Rasiert und frisiert Henrico F. sagt Treffen mit Kurt Beck ab

Das geplante Treffen zwischen SPD-Chef Beck und dem Arbeitslosen Henrico F. in der kommenden Woche findet nicht statt. Er habe andere Verpflichtungen, ließ der frisch Frisierte mitteilen. Beck habe den Termin anberaumt ohne bei ihm Rückfrage zu halten.


Wiesbaden - Henrico F. sagte das Treffen kurzerhand ab. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hatte den 37-Jährigen für Dienstag in die Staatskanzlei in Mainz gebeten, um ihm Jobangebote zu unterbreiten. F. habe jedoch im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit terminliche Verpflichtungen und sei daher verhindert, sagte Brigitte Vallenthin von der Wiesbadener Hartz-IV-Plattform, die als F.s Sprecherin auftritt.

F. warf Beck eine herablassende Haltung vor. Der SPD-Chef hätte zu ihm Kontakt aufnehmen sollen, bevor der Termin öffentlich verkündet wurde. "Ich bin auch erstaunt über die abermals herablassende Umgangsform des Vorsitzenden der Partei der Benachteiligten", sagte er. Dass Beck die Presse informiert habe, bevor die Einladung bei F. im Briefkasten gewesen sei, "ist der erneute Beweis dafür, dass sein Herz gar nicht für uns schlägt".

Ganz verstreichen lassen will F. die Chance auf einen neuen Job allerdings wohl doch nicht. Vallenthin sagte, sie wolle am Montag Kontakt mit der Staatskanzlei in Mainz aufnehmen, um einen neuen Termin zu vereinbaren.

Aus der Staatskanzlei hieß es am Abend, Beck halte sein Angebot aufrecht. Ein Sprecher sagte, sollte es nicht zu einem persönlichen Gespräch zwischen Beck und F. kommen, werde ein Mitarbeiter der Landesregierung dem Arbeitslosen die fünf Jobangebote von Unternehmen aus der Region überbringen. Gemeldet hätten sich unter anderem eine Baufirma und ein Malerbetrieb.

Der gelernte Baufacharbeiter, der nach eigenen Worten seit sechs Jahren arbeitslos ist, hatte Beck auf dem Weihnachtsmarkt in Wiesbaden wegen der Hartz-IV-Gesetze beschimpft. Daraufhin hatte der SPD-Chef ihn aufgefordert, sich zu waschen und zu rasieren, dann werde er auch Arbeit bekommen. Am Donnerstag ließ sich F. den Bart abnehmen und die Haare schneiden.

Inzwischen zeigt er sich mit dem Ergebnis des Friseurbesuchs unzufrieden. Der Berliner "Tagesspiegel" zitiert den 37-Jährigen so: "Es hieß, ich soll mir die Haare ein bisschen schneiden lassen. Ein bisschen! Nicht, dass ich da mit einem Poposcheitel rauskomme." Er habe das Unglück erst bemerkt, als es zu spät war, sagte F. dem Blatt. Beim Schneiden habe er die Augen geschlossen gehalten: "Ich wollte das Elend nicht mit ansehen."

ler/AP/dpa



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