RAF-Prozess Buback-Zeuge will sich an Frau erinnern können

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker hat ein neuer Zeuge ausgesagt - nachdem er 33 Jahre lang geschwiegen hatte. Er will gesehen haben, dass eine Frau auf den damaligen Generalbundesanwalt Buback geschossen hat. An seiner Aussage gibt es Zweifel.

Untersuchung am Motorrad der Täter (Archivbild): "Zeugen, die Geschichten erzählen"
dapd

Untersuchung am Motorrad der Täter (Archivbild): "Zeugen, die Geschichten erzählen"


Stuttgart - Vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim erklärte der Mann, er habe gesehen, wie eine Frau von einem Motorrad aus die tödlichen Schüsse abfeuerte. Die detaillierte Aussage könnte die umstrittene These des Nebenklägers Michael Buback stützen, der meint, die angeklagte ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker habe seinen Vater selbst erschossen. Er glaubt, dass sie bei den Ermittlungen geschützt wurde, weil sie schon vor ihrer Festnahme mit Geheimdiensten kooperiert habe. Hierfür allerdings gibt es bislang keine Belege.

Zweifel bestehen allerdings, warum sich der Zeuge erst 33 Jahre nach dem Attentat meldete. Bundesanwalt Walter Hemberger machte deutlich, dass er die Aussage für nicht besonders glaubhaft hält. Zwar hat die Bundesanwaltschaft Verena Becker als Mittäterin des Mordanschlags angeklagt. Jedoch geht die Anklage nicht davon aus, dass die damals 24-Jährige selbst auf dem Motorrad saß; vielmehr habe sie eine maßgebliche Rolle bei der Organisation des Attentats gespielt.

Der 56-jährige Kaufmann und Fluglehrer hatte sich erst im Frühjahr an Michael Buback gewandt. Er habe vom Steuer eines VW-Busses aus das Attentat beobachtet, sagte der Zeuge. "Es sah für mich aus wie eine Mafia-Hinrichtung." Nach den Schüssen habe das Motorrad den Dienstwagen Bubacks einmal umrundet. "Die Dame, die da drauf saß, hat mit der Maschinenpistole rumgefuchtelt". Er habe das Gesicht der Frau sehen können, sie habe gelacht oder "die Zähne gebleckt".

Danach will der Zeuge noch etwas gesehen haben, was andere Beobachter nicht bestätigen konnten: Unmittelbar nach dem Attentat sei ein Polizeihubschrauber direkt auf der Kreuzung gelandet. Drei Polizisten und zwei Personen in Zivilkleidung seien ausgestiegen und hätten den Anschlagsort fotografiert. Nach drei bis vier Minuten seien sie wieder verschwunden.

30 Jahre lang habe er mit niemandem über seine Beobachtungen gesprochen, sagte der Mann. Damals habe er sich aus Angst vor einer möglichen Rache der RAF nicht bei der Polizei gemeldet. Nur seinem inzwischen verstorbenen Vater und seiner damaligen Sekretärin habe er direkt nach dem Anschlag von seinem Erlebnis erzählt.

Der Fluglehrer hatte seine Beobachtungen in einer Notiz festgehalten. Er wisse nicht, "was diesen Staat aufhält, dieses Verbrechen zu klären", schrieb er darin. Bundesanwalt Hemberger kommentierte dies sichtlich ungehalten: "Momentan hält den Staat vor allem eins auf: Zeugen, die sich nicht erinnern und Zeugen, die Geschichten erzählen.

