Rassismus Zehnjähriges Mädchen angegriffen - Brandanschlag auf islamischen Gebetsraum

Ein dunkelhäutiges Mädchen ist von einem Unbekannten im Berliner Stadtteil Friedrichshain als "Negerin" beschimpft und attackiert worden. In Niedersachen legten vermutlich rechtsextremistische Täter in einem islamischen Gebetsraum Feuer.


Berlin - Das Kind war am späten Freitagnachmittag auf dem Nachhauseweg, als es von einem Unbekannten zu Boden gestoßen und rassistisch beleidigt wurde, wie die Berliner Polizei am Samstag mitteilte. Das dunkelhäutige Mädchen, das alleine unterwegs war, blieb offensichtlich unverletzt, erlitt aber einen Schock. Die Mutter alarmierte die Polizei, der Staatsschutz übernahm die weiteren Ermittlungen.

Ein Polizeibeamter sichert Spuren: Rechtsextremistischer Brandanschlag in Sittensen
DDP

Ein Polizeibeamter sichert Spuren: Rechtsextremistischer Brandanschlag in Sittensen

Am Samstagmorgen bemerkte der 73-jährige Eigentümer eines Hauses im niedersächsischen Sittensen drei eingeschlagene Fensterscheiben. In einem als muslimische Gebetsstätte genutzten Raum waren Brandflecken und zerbrochene Glasflaschen mit Brandbeschleuniger zu sehen. Vor allem Mobiliar wurde beschädigt. Der Sachschaden wird auf insgesamt rund 10.000 Euro geschätzt. Die Polizei sprach von einem glücklichen Zufall, dass nicht das komplette Gebäude in Brand geraten sei. In einem Nebenhaus hätten zur Tatzeit fünf Menschen geschlafen.

An den Scheiben des ehemaligen Lebensmittelmarktes fanden die Ermittler Klebezettel mit rechtsgerichteten und islamfeindlichen Parolen. Die Zettel mit den rechten Parolen stammen von einer Gruppe " Nationale Sozialisten". Solche Zettel wurden auch an Laternenmasten in Sittensen gefunden.

Als Verdächtigen für die Tat in der Nacht zum Samstag ermittelte die Polizei einen 18 Jahre alten Mann. Gegen ihn sei ein Strafverfahren wegen schwerer Brandstiftung eingeleitet worden, erklärte ein Polizeisprecher. Die Beamten sucht jetzt nach Zeugen, die weitere Hinweise zu dem Brandanschlag geben können.

Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft hat am Freitag zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. Anlass dafür war der Internationale Tag gegen die Rassendiskriminierung. Fast 50 Jahre nach dem Massaker von Sharpeville, bei dem am 21. März 1960 in Südafrika 69 Schwarze getötet wurden, seien diese Probleme noch stets aktuell, hieß es.

"Die EU verurteilt entschieden alle Formen der Intoleranz, des Rassismus und der Diskriminierung", betonte die Ratspräsidentschaft in einer am Freitag in Brüssel verbreiteten Erklärung. Gemäß dem Grundsatz, dass alle Menschen frei und gleichberechtigt zur Welt kommen, verbiete die Europäische Grundrechte-Charta ausdrücklich jede Benachteiligung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts, seiner Rasse, seiner Hautfarbe, seiner Herkunft, seiner Religion und Weltanschauung sowie seiner Meinung und sexuellen Orientierung.

cjp/hda/AFP/dpa



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