


Karlsruhe/Berlin - Vor wenigen Monaten kam Verena Becker aus der Untersuchungshaft frei. Nun hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen die ehemalige RAF-Terroristin erhoben. Sie wirft ihr vor, als Mittäterin an dem Attentat auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977 beteiligt gewesen zu sein, teilte die Ermittlungsbehörde an diesem Donnerstag mit.

Becker soll sich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Weitere Details wollte die Bundesanwaltschaft erst nach Zustellung der Anklageschrift nennen.

Die Ermittlungen gegen Becker im Mordfall Buback wurden im Jahr 2008 aufgrund neuer Ansätze wieder aufgenommen. So wurden Speichelspuren von ihr auf Umschlägen gefunden, in denen Bekennerschreiben zu dem Buback-Attentat versendet worden waren. Außerdem stellten die Ermittler bei der Durchsuchung ihrer Wohnung Unterlagen sicher, die zusammen mit weiteren Beweismitteln den dringenden Tatverdacht gegen Becker begründeten. Daraufhin wurde gegen Becker am 26. August 2009 Haftbefehl erlassen.

Doch nach einigen Monaten in Untersuchungshaft kam die 57-Jährige unmittelbar vor Weihnachten 2009 wieder auf freien Fuß. Der Bundesgerichtshof (BGH) sah keine Fluchtgefahr und hob den Haftbefehl auf. Das Gericht sah Becker nur noch der milder bestraften Beihilfe statt der Mittäterschaft verdächtig. Allerdings bezog sich diese Bewertung des BGH auf den damaligen Kenntnisstand.

Die Bundesanwaltschaft führte seither weitere Ermittlungen durch. Zuletzt hatten die Ermittler nach zähem Ringen die Freigabe von Geheimakten des Verfassungsschutzes erreicht. Darin sollen sich Protokolle eines Verfassungsschützers befinden, der in den 80er Jahren Gespräche mit Verena Becker führte.

Buback-Sohn erleichtert über Anklage

Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter waren am 7. April 1977 erschossen worden. Die Terroristen entkamen auf einem Motorrad. Zu der Tat bekannte sich das RAF-Kommando "Ulrike Meinhof". Wer die Schüsse abgab, ist bis heute ungeklärt. Das erste Ermittlungsverfahren gegen Becker war 1980 mangels Beweisen eingestellt worden. Als Täter galten lange Günter Sonnenberg, Knut Folkerts und Christian Klar. Verurteilt wurden Folkerts, Klar und Brigitte Mohnhaupt. Bei Sonnenberg wurde von einer Verurteilung abgesehen, weil er bereits wegen anderer Delikte zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Michael Buback, der Sohn des getöteten Generalbundesanwalts, hatte wiederholt den Verdacht geäußert, dass Becker Mittäterin bei der Ermordung seines Vaters war. Er zeigte sich erleichtert über die Anklage gegen die Ex-Terroristin. "Wir möchten endlich die Wahrheit erfahren", sagte Michael Buback dem TV-Sender 3sat. "Wir möchten wissen, welche zwei Personen den dreifachen Mord vom Motorrad aus begangen haben."

Er hoffe, dass es nun zu einem Prozess komme, in dem auch die zahlreichen Zeugen, die eine zierliche Frau auf dem Motorrad gesehen haben, gehört werden. Er wisse allein von zehn Personen, die dies bestätigen können, erklärte Buback.

Vom Bundespräsidenten begnadigt

Becker war zusammen mit ihrem Komplizen Günter Sonnenberg am 3. Mai 1977 knapp einen Monat nach dem Buback-Mord in Singen verhaftet worden. Zuvor lieferten sich die beiden Terroristen eine Schießerei mit der Polizei, bei der mehrere Beamte und sie selbst verletzt wurden. Wegen der Straftaten bei der Festnahme wurden Becker und Sonnenberg zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Nach neun Jahren und zwei Monaten Haft wurde sie 1989 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begnadigt.

Verena Becker schloss sich als Jugendliche zunächst der "Bewegung 2. Juni" an, einer terroristischen Vereinigung, die sich nach dem Todesdatum des 1967 bei der Demonstration gegen den Staatsbesuch von Schah Resa Pahlewi in Berlin erschossenen Studenten Benno Ohnesorg benannt hatte. Später wurde sie Mitglied der RAF.

