Razzia Drei Terrorverdächtige in Deutschland festgenommen

Drei Männer mit islamistischem Hintergrund sollen Bombenanschläge auf den Frankfurter Flughafen und die US-Militärbasis Ramstein geplant haben. Sie wurden gestern festgenommen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sind zwei der Festgenommenen deutsche Konvertiten.


Berlin - Die drei festgenommenen Männer stehen im Verdacht, Sprengstoffanschläge gegen den Frankfurter Flughafen, die US-Militärbasis Ramstein und andere Einrichtungen geplant zu haben. Die Vorbereitungen für die Attacken waren jedoch noch in der Anfangsphase.

Haftprüfungstermin in Karlsruhe: Ein Terrorverdächtiger wird vorgeführt
DPA

Haftprüfungstermin in Karlsruhe: Ein Terrorverdächtiger wird vorgeführt

Bei den Festgenommenen handelt es sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE um die beiden deutschen Konvertiten Daniel S. aus dem Saarland und Fritz G. aus Neu-Ulm in Bayern sowie Adem Y., der offenbar aus der Türkei kommt. Gegen die Personen wird seit mehreren Monaten intensiv ermittelt, da sie offenbar eine terroristische Vereinigung gegründet hatten.

Die Ermittler schlugen gestern Nachmittag spontan in Nordrhein-Westfalen zu, da die Männer Chemikalien, die nach einem recht langwierigen Konzentrationsprozess für den Bau von Bomben taugen, von einem Lager in ein anderes gebracht haben. Vermutlich, so die Einschätzung von Fahndern, wollten sie in den kommenden Tagen und Wochen mit den Chemikalien experimentieren und möglicherweise dann mit dem Bombenbau beginnen. Von einem zündfähigen Sprengkörper allerdings waren sie noch weit entfernt.

Auch die Auswahl der Ziele war noch nicht fixiert, vielmehr hatten sich die nun Festgenommenen mehrmals über mögliche Anschlagsorte unterhalten. Dabei wurde auch über den Frankfurter Flughafen, den US-Stützpunkt Ramstein und andere Orte wie beispielsweise eine Diskothek gesprochen. Alle drei Männer gelten als radikale Islamisten, die Kontakte zur einschlägigen Szene in Deutschland und im Ausland unterhalten.

Der Fall der Gruppe, die über mehrere Wege Verbindungen nach Pakistan unterhält, wurde von den deutschen Ermittlern von Anfang an sehr ernst genommen. Wenn sich in den letzten Monaten Sicherheitsexperten der Regierung und auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur gestiegenen Gefahr von Terror-Anschlägen äußerten, spielten sie auf die verdeckt laufenden Ermittlungen gegen die Männer an.

Auch die USA waren alarmiert und erhöhten wegen der Verdachtsmomente die Sicherheitsvorkehrungen an ihren Einrichtungen. Spätestens seit März 2007 schaltete sich der Generalbundesanwalt in das Verfahren ein. Seitdem arbeitet ein ganzes Team von Fahndern an dem Fall. Intensiv wurden die Schritte der Männer verfolgt, um jegliche Planung zu erkennen.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte am frühen Morgen zunächst nur die Festnahmen. "Es wurden drei Männer festgenommen, weitere Details werden auf einer Pressekonferenz mitgeteilt", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Demnach wollen der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, und die oberste deutsche Anklägerin, Generalbundesanwältin Monika Harms, zu dem Fall Stellung nehmen. Die Pressekoneferenz ist für 11 Uhr angesetzt. Auch Innenminister Schäuble kündigte eine Pressekonferenz an.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bestätigte als erstes Mitglied der Regierung die Vorgänge."Es gab eine unmittelbare Bedrohungslage", sagte Jung im ARD-"Morgenmagazin". Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern.

mgb/anr



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