Giftige Dämpfe im Flugzeug: Ramsauer fordert Lösung für Kabinenluft-Probleme

74 Störungsmeldungen in fünf Jahren: Bundesverkehrsminister Ramsauer verlangt nach SPIEGEL-Informationen von der EU-Kommission Lösungsvorschläge für die Probleme der Fluggesellschaften mit giftiger Kabinenluft. Er geht davon aus, dass viele Zwischenfälle verschwiegen werden.

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dapd

Verkehrsminister Ramsauer: "Anzahl der Störungsmeldungen ist stetig gestiegen"

Berlin - Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnt vor einer Zunahme von Zwischenfällen, bei denen giftige Öldämpfe in die Kabinenluft von Passagierflugzeugen gelangen. "In Deutschland ist die Anzahl der eingehenden Störungsmeldungen zum Thema Ölgeruch stetig gestiegen", heißt es in einem Schreiben von Ramsauer an EU-Verkehrskommissar Siim Kallas, das dem SPIEGEL vorliegt.

"In den letzten fünf Jahren wurden insgesamt 74 Meldungen erfasst, wobei neun Fälle von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung als schwere Störungen eingestuft wurden", schreibt Ramsauer. "In einem dieser Fälle wäre es nach Aussage der Besatzung beinahe zu einer Katastrophe gekommen."

Gemeint ist damit der Beinahe-Absturz einer Germanwings-Maschine in Köln im Dezember 2010, als die Piloten während des Landeanflugs fast ohnmächtig wurden. Ramsauer dringt jetzt darauf, dass die EU-Kommission und die Europäische Agentur für Flugsicherheit Lösungsvorschläge erarbeiten. Der Verkehrsminister geht davon aus, dass die Airlines viele Vorfälle gar nicht anzeigen, die Dunkelziffer also sehr hoch ist. Zu diesem Ergebnis kam auch das Luftfahrt-Bundesamt vor einigen Tagen - demnach würden "meldepflichtige Störungen den zuständigen Behörden oftmals nicht angezeigt".

Die Lufthansa hat bereits angekündigt, an einem Warnsystem zu arbeiten. Am Samstag hatte sich der Pilot einer Maschine von Frankfurt am Main nach Istanbul für eine Sicherheitslandung entschieden, weil in der Kabine ein unangenehmer Geruch festgestellt wurde.

Experten stellten nach Auskunft der Lufthansa fest, dass der Geruch nicht vom Triebwerk oder von einem anderen Flugzeugteil und auch nicht von den Gepäckstücken der Passagiere kam, sondern von der Ladung im Frachtraum. Zur Untersuchung des Frachtraums und des Frachtcontainers war auch eine sogenannte elektronische Schnüffelnase im Einsatz, die unter anderem gesundheitsgefährdende Stoffe findet. Doch auch bei dieser abschließenden Untersuchung durch Mitarbeiter der Lufthansa und der Feuerwehr konnte der Grund für den Geruch nicht gefunden werden.

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sto/dpa

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