Nach Rassismusvorwurf Mehrheit hat kein Problem mit Röslers Herkunft

Mit der Äußerung über die vietnamesische Abstammung von FDP-Chef Rösler hatte sein Parteifreund Hahn eine Rassismusdebatte ausgelöst. Jetzt zeigt eine Umfrage: Die meisten Deutschen haben kein Problem mit Röslers Herkunft - einen Regierungschef mit ausländischen Wurzeln fänden weit weniger gut.

Jörg-Uwe Hahn, Philipp Rösler (2008): Mehrheit hat keine Ressentiments gegen Rösler
AP

Jörg-Uwe Hahn, Philipp Rösler (2008): Mehrheit hat keine Ressentiments gegen Rösler


Berlin - Die Sorge von Hessens FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn, dass FDP Parteichef Philipp Rösler wegen seiner asiatischen Wurzeln nicht akzeptiert werden könne, erweist sich als unbegründet. Eine große Mehrheit der Deutschen sieht kein Problem darin, dass Vizekanzler Rösler aus Vietnam stammt. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa werteten nur 11 Prozent der Befragten die Herkunft des Stellvertreters von Kanzlerin Angela Merkel als problematisch. 79 Prozent vertraten die gegenteilige Meinung.

Weitaus kritischer würden die Befragten es allerdings sehen, wenn der Kanzler oder die Kanzlerin ausländischer Herkunft wäre. Nur 11 Prozent fänden das gut, 29 Prozent fänden es dagegen schlecht, 46 Prozent wäre es egal.

Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn hatte in der vergangenen Woche versucht, eine Debatte über latenten Rassismus in der Gesellschaft anzustoßen und dabei Rösler ins Spiel gebracht. "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren", sagte er in einem Zeitungsinterview.

Auch wenn laut YouGov-Umfrage die Akzeptanz eines Vizekanzlers ausländischer Herkunft relativ groß ist: 22 Prozent glauben dennoch, dass die vietnamesische Herkunft des FDP-Chefs die Wahlchancen der Liberalen verringert. 59 glauben das nicht.

sun/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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flyboard 13.02.2013
1. Rösler ist ein Vorbild zum Lernen
Im asiatischen Raum ist das "Gesicht verlieren" gleichbedeutend mit dem Verlust des Ansehens, des Respekt, der Ehre. Dieses wollen aber Asiaten niemandem antun und werden immer versuchen, das Gesicht des Gegners zu wahren, egal ob untergeordnet oder übergeordnet. Genau dies tut Herr Rösler, wie man in den letzten Wochen und Monaten anhand der Angriffe - sogar aus den eigenen Reihen - gesehen hat, dafür zolle ich ihm ganz großen Respekt, und ich hoffe, er bleibt uns in der Politik, egal bei welcher Partei, noch lange erhalten!
NewLondon 13.02.2013
2. Äußerlichkeiten
Zitat von sysopAPMit der Äußerung über die vietnamesische Abstammung von FDP-Chef Rösler hatte sein Parteifreund Hahn eine Rassismusdebatte ausgelöst. Jetzt zeigt eine Umfrage: Die meisten Deutschen haben kein Problem mit Röslers Herkunft - einen Regierungschef mit ausländischen Wurzeln fänden weit weniger gut. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rassismusvorwurf-mehrheit-hat-kein-problem-mit-roeslers-herkunft-a-883022.html
Rassismus erlebe ich auf der ganzen Welt, und überall herrschen die gleichen Mechanismen: die Angst vor dem Unbekannten, die Projektion aller dunklen Befürchtungen auf das gesichtslose Fremdartige. Archaisch eben, in sehr alten Zeiten war der Fremde potenziell immer eine Gefahr, ein Rivale um Ressourcen und Nahrung... Wir sind nicht von ungefähr auch heute noch so stark territorial ausgerichtet. Fortschritt bedeutet, diesen Ängsten keine Macht über den Geist zu gewähren. Stete differenzierte Bewertung, ist schwerer als Pauschalisierungen, aber einfach kann jeder. Rösler kritisiere ich in vielerlei Hinsicht. Aber ihn wegen seines asiatischem Äußeren diffamieren? Wie widerlich ist das denn? Hat er sich seine Eltern ausgesucht? Nein. Er sieht so aus wie er nun mal ausschaut. So wie wir alle. Wenn wir nun wegen unserer äußeren Erscheinung angegriffen werden würden: wie fühlt sich das wohl an, sich eigentlich gar nicht wehren zu können, da man ja eben so aussieht wie man geboren wurde?! Es ist ein Gefühl voller Ohnmacht! Ein Rassist ist jemand, der (im übertragenen Sinne, na, meistens jedenfalls) auf eine wehrlose, gefesselte Person einschlägt. Ein echter sportsman halt. Willst du dich wirklich so sehen, Rassist? Denke nach. So oft es geht.
Whitejack 13.02.2013
3.
Genau genommen ist es - wahltaktisch gesehen - nicht so wichtig, wieviele Leute in Prozent nun ein Problem mit der Herkunft hätten. Die Frage ist: Würden diese Leute denn ansonsten wirklich die Liberalen wählen? Wer sowieso nur zwischen NPD, DVU und REPs schwankt, der ist doch eh kein Stimmenlieferant für die FDP. 11% sind da ein relativ undramatischer Wert.
hosenrunter 13.02.2013
4. logisch -
nicht die Herkunft sollte entscheidend sein, sondern die Qualifikation. Wer das nicht begriffen hat..
Agave 13.02.2013
5. es juckt mich überhaupt nicht...
wie ein Politiker aussieht, was zählt ist Leistung und politische Ansichten, mit denen man sich identifizieren kann ! Zudem sind Vietnamesen bekannt für Fleiß und Interesse für Bildung.
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