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Razzia in Nordhessen: Polizei durchsucht Wohnungen von Rechtsradikalen

Schlag gegen die rechte Szene: Fahnder haben mehrere Wohnungen von Mitgliedern der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" durchsucht und belastendes Material beschlagnahmt. Zu der Gruppe gehören laut Polizei auch die Neonazis, die ein Zeltlager der Linkspartei überfallen hatten.

Kassel/Templin - Es war ein Großeinsatz: Im Kampf gegen Rechtsextremisten hat die Kriminalpolizei in Nordhessen am Donnerstag 13 Wohnungen von Mitgliedern der Gruppe "Freie Kräfte Schwalm-Eder" durchsucht. Mitgliedern der Gruppe wird laut Polizei vorgeworfen, am Sonntag ein Sommer-Camp der Partei Die Linke überfallen und dabei ein 13 Jahre altes Mädchen lebensgefährlich verletzt zu haben. Die Durchsuchungsaktion sei schon seit Wochen geplant gewesen und stehe nicht im direkten Zusammenhang mit dem Überfall, teilten Staatsanwaltschaft Marburg und Polizei mit.

Nach dem Überfall von vier Rechtsradikalen auf das Zeltlager prüft die Kasseler Staatsanwaltschaft den Vorwurf des Mordversuchs gegen den mutmaßlichen Haupttäter. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstag, beim Angriff auf das schlafende Mädchen mit einem Klappspaten seien niedere Beweggründen und Heimtücke als Mordmerkmale gegeben. In der Vernehmung hatte sich der Hauptverdächtige zu seiner rechtsradikalen Gesinnung bekannt.

Den "Freien Kräften Schwalm-Eder" sind nach Erkenntnissen der Staatsschützer rund 30 aktive Mitglieder und Sympathisanten im Alter zwischen 17 und 32 Jahren zuzurechnen. Sieben seien bei der Durchsuchung festgenommen und anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft stellten die Ermittler zahlreiche Beweismittel sicher.

Nach dem Mord an einem 55 Jahre alten Mann im brandenburgischen Templin verweigern die beiden Verdächtigen aus der rechten Szene die Aussage. Das Tatmotiv sei weiterhin unklar, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Das Opfer und die beiden Verdächtigen im Alter von 18 und 21 Jahren seien kurz vor der Tat zusammen gesehen worden. Daher konnten die jungen Männer bereits wenige Stunden später festgenommen werden. Alle drei waren alkoholisiert. Die Leiche wurde am Dienstagmorgen mit schweren Kopfverletzungen in einer früheren Werkstatt gefunden. Der Mann sei aber nicht Teil der rechten Szene gewesen, hieß es.

ffr/dpa

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