Reaktionen auf #Aufschrei-Brief: "Jetzt hacken sie auch noch auf #Gauck herum"

Bundespräsident Gauck: Heftige Debatte über seine "Tugendfuror"-Äußerung Zur Großansicht
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Bundespräsident Gauck: Heftige Debatte über seine "Tugendfuror"-Äußerung

Der offene Brief der #Aufschrei-Frauen an den Bundespräsidenten hat die Sexismusdebatte neu entfacht. Hunderte unterzeichneten das Schreiben, das Gauck mangelndes Feingefühl vorwirft. Doch viele Twitter-User finden die Kritik überzogen.

Hamburg - Die #Aufschrei-Debatte über Alltagssexismus ist durch einen offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck wieder aufgeflammt. Binnen weniger Stunden unterzeichneten Hunderte das Schreiben, in dem Frauen dem Bundespräsident vorwerfen, ihm fehle "Feingefühl und Respekt gegenüber all den Frauen, die sexistische Erfahrungen gemacht haben".

Auch Politiker von SPD, Grünen und Piratenpartei unterzeichneten den Appell, wie etwa Elke Ferner, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Ferner äußerte sich auf Twitter: "Schade - vom Bundespräsidenten hätte ich mehr Taktgefühl erwartet #Aufschrei." Der Berliner Piraten-Abgeordnete Simon Kowalewski schreibt: "Der Gauck macht nicht die Wut der Frauen lächerlich, das kann er nämlich nicht, sondern sich selbst... #notmypresident."

Sieben junge Frauen hatten am Mittwochvormittag den Brief im Internet veröffentlicht, den sie am Montag persönlich im Schloss Bellevue abgegeben hatten. Verfasst ist der Appell unter anderem von den Initiatorinnen der #Aufschrei-Debatte über Alltagssexismus. Darin zeigten sie sich "erschüttert" über Gaucks Äußerungen zur Sexismusdiskussion.

Dieser hatte im aktuellen SPIEGEL über die Sexismusvorwürfe gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle gesagt: "Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde." Mit Sicherheit gebe es in der Frauenfrage noch einiges zu tun. "Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen", sagte Gauck.

"Er hat nur gesagt, was alle denken"

Aus der Debatte ist auch ein parteipolitischer Streit geworden. Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth nahm Gauck in Schutz: Man müsse aufpassen, dass "wir unter den rot-grünen Zeigefingerwedlern nicht in puritanische Spießigkeit zurückfallen", sagte er.

Viele Twitter-Nutzer springen aber auch Gauck zur Seite - und empören sich über den Brief und die Berichterstattung darüber. Stefan Antonelli schreibt: "Jetzt hacken sie auch noch auf #Gauck herum. Langsam wird es lächerlich. Ach ne, ist es ja schon lange... #Aufschrei."

Auf die Autorinnen prasselt zum Teil ätzende Kritik ein. Der Journalistenschüler Dorian Gorr schreibt: "Albern, wie aus purer Mediengeilheit versucht wird, Gauck wegen eines Wortes einen Strick zu drehen. #aufschrei".

Hinter dem Brief stecken sieben Frauen, darunter die Initiatorinnen der #Aufschrei-Debatte, Nicole von Horst, 25, und Anne Wizorek, 31. Wizorek wurde das Gesicht der Debatte, die ein Bericht über FDP-Mann Brüderle im Januar ins Rollen brachte. Die konkrete Idee hatte 23-jährige Studentin Jasna Lisha Strick, die sich vor allem über Gaucks Begriff "Tugendfuror" echauffiert. "Wir sind keine Furien, wir haben Argumente", sagte sie SPIEGEL ONLINE über die Gründe für das Schreiben.

Unterstützung für den Bundespräsidenten äußerten auch viele Nutzer. Axel Beck schreibt etwa: "Glückwunsch, Herr Gauck. Mit der Bezeichnung 'Tugendfuror' für #Aufschrei haben Sie direkt ins Schwarze getroffen." Und Konrad Körner von der Jungen Union twitterte: "Offener Brief gegen Gauck, really? Er hat nur gesagt, was alle denken: Es gibt Probleme, aber man darf nicht alles überdramatisieren. #Aufschrei."

