Reaktionen auf Bush-Besuch "Es war eine gute Show"

Der Besuch von US-Präsident Bush ist bei Politikern auf geteiltes Echo gestoßen. Unions-Außenpolitiker Schäuble sieht eine deutliche Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Grünen-Politiker Ströbele war es "körperlich unangenehm", wie Bush umarmt wurde, und der Ex-US-Botschafter Kornblum sprach von einer "guten Show".


Berlin - Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse": "Es ist schon ein Fortschritt, dass die Regierungen wieder in einem freundlichen Klima zusammenarbeiten." Er forderte, dass Europa und die USA beim Thema Iran vertrauensvoll zusammenarbeiten müssten. Es gehe darum, "Iran durch möglichst große Geschlossenheit dazu zu bringen, dauerhaft auf Nuklearwaffen zu verzichten".

Für den früheren Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) signalisiert der Bush-Besuch vor allem eine Stabilisierung der Beziehungen zwischen Europa und den USA. "Ich glaube schon, dass Amerika spürt, dass die Probleme des 21. Jahrhunderts nicht allein durch Amerika gelöst werden können", sagte er dem WDR. "Ich denke, der Besuch ist gut gelungen."

Deutlich verärgert zeigte sich dagegen Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele. "Herr Präsident Bush ist mir nicht willkommen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es sei ihm "körperlich unangenehm, wenn ich gesehen habe, wie dieser US-Präsident umarmt wurde". Ströbele zeigte großes Verständnis für die Anti-Bush-Proteste und hätte auch gern selbst teilgenommen. Bush habe einen "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak zu verantworten, dem Zehntausende Menschen zum Opfer gefallen sind". Ströbele: "Die hat Bush auf dem Gewissen."

Der frühere Botschafter der USA in Berlin, John Kornblum, sprach im Nachrichtensender n-tv vom Zeichen eines neuen Realismus. "Es war eine gute Show. Teilweise etwas zu viel. Aber ich freue mich, dass Bush jetzt den Namen Gerhard richtig aussprechen kann." Präsident Bush habe "ziemlich viel Kreide gegessen. Er hat sich für die schlechten Manieren seiner Administration in den letzten drei Jahren fast förmlich entschuldigt. Das ist eine Rückkehr zur Geschäftsbasis von 2000".

Bei ihrem Treffen in Mainz hatten Bush und Schröder zweieinhalb Jahre nach dem Irak-Zerwürfnis ihren Willen zu vertrauensvoller Zusammenarbeit demonstriert. Bei ihrem Gipfel vereinbarten Deutschland und die USA eine engere Abstimmung in der Iran-Politik, im Irak und beim Klimaschutz.



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