Rassismus Mordanschlag auf Schwarzen in Potsdam

Schon wieder ein brutaler Überfall auf einen Farbigen: Mitten in Brandenburgs Hauptstadt haben zwei Unbekannte einen 37-jährigen Ingenieur überfallen und lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs mit fremdenfeindlichem Hintergrund.


Potsdam -  Die beiden Täter schlugen ihr Opfer, einen aus Äthiopien stammenden Deutschen, im Zentrum der brandenburgischen Landeshauptstadt so brutal zusammen, dass es noch immer in Lebensgefahr schwebe. Der Überfall auf den Wasserbauingenieur fand gestern morgen gegen vier Uhr früh statt. Die Polizei ermittelt wegen Mordversuchs mit fremdenfeindlichem Hintergrund.

Der Vater zweier Kinder erlitt schwerste Schädel- und Knochenverletzungen. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm verurteilte die Tat und kündigte eine entschlossene Suche nach den Angreifern an. "Wir dulden in diesem Lande nicht, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder politischen Haltung von Extremisten verfolgt, zusammengeschlagen oder gar ermordet werden", erklärte Schönbohm.

Der CDU-Politiker rief die Bevölkerung auf, sich an der Identifizierung der Täter zu beteiligen. Die Staatsanwaltschaft hat für Hinweise zur Ergreifung der Täter eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Fremdenfeindliche Attacken hatten Brandenburg in jüngster Zeit wieder mehrfach in die Schlagzeilen gebracht. Im März schlugen in Cottbus unbekannte Täter auf einen Mazedonier und spanische Studenten ein. Zuvor hatten vermutlich Rechtsextremisten in Rheinsberg mehrere Geschäfte von Ausländern demoliert.

Erst vor kurzem verurteilte das Landgericht Potsdam fünf Männer aus der rechten Szene wegen eines brutalen Überfalls zu mehrjährigen Haftstrafen. Sie hatten mit einer größeren Gruppe im Juli 2005 zwei Männer gestellt, die sie für links hielten. Als ihre Opfer schon am Boden lagen, traten und prügelten die Täter weiter auf sie ein.

ler/AFP/dpa



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