RAF-Opfer: Ex-Terroristen entlasten Klar und Folkerts als Buback-Mörder

Vor neun Jahren löste sich die RAF offiziell auf - noch immer tappen die Ermittler bei der Aufklärung mehrerer Morde im Dunkeln. Zumindest der Anschlag auf Siegfried Buback steht jetzt vor der Aufklärung: Nach Informationen des SPIEGEL beschuldigen frühere RAF-Mitglieder Stefan Wisniewski.

Berlin - "Lasst Euch nicht erwischen!", schickte die sich auflösende Rote Armee Fraktion 1998 ihren Kämpfern noch mit auf den Weg. Und tatsächlich: Zehn RAF-Morde sind bis heute ungeklärt, bei weiteren Taten sind Details nicht geklärt, wie bei der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer.

Im Fall Buback hat das Oberlandesgerichts Stuttgart 1985 festgestellt: Christian Klar, Knut Folkerts und Günter Sonnenberg waren unmittelbar beteiligt am Attentat auf den Generalbundesanwalt und seine beiden Begleiter. Wer welche Rolle spielte, wer schoss und wer das Motorrad fuhr, von dem aus geschossen wurde, blieb damals unklar.

Anschlag auf Siegfried Buback und Begleiter: Wer schoss, blieb unklar
AP

Anschlag auf Siegfried Buback und Begleiter: Wer schoss, blieb unklar

Jetzt, dreißig Jahre nach den Morden, steht die Tat vor der Aufklärung: Christian Klar, der noch immer im Gefängnis sitzt und ein Gnadengesuch an Bundespräsident Köhler geschickt hat, war nach Darstellung ehemaliger RAF-Mitgliedern nicht der Todesschütze von Karlsruhe - auch der ebenfalls wegen Tatbeteiligung am Buback-Mord verurteilte Knut Folkerts habe nicht geschossen, sei zum Zeitpunkt des Attentats nicht einmal in Deutschland gewesen.

Nach Informationen des SPIEGEL sagte die ehemalige RAF-Angehörige Verena Becker schon vor mehr als 20 Jahren aus, dass die Ereignisse am 7. April 1977 nicht so gewesen sein können wie das Gericht annahm.

Becker nannte dem Verfassungsschutz den Namen des Schützen: Stefan Wisniewski. Der habe vom Soziussitz des Motorrads die tödlichen Schüsse auf Buback und seine Begleiter abgegeben. Laut Becker fuhr Günter Sonnenberg das Tat-Motorrad, Christian Klar habe im Fluchtauto, einem Alfa Romeo, auf die Täter gewartet. Auch der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock sagte dem SPIEGEL, nach seinen Kenntnissen habe Wisniewski geschossen, Sonnenberg habe das Motorrad gelenkt. Über die Tatbeteiligung Klars sei er nicht informiert.

Bestätigt werden die Aussagen durch Vernehmungsprotokolle der früheren RAF-Angehörigen Silke Maier-Witt, die dem SPIEGEL vorliegen. Die Frau war 1980 in der DDR untergetaucht und erst nach dem Zusammenbruch der DDR 1990 enttarnt worden. Vor 17 Jahren gab sie zu Protokoll, Knut Folkerts habe sich am Tag des Buback-Anschlags in Amsterdam aufgehalten.

Von den 22 Gewalttaten der dritten RAF-Generation (1984-1998) sind bisher nur zwei aufgeklärt. Das Bundeskriminalamt ermittelt noch in etwa zwanzig Tatkomplexen. Von sieben Tätern fehlt bislang jede Spur, gefahndet wird unter anderem nach Daniela Klette, Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Friederike Krabbe.

Insgesamt brachte die RAF mindestens 33 Menschen um - darunter mehrere Polizisten, Personenschützer und Zöllner. Unter den Fällen, bei denen die Ermittler noch im Ungewissen stochern, sind gleich mehrere prominente Opfer:

Der Ministerialdirektor des Auswärtigen Amts, Gero von Braunmühl, wurde am 10. Oktober 1986 in Bonn-Ippendorf vor seiner Wohnung erschossen - wer die Schüsse abfeuerte, wissen die Ermittler bis heute nicht. Der Name des Mörders von MTU-Vorstandschefs Ernst Zimmermann ist bis heute nicht bekannt. Wer Deutsche Bank-Sprecher Alfred Herrhausen am 30. November 1989 in seiner Limousine in die Luft sprengte, haben die Ermittler auch über 17 Jahre nach der Tat nicht herausfinden können. 1999 wurde Andrea Klump im Zusammenhang mit dem Mord an Herrhausen festgenommen, das Verfahren gegen sie inzwischen mangels Beweisen eingestellt. Wer Siemens-Vorstand Karl-Heinz Beckurts im Juli 1986 ermordete, ist nicht bekannt.

Und auch wer 1977 Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer erschoss, ist nicht geklärt. Sicher ist nur: Unter anderem an der Tat beteiligt waren Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Peter Jürgen Boock und Rolf Clemens Wagner. Der freigelassene Boock behauptet zu wissen, wer der Mörder ist, will diese Information aber nicht herausgeben.

Ein Verdächtiger, der Detlev Karsten Rohwedder, Chef der Deutschen Treuhand am 1. April 1991 von einem Schrebergarten aus niederstreckte, wurde erst zehn Jahre später gefunden. Am Tatort wurde ein Handtuch gefunden, darauf ein Haar entdeckt, das RAF-Terrorist Wolfgang Grams gehören soll. Grams allerdings starb schon 1993, bei einer Festnahmeaktion in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern. Wie genau Grams ums Leben kam, ist ungewiss - laut Untersuchungsbericht beging Grams Selbstmord, nachdem er einen Polizisten erschossen hatte.

anr/cvo

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