ore/dpa

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werner3 14.12.2010
1. warum sollte ein 56-jährige Kaufmann und Fluglehrer soetwas erfinden?
»Danach will der Zeuge noch etwas gesehen haben, was andere Beobachter nicht bestätigen konnten: Unmittelbar nach dem Attentat sei ein Polizeihubschrauber direkt auf der Kreuzung gelandet. Drei Polizisten und zwei Personen in Zivilkleidung seien ausgestiegen und hätten den Anschlagsort fotografiert. Nach drei bis vier Minuten seien sie wieder verschwunden.« Wenn das stimmt, dann war der Mord mindestens einer unter staatlicher Aufsicht. Becker hat es vorher verraten, wurde deshalb geschützt und der Staat hat die Tat geschehen lassen und dokumentiert. Der Zeuge hat diesen möglichen Zusammenhang begriffen und deshalb 30 Jahre lang ganz geschwiegen - aus Angst vor seiner Ermordung. Da er keine Beweise hatte, mußte er den Mund halten, völlig rational. Man hätte ihn für verrückt erklärt und zunächst in eine Anstalt geschlossen. Heute droht ihm keine Gefahr mehr, jetzt kann er auspacken. Das diese Aussage extrem unbequem ist, kann sich jeder denken. Nun hat die Justitz ein Problem, einen gestandenen 56jährigen Menschen als unglaubwürdig hinzustellen. Sein Lebenslauf und seine Persönlichkeit wir da ja Auskunft geben. Man wird nicht mit 56 Jahren plötzlich zum Spinner.
GertL, 14.12.2010
2. Tolle Verschwörungstheorie
Zitat von werner3»Danach will der Zeuge noch etwas gesehen haben, was andere Beobachter nicht bestätigen konnten: Unmittelbar nach dem Attentat sei ein Polizeihubschrauber direkt auf der Kreuzung gelandet. Drei Polizisten und zwei Personen in Zivilkleidung seien ausgestiegen und hätten den Anschlagsort fotografiert. Nach drei bis vier Minuten seien sie wieder verschwunden.« Wenn das stimmt, dann war der Mord mindestens einer unter staatlicher Aufsicht. Becker hat es vorher verraten, wurde deshalb geschützt und der Staat hat die Tat geschehen lassen und dokumentiert. Der Zeuge hat diesen möglichen Zusammenhang begriffen und deshalb 30 Jahre lang ganz geschwiegen - aus Angst vor seiner Ermordung. Da er keine Beweise hatte, mußte er den Mund halten, völlig rational. Man hätte ihn für verrückt erklärt und zunächst in eine Anstalt geschlossen. Heute droht ihm keine Gefahr mehr, jetzt kann er auspacken. Das diese Aussage extrem unbequem ist, kann sich jeder denken. Nun hat die Justitz ein Problem, einen gestandenen 56jährigen Menschen als unglaubwürdig hinzustellen. Sein Lebenslauf und seine Persönlichkeit wir da ja Auskunft geben. Man wird nicht mit 56 Jahren plötzlich zum Spinner.
Dann erklären Sie bitte noch, wie er die Frau durch den Integralhelm hat grinsen sehen können, oder warum die Bösewichte aus dem Hubschrauber ihn ignoriert haben?
Spinnosa 14.12.2010
3. Versteh ich nicht....
Zitat von werner3»Danach will der Zeuge noch etwas gesehen haben, was andere Beobachter nicht bestätigen konnten: Unmittelbar nach dem Attentat sei ein Polizeihubschrauber direkt auf der Kreuzung gelandet. Drei Polizisten und zwei Personen in Zivilkleidung seien ausgestiegen und hätten den Anschlagsort fotografiert. Nach drei bis vier Minuten seien sie wieder verschwunden.« Wenn das stimmt, dann war der Mord mindestens einer unter staatlicher Aufsicht. Becker hat es vorher verraten, wurde deshalb geschützt und der Staat hat die Tat geschehen lassen und dokumentiert. Der Zeuge hat diesen möglichen Zusammenhang begriffen und deshalb 30 Jahre lang ganz geschwiegen - aus Angst vor seiner Ermordung. Da er keine Beweise hatte, mußte er den Mund halten, völlig rational. Man hätte ihn für verrückt erklärt und zunächst in eine Anstalt geschlossen. Heute droht ihm keine Gefahr mehr, jetzt kann er auspacken. Das diese Aussage extrem unbequem ist, kann sich jeder denken. Nun hat die Justitz ein Problem, einen gestandenen 56jährigen Menschen als unglaubwürdig hinzustellen. Sein Lebenslauf und seine Persönlichkeit wir da ja Auskunft geben. Man wird nicht mit 56 Jahren plötzlich zum Spinner.
Wenn "das" stimmt, ist der Zeuge heute genau so gefährdet wie vor 30 Jahren, warum soll er also jetzt "auspacken" können? Weil er jetzt älter ist? Mit 56 wird man nicht mehr zum Spinner? Mit 56 kann man alles mögliche werden. Abgesehen davon, daß einem die Erinnerung oftmals so manchen Streich spielt, da muß noch nicht mal böse Absicht hinter stecken. Und warum hat kein anderer Zeuge diesen ominösen Heli gesehen? Und wenn doch, warum geben sie es jetzt nicht zu, wo es doch jetzt lt. Ihren Vermutungen "ungefährlich" ist? Den müßten nämlich (mitten in Karlsruhe!) z. B. auch Leute bemerkt haben, die den unmittelbaren Mord gar nicht beobachtet haben, so ein Heli materialisiert sich schließlich nicht ratzfatz über dem Tatort, der entwickelt im Sinkflug eine Lautstärke, bei der Sie Ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen!
