Eklat im RAF-Prozess Bundesanwalt greift Buback-Sohn scharf an

Die Nerven liegen blank im RAF-Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Erst attackierte der Sohn des Opfers die Bundesanwaltschaft hart - dann schlug diese zurück. Die Vorwürfe des Nebenklägers seien "unverfroren" und "kein weiteres Wort wert", so der Bundesanwalt.

Nebenkläger Buback: Massive Vorwürfe gegen Bundesanwälte
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Nebenkläger Buback: Massive Vorwürfe gegen Bundesanwälte


Stuttgart - Eklat im Verfahren um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Nach dem Plädoyer des Nebenklägers Michael Buback hat der Vertreter der Bundesanwaltschaft den Sohn des Opfers scharf angegriffen - und als "unverfroren" bezeichnet.

Buback hatte in seinem Plädoyer erneut die These vertreten, die angeklagte ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker sei bei den Ermittlungen geschützt worden, weil sie mit Geheimdiensten zusammengearbeitet habe. Er klagte über eine klare Rechtsbeugung der Ermittler.

Ein Vorwurf, den sich diese nicht gefallen lassen wollten: Die Attacke sei eine "durch nichts zu rechtfertigende Unverfrorenheit", sagte Bundesanwalt Walter Hemberger. "Jedes weitere Wort ist der Vortrag des Nebenklägers nicht wert."

Man könne "dem Gedanken nicht ausweichen, dass es eine schützende Hand für sie gab", hatte Buback am Freitag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart über Becker gesagt. Am zweiten Tag seines umfangreichen Plädoyers verwies Buback auf angebliche Fehler bei den Ermittlungen zum Mordanschlag der RAF von 1977 auf seinen Vater, dem damaligen Generalbundesanwalt.

Der Nebenkläger ist davon überzeugt, dass Becker als Schützin am Mordanschlag beteiligt war - auch wenn der seit anderthalb Jahren dauernde Prozess dafür keine handfesten Belege ergeben hat. Buback verwies erneut auf eine lange Reihe von Zeugen - nach seiner Zählung 27 -, die eine Frau auf dem Soziussitz des Motorrads gesehen hätten. Darunter sind aber auch inzwischen verstorbene Zeugen. Andere wurden zwar vor Gericht vernommen, verwickelten sich aber in Widersprüche.

Die Bundesanwaltschaft hat eine Verurteilung der heute 59-jährigen Ex-Terroristin wegen Beihilfe zum Mord beantragt. Sie habe zwar vermutlich nicht selbst geschossen, aber bei der Entscheidung für das Attentat eine wichtige Rolle gespielt, hieß es zur Begründung. Die Anklagevertreter gehen nicht davon aus, dass Becker selbst am Tatort war. Auch die Beschuldigte selbst hatte sich vor wenigen Wochen zu Wort gemeldet. Sie bestreitet, bei dem tödlichen Anschlag dabeigewesen zu sein.

Das Gericht will am 7. Juli ein Urteil verkünden.

jok/dpa



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Seite 1
wahrheitsgemäß 15.06.2012
1. vollkommen richtig was
Zitat von sysopDPADie Nerven liegen blank im RAF-Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Erst attackierte der Sohn des Opfers die Bundesanwaltschaft hart - dann schlug diese zurück. Die Vorwürfe des Nebenklägers seien "unverfroren" und "kein weiteres Wort wert", so der Bundesanwalt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839157,00.html
herr buback vermutet.die brd schützt die raf mitglieder und vor allem die wahren hintermänner.
einsteinalbert 15.06.2012
2. Buback hat
wohl recht. Ganz oben wusste man sehrwohl Bescheid, dass sich viele RAF-Akteure u.a. bei Honnecker versteckten. Es kursierten damals auch Gerüchte, dass Zugriff auf das eine oder andere RAF-Mitglied möglich gewesen wäre. Man liess sie aber in Freiheit, weil man hoffte, dass diese Personen eine mögliche Spur zu anderen Mitgliedern der RAF führen könnten. Hätte Kohl in seinen Memoiren alles aufgedeckt was er tatsächlich wusste, hätte die Geschichte der RAF umgeschrieben werden müssen. Nach über 30 Jahren ist es nahezu unmöglich noch irgendwelche handfesten Beweise beizubringen, dies allen schon deswegen, weil noch lebende Insider eisern schweigen.
Wolfes74 15.06.2012
3. Jenau ...
Zitat von wahrheitsgemäßherr buback vermutet.die brd schützt die raf mitglieder und vor allem die wahren hintermänner.
die verantwortlichen Ermittlungsbehörden und Justizbehörden sind auch alle Mitglieder der jüdisch-kommunistischen Weltverschwörung und knien/beten regelmäßig im Hinterzimmer vor einer Stalinstatue. ......... alles klar herr kommisar
cassandros 15.06.2012
4. Nervtöter 1. Klasse
Zitat von sysopDPADie Nerven liegen blank im RAF-Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Erst attackierte der Sohn des Opfers die Bundesanwaltschaft hart - dann schlug diese zurück. Die Vorwürfe des Nebenklägers seien "unverfroren" und "kein weiteres Wort wert", so der Bundesanwalt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839157,00.html
Der Bundesanwalt hat vollkommen recht und richtig gehandelt. Buback ist besessen und sollte von den Verhandlungen ausgeschlossen werden.
doc 123 15.06.2012
5. Absurdität!
Zitat von einsteinalbertwohl recht. Ganz oben wusste man sehrwohl Bescheid, dass sich viele RAF-Akteure u.a. bei Honnecker versteckten. Es kursierten damals auch Gerüchte, dass Zugriff auf das eine oder andere RAF-Mitglied möglich gewesen wäre. Man liess sie aber in Freiheit, weil man hoffte, dass diese Personen eine mögliche Spur zu anderen Mitgliedern der RAF führen könnten. Hätte Kohl in seinen Memoiren alles aufgedeckt was er tatsächlich wusste, hätte die Geschichte der RAF umgeschrieben werden müssen. Nach über 30 Jahren ist es nahezu unmöglich noch irgendwelche handfesten Beweise beizubringen, dies allen schon deswegen, weil noch lebende Insider eisern schweigen.
Es ist doch wohl an Absurdität kaum noch zu überbieten, dass sich dieser Bundesanwalt auch noch geradezu als Verteidiger von Becker aufschwingt. Fakt ist jedenfalls, dass Becker intensivst an den Tatvorbereitungen beteiligt war sowie dass die Tatwaffe bei ihr und Sonnenberg gefunden wurde, so dass sie zumindest SICHERLICH weiß, wer geschossen hat, sollte sie nicht selbst die Täterin sein. - Ich hatte mich in früheren Beiträgen eher negativ über die in meinen Augen damalig unberechtigte Verhaftung von Becker geäußert, muss mich diesbezüglich in Anbetracht der tatsächlichen Faktenlage revidieren. Es sieht tatsächlich so aus, dass die Bundesanwaltschaft ganz bewusst, die tatsächlichen Täter schont, um eine noch "größere Gefährdung der Bundesrepublik" zu verhindern, wie dies dem letztlich im TV gesendeten Film zu Bubach zu entnehmen war. - Es gibt hier vermutlich ein Einvernehmen, Becker wird geschont und wird damit nicht gezwungen werden, ihren RAF-Kodex, nicht auszupacken, beibehalten. - Dieser Rechtsstaat besitzt mittlerweile wie schon mehrfach geäußert das Niveau einer Bananenrepublik.
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