Rassismus-Skandal Bundeswehr-Video empört Amerikaner

Über das fragwürdige Bundeswehr-Video, in dem Rekruten aufgefordert werden, auf "Afroamerikaner" zu schießen, empören sich jetzt auch US-Politiker. Der Bürgerrechtler Al Sharpton forderte Präsident George W. Bush auf, den Vorfall zu verurteilen.


New York/Berlin - Der Bürgermeister des New Yorker Stadtteils Bronx, Adolfo Carrion, sagte am Wochenende, das mit dem Video verbreitete negative Image stimme ihn sehr traurig. Die Bundesregierung müsse hier Aufklärungs- und Erziehungsarbeit leisten, forderte er. Von der Bundeswehr verlangte Carrion eine Entschuldigung. Das sei das Mindeste, was die schwarzen Einwohner der Bronx erwarten könnten.

Die Bundeswehr prüft derzeit dienstrechtliche Maßnahmen gegen den Soldaten, der in einem Videoclip Wehrdienstleistende dazu auffordert, auf fiktive Afroamerikaner zu feuern und diese mit dem Kraftausdruck "Motherfucker" zu schimpfen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte: "Dieser rassistische Vorfall ist unakzeptabel und widerspricht allen Grundsätzen, nach denen in der Bundeswehr ausgebildet wird."

Der Soldat wurde seit dem Vorfall im Juli 2006 aus der Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg an einen anderen Standort versetzt, tut aber weiter regulär seinen Dienst, wie ein Sprecher des Presse- und Informationszentrums der Streitkräftebasis (SKB) sagte.

Auf die Frage, ob angesichts der empörten Reaktionen ein Wort des Bedauerns angebracht sei, sagte er: "Die Bundeswehr nimmt den Vorfall sehr ernst und ist an einer zügigen Aufklärung interessiert." Er wies darauf hin, dass die internen Ermittlungen bereits eingeleitet waren, bevor das Video öffentlich bekannt wurde. Der Vorfall werde Folgen haben, "aber welche, das können wir noch nicht sagen".

Der Grünen-Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei zeigte sich ebenfalls empört und sagte: "Was da deutlich wird, sind Fälle von rassistischem Killertum." Der Vorfall sei unvereinbar mit den Werten, denen auch die Bundeswehr verpflichtet sei. "Solche Ausbilder haben eindeutig in der Bundeswehr nichts zu suchen."

Jürgen Rose, Oberstleutnant und Vorstandsmitglied des Darmstädter Signals, einer Vereinigung kritischer Soldaten, sagte der Agentur AP, dass von einem Einzelfall keine Rede sein könne. "Wir haben seit Beginn der Bundeswehr eine ganze Reihe der so genannten Einzelfälle." Er verwies unter anderem auf die Totenschädelbilder aus Afghanistan und die Foltervorfälle in Coesfeld, die zurzeit vor Gericht verhandelt werden. Sein Fazit lautete: "Der Staatsbürger in Uniform hat ausgedient, man braucht anscheinend den 'archaischen Kämpfer'."

Der Bürgermeister des Stadtteils Bronx, Carrion, besuchte unlängst Deutschland, um für das touristische Angebot in seinem Stadtteil sowie für Investitionen zu werben. Er bot den deutschen Streitkräften ein klärendes Gespräch an. Offensichtlich hätten die Rekruten in dem Video überhaupt keine Ahnung über die tatsächliche Situation in der Bronx gehabt.

Der Gouverneur von New York, Eliot Spitzer, zeigte sich insbesondere entsetzt über die Obszönitäten, die den vermeintlich zu Erschießenden auf Anweisung des Ausbilders zugerufen wurden. Er sei jedoch sicher, dass dies beim Rekrutentraining der Bundeswehr nicht der Normalfall sei.

Der amerikanische Bürgerrechtler Al Sharpton forderte US-Präsident George W. Bush auf, den Vorfall gegenüber Deutschland eindeutig zu verurteilen. Es sei empörend, aber auch bezeichnend, dass Schwarze hier einfach zur Zielscheibe gemacht würden.

Das Video mit dem Titel "Bundeswehr Motherfucker" ist auf dem Videoportal myvideo.de zu finden und wurde zuerst von der Nachrichten-Website Stern.de entdeckt. Es zeigt einen Ausbilder und einen Schützen am Maschinengewehr im Gebüsch. Der Soldat ist erkennbar ein Anfänger, er fragt, wo er das Gewehr anfassen soll. Zuerst gibt der Ausbilder den Befehl, der Soldat solle sich auf einen Flugplatz versetzen. Zwei Terroristen versuchten, ein Flugzeug zu kapern, er solle zwei Feuerstöße abgeben. Der Soldat feuert, der Vorgesetzte ist zufrieden: "Gut, Funker. Die Terroristen sind tot".

Dann schickt der Ausbilder den Soldaten auf einen Trip in die Bronx. "Ein schwarzer Van hält vor Ihnen. Drei Afroamerikaner steigen aus und beleidigen Ihre Mutter aufs Gröbste". Vor jedem Schuss wolle er ein deutliches "Motherfucker" hören, ruft der Ausbilder. Die Idee amüsiert den Soldaten, er muss lachen. "Motherfucker", Feuer, "Motherfucker", Feuer - immer lauter brüllt der Schütze, angespornt von seinem Vorgesetzten.

bor/AP



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