werner3 14.12.2010
4. wie wärs mit ein wenig Logik?
Zitat von SpinnosaWenn "das" stimmt, ist der Zeuge heute genau so gefährdet wie vor 30 Jahren, warum soll er also jetzt "auspacken" können? Weil er jetzt älter ist? Mit 56 wird man nicht mehr zum Spinner? Mit 56 kann man alles mögliche werden. Abgesehen davon, daß einem die Erinnerung oftmals so manchen Streich spielt, da muß noch nicht mal böse Absicht hinter stecken. Und warum hat kein anderer Zeuge diesen ominösen Heli gesehen? Und wenn doch, warum geben sie es jetzt nicht zu, wo es doch jetzt lt. Ihren Vermutungen "ungefährlich" ist? Den müßten nämlich (mitten in Karlsruhe!) z. B. auch Leute bemerkt haben, die den unmittelbaren Mord gar nicht beobachtet haben, so ein Heli materialisiert sich schließlich nicht ratzfatz über dem Tatort, der entwickelt im Sinkflug eine Lautstärke, bei der Sie Ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen!
Wie scharfsinnig ist Ihr Verstand? Vor 33 Jahren wäre der gewaltsame Tod des Zeugen ein RAF-Mord gewesen, was sonst? Wer will das Gegenteil beweisen? Heute geht diese Variante nicht mehr. Die RAF gibt es nicht mehr. Heute gibt es als Möglichkeiten nur noch die Unglaubwüdigkeit eines Zeugen und fehlenden Akten, davon allerdings reichlich und gerade die wichtigsten zur Lösung des Falls. Ist doch merkwürdig, finden Sie nicht?
werner3 14.12.2010
5. die Bösewichte aus dem Hubschrauber...1(2)
Zitat von GertLDann erklären Sie bitte noch, wie er die Frau durch den Integralhelm hat grinsen sehen können, oder warum die Bösewichte aus dem Hubschrauber ihn ignoriert haben?
...müssen erstens keine Bösewichte sondern können ganz normale Geheimdienstler im ganz normalen Auftrag gewesen sein, die ihren DienstAuftrag zu erledigen haben und dann die Klappe zu halten haben, und zwar immer. Es sei denn, sie werden davon entbunden. Zweitens müssen sie den Zeugen nicht zwingend wahrgenommen haben hinter seinem Steuer im stehenden Bus. Wenn er aber vorbeigefahren sein sollte, wird es nicht ihr Auftrag gewesen sein, sofort auch alle zufällig vorbeifahrenden Verkehrstteilnehmer gleichzeitig mit den Hubschrauber zu verfolgen. Es war ja dann eher ihr Auftrag, schnell die Fotos zu machen und sofort wieder zu verschwinden. Was den Helm anbetrifft, steht hier im Artikel nicht, daß dieser Zeuge behauptet, sie hätte einen getragen, der ihr Gesicht so verdeckte, daß er es nicht sehen konnte. 1977 waren noch andere Motorradhelme im Gebrauch als heute, und Visire kann man auch mal hochklappen, z.B. um besser zielen zu können. Das soll ja beim Schießen angeblich wichtig sein, um treffen zu können. Übrigens: Wenn es so war, das V.Becker V-Frau war und sie den Mord mit geplant hat, wird sie das wohl auch vorab verraten haben (müssen). Jedenfalls entspricht das der Logik, den ab dem Moment, wo sie diese Zusammenarbeit eingeht, ist sie praktisch gezwungen, alles mitzuteilen. Denn sonst muß sie damit rechnen, sofort hochzugehen. Wenn sie aber die Aktion verraten hat, dann hat man offensichtlich nichts Besonderes für Bubacks Schutz unternommen, so wie der Ablauf das zeigt (rote Ampel, nur zivile Begleiter, keine Begleitfahrzeuge, das allein ist schon unglaublich! und für mich sehr verdächtig). Der Beamte Buback wußte folglich auch nichts von seiner akuten Gefährdung. Daraus schlußfolgere ich, das man absichtlich nichts unternommen hat, ein erfolgreiches Attentat zu verhindern. Dann aber war es auch zweckmäßig, das Becker selbst schoß. Damit war sie über jeden Verdacht in der Gruppe erhaben, ein top V-Mann erster Klasse. Nun der letzte Rest, der dazu paßt wie die Faust auf's Auge (lt. Wikipedia von heute): »Im Februar 2009 hatte das Bundeskriminalamt mehrere Briefumschläge der Bekennerschreiben zum Buback-Mord, mit denen die RAF sich am 13. April 1977 zu dem Anschlag bekannt hatte, molekulargenetisch untersuchen lassen: an drei Briefumschlägen konnten Speichelspuren von Verena Becker festgestellt werden.[6][7] Inzwischen hat der Verfassungsschutz jedoch neue Dokumente vorgelegt, die, so der Verfassungsschutz, Frau Becker von der Mittäterschaft entlasten. In den Dokumenten, die der Verfassungsschutz jetzt erst wiedergefunden hat, heißt es vom 16. November 1981, dass „Becker und Mohnhaupt … im April 1977 nach Bagdad geflogen“ seien. *Leider sind die „Originaldokumente“, als Grundlage für die „Geheimvermerke“, nicht mehr vorhanden, die entsprechenden Tonbänder sind, laut Verfassungsschutz, „gelöscht“, die Orginalabschriften und weite Teile der Akten verschwunden und der Verfasser der jetzt erst aufgetauchten Dokumente schon gestorben.[8]«* Wie zweckmäßig!
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