Reaktion auf Anschlag Uno zieht Hunderte Mitarbeiter aus Afghanistan ab

Die Vereinten Nationen ziehen Konsequenzen aus dem tödlichen Anschlag auf ein Uno-Gästehaus in Kabul. Mindestens 600 Mitarbeiter sollen in sicherere Regionen des Landes gebracht oder aus Afghanistan abgezogen werden - mehr als die Hälfte des internationalen Personals.


Kabul - Der tödliche Anschlag auf ein Uno-Gästehaus in Kabul hat Folgen: 600 internationale Mitarbeiter der Vereinten Nationen müssen die Region verlassen. Sie werden nach Angaben der Uno vorübergehend an sicherere Orte innerhalb Afghanistans gebracht, die meisten aber müssen das Land ganz verlassen. Grund für die Maßnahme ist demnach die angespannte Sicherheitslage.

Insgesamt sind rund 1100 Menschen aus dem Ausland an der Uno-Mission am Hindukusch beteiligt. Die meisten davon leben in der Hauptstadt Kabul, verteilt auf mehr als 90 Gästehäuser. Mittelfristig will die Uno die Unterkünfte zusammenführen, um den Schutz der Mitarbeiter sicherstellen zu können. Die überwiegende Mehrheit der Uno-Mitarbeiter im Land, 80 Prozent, sind allerdings Afghanen, die von der Maßnahme nicht betroffen sind.

Uno-Sprecher Aleem Siddique sagte, die Auslagerung solle vier bis fünf Wochen andauern und sei nicht als Rückzug aus Afghanistan gedacht. "Wir sind seit einem halben Jahrhundert hier, und wir haben nicht vor, demnächst unsere Zelte abzubrechen", sagte Siddique.

Derzeit prüfen die Verantwortlichen nach Angaben eines Informanten, der namentlich nicht genannt werden wollte, wie viele Mitarbeiter zur Aufrechterhaltung laufender Programme noch notwendig sind. Es sei sogar im Gespräch, bis zu 900 Personen abzuziehen.

Am 28. Oktober waren bei einem Anschlag auf die Uno-Mission in Kabul fünf Mitarbeiter getötet worden. Zu dem Attentat hatten sich die radikal-islamischen Taliban bekannt. Es war der folgenschwerste Angriff auf eine Uno-Einrichtung in dem rund 50-jährigen Engagement der Weltorganisation in Afghanistan.

Zuvor hatte die Uno schon große Teile ihres Einsatzbereiches im umkämpften Nordwesten Pakistans aufgegeben und sich von dort zurückgezogen. Grund war auch hier die Sicherheitslage. 2003 hatte sich die Uno aus ähnlichen Gründen aus dem Irak zurückgezogen. Die Abwesenheit der Vereinten Nationen in der Krisenregion dauerte mehrere Jahre.

ffr/Reuters/AP/AFP



Forum - Bringt Hamid Karzai jetzt Stabilität für Afghanistan?
insgesamt 94 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Geziefer 02.11.2009
1. Der Bürgermeister von Kabul
So, nun ist er also inthronisiert, der Bürgermeister von Kabul. Denn mehr ist er nicht und mehr Macht hat er nicht. Lasst ihn seinen Job machen. Und lasst in vielen, vielen kleinen Dörfern und Städten Bürgermeister wählen, Patriarchen, die was tun wollen für ihr Dorf. Das Land von unten aufbauen, das wäre doch was. Wie schrieb schon im Februar dieses Jahres unter der Überschrift "Vergesst den Sieg!" Andrea Böhm in der Zeit unter anderem: "Dass hier unter westlicher Anleitung ein demokratischer Zentralstaat geschaffen werden kann, glaubt keiner mehr, am allerwenigsten erwarten es die Afghanen selbst. Der Anspruch war von Anfang an vermessen und in Anbetracht des unzureichenden und chaotischen zivilen Aufbaus auch verlogen. Afghanistan ist ein fragmentiertes Land. Jedes Dorf ist sich sein eigener Staat. Es ist kein Zufall, dass das wohl erfolgreichste Aufbauprogramm in den Händen von 20000 gewählten Lokalräten liegt, die mit Kleinkrediten den Wiederaufbau ihrer Gemeinden betreiben. Hier ein Bewässerungskanal, dort eine Krankenstation oder eine Stromleitung. Kleine, in unseren Augen lächerlich kleine und politisch interessante Fortschritte. So lächerlich, dass erst jetzt, nach sieben Jahren Intervention, der Gedanke politisch salonfähig wird: Womöglich ist das der einzig denkbare Anfang für einen »Staatsaufbau«. Dorf für Dorf, Gemeinde für Gemeinde, zumindest dort, wo es die Sicherheitslage erlaubt. Die Entwicklungshelfer, die in Afghanistan übrigens mindestens so gefährlich leben wie die Bundeswehrsoldaten, wissen das schon lange."
sysiphus, 02.11.2009
2. lol
Zitat von sysopDie afghanische Wahlkommission hat die für kommenden Samstag geplante Präsidentenstichwahl abgesagt. Hamid Karzai hatte zuvor angekündigt, allein antreten zu wollen - nachdem sein Konkurrent Abdullah Abdullah seinen Verzicht erklärt hatte. Bringt Karzai Stabilität für Afghanistan?
Diese Frage kann ja wohl nur ein Scherz sein. Der "Bürgermeister von Kabul" wird vermutlich so enden wie sein früherer Amtsvorgänger Najibullah.
Gandhi, 02.11.2009
3. Wie denn?
Zitat von sysopDie afghanische Wahlkommission hat die für kommenden Samstag geplante Präsidentenstichwahl abgesagt. Hamid Karzai hatte zuvor angekündigt, allein antreten zu wollen - nachdem sein Konkurrent Abdullah Abdullah seinen Verzicht erklärt hatte. Bringt Karzai Stabilität für Afghanistan?
With more of the same?
spieglfechter 02.11.2009
4.
Zitat von sysopDie afghanische Wahlkommission hat die für kommenden Samstag geplante Präsidentenstichwahl abgesagt. Hamid Karzai hatte zuvor angekündigt, allein antreten zu wollen - nachdem sein Konkurrent Abdullah Abdullah seinen Verzicht erklärt hatte. Bringt Karzai Stabilität für Afghanistan?
Klar doch - Karzai bringt mindestens so viel Stabilität für Afghanistan wie Ngo Dinh Diem (http://original.antiwar.com/justin/2009/10/29/karzai-as-diem/) für Vietnam brachte ...
Viva24 02.11.2009
5. Warum ist die Bundeswehr in Afghanistan? Für Karzai??
Sicherlich nicht um die Demokratie in Afghanistan zu verteidigen, oder ?. Hier regieren Banditen und Drogenhändler!. Wir sollten unsere Armee sofort abziehen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.