Von Gaucks Sprecherin hieß es: Dem Staatsoberhaupt sei selbstverständlich bewusst, dass Sexismus ein Problem in der Gesellschaft darstelle. Gaucks Aussagen im SPIEGEL-Interview bezögen sich lediglich auf einen bestimmten Teil der medialen Debatte.

fab

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insgesamt 286 Beiträge
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1. Stadt-Emanzen
Morrison 06.03.2013
Diese Frauen scheinen überwiegend ihr Leben vor dem Computer zu verbringen, bei Facebook und Twitter. Da melden sie dann jeden Pubs den sie gerade machen als Sensation. Und ansonsten werden als Alibi irgendwelche Laberfächer auf Arbeitslosigkeit "studiert". Damit kann man dann später herrlich für eine Frauenquote schreien und sich über angebliche Benachteiligungen beschweren. Das qualifiziert dann wiederum für so Spitzenjobs wie Gleichstellungsbeauftrage oder Gendermainstreamcheffin Einfach nur lachhaft. Ich wäre schon längst an FRAU verzweifelt, wenn ich in den vielen täglichen Kontakten mit Frauen bisher auch nur eine gefunden hätte, die diesen Schwachsinn auch so sieht. Allerdings sind diese Frauen vom Land und anscheinend etwas taffer und geerdeter als diese Stadtpommeranzen, verzeihung Stadtemanzen Das muss sich hier um eine kleine Schrei-Truppe handeln, die immer noch im Kindheits-Ich agiert. Wer am lautesten Schreit (und das können Frauen bekanntermaßen sehr gut) hat recht! Hey das Wetter ist so schön, geht doch raus ins Cafe einen Capuccino trinken und vielleicht sogar ein bißchen flirten statt vor dem Bildschirm zu sitzen. Das macht den Kopf frei und bringt einen wieder in die Realität zurück. ansonsten hilft nur der Besuch beim Arzt
2. Divergierender Kontext
Baribal 06.03.2013
Die Leute, die sich echauffieren, wußten halt schon von #aufschrei, als es noch um die richtig harten Fälle von sexistischen Entgleisungen ging, die unter diesem hashtag gepostet wurden. In dem Kontext sind Gaucks Worte tatsächlich herablassend und peinlich. Allerdings weiß Gauck im Zusammenhang mit #aufschrei wohl nur von Brüderles angeschwipsten Gebaggere. und in *dem* Kontext wäre Kritik an seinen Äußerungen tatsächlich dünnhäutig und übertrieben.
3. Furor...
g.papstein 06.03.2013
Bedeutet Wutausbruch, Toben aber auch Raserei,
4. Kaum noch erträglich
awbferdi 06.03.2013
Diese ganze (unnötige) Diskussion ist kaum noch erträglich. Alle Diskutanten und Diskutantinnen sollten sich per Aufschrei lieber um den Armutsbericht der Bundesregierung kümmern. Da stecken echte bundesdeutsche Probleme drin, nicht in der Wortwahl "Furor". Die "aufschreienden" Frauen werden hiermit an die schwarz-gelbe Regierung und speziell an deren Frauen-Ministerin verwiesen. Da gibt es eine Menge zu kritisieren und zu motzen und Fehlentwicklungen zu beklagen. Weniger beim Bundespräsidenten Gauck. Wohlan, ans Werk und Glück auf. Grüetzi. F.
5. Respekt
mpitt 06.03.2013
Zitat von sysopDer offene Brief der #Aufschrei-Frauen an den Bundespräsidenten hat die Sexismusdebatte neu angefacht. Hunderte unterzeichneten das Schreiben, das Gauck mangelndes Feingefühl vorwirft. Doch viele Twitter-User finden die Kritik überzogen. Reaktionen auf #Aufschrei-Brief an Gauck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/reaktionen-auf-aufschrei-brief-an-gauck-a-887291.html)
Wenn Gauck als Bundespräsident den Mut hatte, die Sexismusdebatte zu thematisieren, so ist ihm dafür Respekt zu zollen. Wie viele Personen haben denn auf Twitter den so genannten Aufschrei formuliert beziehungsweise geteilt? Es sind laut Text auf Spiegel-Online Hunderte. Wenn das ausreicht um eine Debatte zu entfachen, dann stimmt etwas mit unserer Wahrnehmung nicht. Dann müßte sich Gauck dringend noch zu ganz anderen Dingen äußern.
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