FDP: Rösler wirft Kritikern parteischädigendes Verhalten vor

Die FDP-Personaldebatte erhält neuen Zündstoff. Der Parteivorsitzende Philipp Rösler setzt sich gegen Kritiker zur Wehr, die Rainer Brüderle zum Spitzenkandidaten küren wollen: "Unser Parteitag entscheidet das im Mai."

FDP-Chef Rösler (Archivbild): "Die Diskussion ist eindeutig verfrüht" Zur Großansicht
dapd

FDP-Chef Rösler (Archivbild): "Die Diskussion ist eindeutig verfrüht"

Berlin - Zum Auftakt des Wahlkampfjahrs 2013 verschärft sich bei den Liberalen deutlich der Ton. Parteichef Philipp Rösler hat die Diskussion über die Spitzenkandidatur seiner Partei für die Bundestagswahl scharf kritisiert.

"Die Debatte schadet der Partei und allen, die diese Debatte führen", sagte Rösler dem "Handelsblatt". Die Diskussion darüber sei eindeutig verfrüht. "Unser Parteitag entscheidet das im kommenden Mai", sagte Rösler. Der 39-Jährige ließ damit erneut seine eigenen Ambitionen offen. Zudem wandte er sich nicht ausdrücklich gegen die Idee einer Doppelspitze, die sein Parteifreund Dirk Niebel ins Gespräch gebracht hatte.

"Überflüssig wie Kamele im Wattenmeer"

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle selbst hat die Forderung zurückgewiesen, die Liberalen anstelle von Parteichef Philipp Rösler in den Bundestagswahlkampf zu führen. Er bemühte sich, ein Signal der Geschlossenheit zu senden. Rösler sei mit einem überragenden Ergebnis zum Parteichef gewählt worden, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Er ist unsere Nummer Eins, und wir stehen hinter ihm." Personaldebatten seien "überflüssig wie Kamele im Wattenmeer".

Zuvor hatte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Ackermann gefordert, dass Fraktionschef Brüderle anstelle des Parteivorsitzenden Rösler die Liberalen in die Bundestagswahl führen soll. Auch die Bürger glauben, dass die FDP mit Brüderle besser aufgestellt sei.

Angesichts der anhaltend schlechten Umfragewerte wachsen zudem die Zweifel, ob die FDP es überhaupt noch einmal in den Bundestag schafft. Laut einer Emnid-Umfrage glauben 53 Prozent der Deutschen, dass die Liberalen im nächsten Herbst an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, nur 36 Prozent rechnen damit, dass die Partei auch im nächsten Bundestag vertreten ist.

bos/Reuters/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Vermittlungsprobleme
rainer_daeschler 02.12.2012
Welcher FDPler wird wohl die undankbare Aufgabe übernehmen müssen, Philipp Rösler zu vermitteln, dass er in der Partei nicht gerade der Kandidat ist, der einen Hering vom Teller zieht?
2. Fremdschämen
Ainu 02.12.2012
Auch für jemand wie mich, die mit der FDP 'nichts am Hut hat', ist es doch ziemlich peinlich, miterleben zu müssen, wie hier ein FDP-Hinterbänkler den Vorsitzenden madig macht. Hier gilt ja denn wohl Freund>Feind>Parteifreund und davon gibt es sehr viele in der FDP. Damit können die sich den Einzug in den nächsten Bundestag vermutlich abschminken!
3. Nein, liebe Freidemokraten
sowi86 02.12.2012
Manche wissen nicht, wo ihre Freiheit aufhört. Eure Wähler haben das nicht gewollt. Aber ihr nehmt das Mandat nach Artikel 38 GG als Freibrief, zu tun und zu lassen, was ihr wollt. Ob das wirklich klug ist? Es zeugt von mangelnder Organisationsfähigkeit, wenn man sich wie ein Salon pubertärer Jünglinge verhält. Und bei euch sind die Arbeitgeber in der Mehrzahl? Das wirft ein beredtes Bild auf die deutsche Unternehmerschaft, wenn sie so einen Verein, wie den euren sponsert! Keiner von den Besserwissern könnte die reine FDP-Lehre in der Koalition gegen Merkel durchdrücken. Der Frust bei Rösler liegt doch auf der Hand, genauso wie der Frosch in der Pfanne.
4.
Kritischer_Geist 03.12.2012
Rösler wirft jemanden parteischädigendes Verhalten vor? Wenn ich mir allein ansehe, wen RÖSLER als Generalsekretär eingesetzt hat, weiß ich, wer hier die Partei geschädigt hat. Zahllose andere Beispiele sind hinreichend bekannt.
5.
Kritischer_Geist 03.12.2012
Zitat von sowi86Manche wissen nicht, wo ihre Freiheit aufhört. Eure Wähler haben das nicht gewollt. Aber ihr nehmt das Mandat nach Artikel 38 GG als Freibrief, zu tun und zu lassen, was ihr wollt. Ob das wirklich klug ist? Es zeugt von mangelnder Organisationsfähigkeit, wenn man sich wie ein Salon pubertärer Jünglinge verhält. Und bei euch sind die Arbeitgeber in der Mehrzahl? Das wirft ein beredtes Bild auf die deutsche Unternehmerschaft, wenn sie so einen Verein, wie den euren sponsert! Keiner von den Besserwissern könnte die reine FDP-Lehre in der Koalition gegen Merkel durchdrücken. Der Frust bei Rösler liegt doch auf der Hand, genauso wie der Frosch in der Pfanne.
Welche FDP-Lehre meinen Sie denn? Die offzielle (derzeit nicht verfolgte) Lehre von Liberalismus, Freiheitsrechten, weniger Staat, geringeren Steuern und tatsächlichen Wohlstand für alle Fleißigen, bei der es durch den Markt auch genug bezahlte Arbeit für alle gibt? Oder meinen Sie die derzeit vehement verfolgte inoffizielle Lehre von Lobbyismus, Klientelpolitik, Euro"rettung", Versorgung von Parteisoldaten mit Posten, Bruch von elementaren Wahlversprechen etc.?
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