Neuer Unionsfraktionschef Brinkhaus will Kauders Team behalten

Der frischgebackene Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus setzt auf Kontinuität: Alle bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer behalten ihre Posten. Es ist auch ein Zeichen der Versöhnung.

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Normalerweise basiert die Hierarchie in der Unionsfraktion auf Vertrauen: Fraktionschef Volker Kauder war der Vertraute der Kanzlerin, und der erste Parlamentarische Geschäftsführer Michael Grosse-Brömer war wiederum ein vom Fraktionschef auserwählter Vertrauter.

Doch in diesen Tagen läuft wenig nach den normalen Regeln: Mit Ralph Brinkhaus steht nicht mehr Angela Merkels Wunschkandidat an der Spitze der Fraktion. Und auch Brinkhaus verzichtet nun seinerseits darauf, einen eigenen Kandidaten als neuen Parlamentarischen Geschäftsführer zu benennen: Wie aus Fraktionskreisen verlautete, soll Michael Grosse-Brömer seine Funktion behalten. Sämtliche PGFs, wie die Parlamentarischen Geschäftsführer genannt werden, sollten im Amt bleiben, heißt es.

Die Entscheidung dürfte ein Zeichen der Versöhnung von Brinkhaus an die Kauder-Anhänger in der Fraktion sein. Der Verbleib von Grosse-Brömer im Amt erleichtert der Unionsfraktion auch die in den vergangenen Tagen so oft in Aussicht gestellte "Rückkehr zur Sacharbeit", da nun weniger Personalfragen zu klären sind.

Hätte der Niedersachse Grosse-Brömer seinen Posten räumen müssen, hätten sowohl seine Landesgruppe als auch Kauders Landesgruppe Baden-Württemberg Ansprüche auf den Posten angemeldet.

Da die Fraktion erst in der Sitzung vom gestrigen Dienstag alle Vizefraktionsvorsitzenden und fachpolitischen Sprecher (bis auf einen Nachfolger für den Finanzexperten Brinkhaus) wiedergewählt hatte, hätte es dann wohl aufwendiges Personalwechsel gegeben. Stattdessen wird nun die alte Machtstruktur in der Fraktion weitgehend erhalten bleiben. Die PGFs sollen in der nächsten Sitzungswoche von der Fraktion gewählt werden.

Anmerkung: In einer früheren Version haben wir den Vornamen von Ralph Brinkhaus falsch geschrieben. Wir haben die Stelle korrigiert.

ama

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apasionado 26.09.2018
1. "Stattdessen wird nun die alte Machtstruktur in der Fraktion
weitgehend erhalten", da frage ich mich unwillkürlich, wie dann der Weg der Erneuerung beschritten werden soll? Veränderung muss auch mal weh tun, Rücksichtnahme ist hier fehl am Platz. Je schneller das beherzigt wird, um so schneller haben wir eine handlungsfähige Regierung. Spätestens im Dezember werden die Verhältnisse klar sein, wenn die Partei ihre(n) Vorsitzende(n) wählt.
unky 26.09.2018
2. Wechsel kann man auch positiv bewerten
Wenn Brinkhaus es ehrlich meint, kann seine Wahl durchaus zur Stabilisierung der CDU und damit der Groko führen. Er scheint ja großen Rückhalt in der CDU zu haben - und mit neuem Elan und neuen Ideen könnte die Regierung endlich zur Sacharbeit zurückkehren. Es täte dem ganzen Land gut, wenn die Regierung sich endlich an die Erfüllung ihrer Wahlversprechen und die Lösung der gesellschaftlichen Probleme machte - und endlich nicht mehr eine lobbybestimmte Politik betriebe. Die Aushöhlung der Demokratie seitens der regierenden Politiker und ebenso seitens der politischen Gegner und ihrer Claqueure sollte in unser aller Interesse endlich ein Ende finden.
coyote13 26.09.2018
3. wie hat Hr. Brinkhaus doch vor 1 Woche gesprochen . . .
. . . ""Brinkhaus hatte seine Kandidatur unter anderem mit dem Wunsch nach einer aktiveren Rolle der Unionsfraktion gegenüber der Regierung begründet. Zudem warb er für mehr Teamgeist"" so O-Ton Brinkhaus vor der Wahl. Jetzt macht er mit dem gleichen Team des Vorgängers weiter? Will auf einmal nichts ändern? Hä? Funktioniert im Betrieb nicht, funktioniert beim Fussball nicht und funktioniert in der CDU/CSU Fraktion auch nicht. Das ist enttäuschend. Neuer Wein in alten Schläuchen. Ich will wirklich nicht gleich an Hr. B. rummotzen, aber ein Neuanfang sieht anders aus. Warum hat er sich dann zur Wahl gestellt? Doch nur Chance auf Karriere - gelle. Wie schade. Viel Lärm um wirklich nichts!
haarer.15 26.09.2018
4. Brinkhaus setzt auf Kontinuität
Und auf Versöhnung. Mit Merkel will er es sich auch nicht verscherzen. Tja nur ... was soll sich denn dann groß bei der C-Fraktion ändern ? Wie gesagt: Ein neues Gesicht bringt eben noch lange keinen neuen Wind. Frau Merkel wird jedoch nicht mehr umhin können zu überlegen, wie sie ihren Abgang gestalten will. Je früher, desto besser.
artep 26.09.2018
5. Herr Brinkhaus
scheint ein überaus geschickter und diplomatischer Politiker zu sein. Schon sein rasannter Aufstieg in der Partei spricht dafür. Es ist doch viel klüger, sich in die konservativen Verhältnisse einzureihen, anstatt sich als Rebell ins Abseits zu stellen und sich angreifbar zu machen. Ich denke, er wird noch eine große Karriere in der CDU machen.
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