Bereits 1972 war Becker verhaftet und zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Drei Jahre später wurde sie durch die Entführung des damaligen Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz freigepresst. 1977 erfolgte dann ihre erneute Festnahme nach dem Buback-Mord.

mmq/dpa/AFP/apn



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Klapperschlange 08.04.2010
1. Endlich
Zitat von sysopErst vor wenigen Monate ist die frühere RAF-Terroristin Verena Becker freigekommen. Jetzt soll die 57-Jährige sich wegen des Mordes am früheren Generalbundesanwalt Buback vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage - sie wirft ihr Mittäterschaft vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,687971,00.html
Endlich wird Anklage erhoben! Die 68er Ermittler haben komplett versagt!
Dino, 08.04.2010
2.
Zitat von sysopErst vor wenigen Monate ist die frühere RAF-Terroristin Verena Becker freigekommen. Jetzt soll die 57-Jährige sich wegen des Mordes am früheren Generalbundesanwalt Buback vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage - sie wirft ihr Mittäterschaft vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,687971,00.html
Wenn die Bundesanwaltschaft glaubt, dass sie diesen Vorwurf vor Gericht beweisen kann, MÜSSEN sie Frau Becker anklagen. Sehen die Richter das genauso, wird sie verurteilt. Frau Becker wird sich eine Heerschar von Anwälten nehmen und versuchen das Gericht vom Gegenteil zu überzeugen. Wir leben in einem Rechtsstaat. So what? Dino
marvinw 09.04.2010
3. Normale Bürger wären schon längst vergessen
Fest steht nur eins: wenn es sich dabei um normale Bürger als Mordopfer handeln würde, würde es kein Schwein interessieren. Da es sich hier um wichtige Vertreter des Kapatalismus handeln, müssen die Anklagen noch ganze Jahrzehnte in die Länge gezogen werden um der Öffentlichkeit die Vorherrschaft der Besitzenden zu präsentieren. Ich wette diese RAF-Geschichte wird noch Jahrzehnte durch die Medien rumeiern um über die bösen Terroristen und die guten Vietnamkriegstreiber zu erinnern.
Brand-Redner 09.04.2010
4. Allerdings!
Zitat von marvinwFest steht nur eins: wenn es sich dabei um normale Bürger als Mordopfer handeln würde, würde es kein Schwein interessieren. Da es sich hier um wichtige Vertreter des Kapatalismus handeln, müssen die Anklagen noch ganze Jahrzehnte in die Länge gezogen werden um der Öffentlichkeit die Vorherrschaft der Besitzenden zu präsentieren. Ich wette diese RAF-Geschichte wird noch Jahrzehnte durch die Medien rumeiern um über die bösen Terroristen und die guten Vietnamkriegstreiber zu erinnern.
Hinzugefügt sei: Folkerts, Klar und Mohnhaupt wurden allesamt über einen Kamm rasiert - da man niemandem persönlich die Abgabe der tödlichen Schüsse nachweisen konnte, wurden einfach alle drei zur Höchststrafe verurteilt! So resolut zeigte sich der Rechtsstaat nicht immer: Im Auschwitz-Prozess zu Frankfurt/M. (1963-1965) erhielten die Täter nur 3,5 bis 14 Jahre wegen Beihilfe: Zwar sah es das Gericht als erwiesen an, dass dort unzählige Menschen ermordet worden waren, doch es gelang natürlich nicht, jedem Angeklagten nachzuweisen, wann er persönlich den Knopf gedrückt hatte. Also wurden allesamt nur wegen Beihilfe verurteilt! - Mithin scheint Ihre These, die Mordopfer machten den Unterschied, zu stimmen.
drum 09.04.2010
5. Fest steht lediglich,
Zitat von marvinwFest steht nur eins: wenn es sich dabei um normale Bürger als Mordopfer handeln würde, würde es kein Schwein interessieren. Da es sich hier um wichtige Vertreter des Kapatalismus handeln, müssen die Anklagen noch ganze Jahrzehnte in die Länge gezogen werden um der Öffentlichkeit die Vorherrschaft der Besitzenden zu präsentieren. Ich wette diese RAF-Geschichte wird noch Jahrzehnte durch die Medien rumeiern um über die bösen Terroristen und die guten Vietnamkriegstreiber zu erinnern.
dass Mord nicht verjährt! Ich wette übrigens, dass abenteuerliche Fantastereien, wie Ihre oben, noch Jahrzehnte durch die Gemeinde der RAF-Verklärer wabern und dementsprechend von der Gesellschaft belächelt werden.
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