Reaktionen Aufatmen nach Schills Entlassung

Die Entlassung des Hamburger Innensenators Ronald Schill ist in weiten Teilen der Hansestadt mit Erleichterung aufgenommen worden. Auch bundespolitisch wurde der Rauswurf von "Richter Gnadenlos" begrüßt.


Hamburg - DGB-Landeschef Erhard Pumm sagte: "Der DGB Hamburg begrüßt ausdrücklich, dass Ole von Beust Innensenator Schill sowie dessen Staatsrat Wellinghausen entlassen hat." "Für die Polizei in Hamburg geht ein Alptraum zu Ende", meinte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg.

Der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke erklärte: "Bürgermeister Ole von Beust hat richtig gehandelt. Ich bin empört über das erpresserische Vorgehen von Herrn Schill. Fragen des Privatlebens, das sich im diskreten Bereich abspielt, dürfen nicht politisch instrumentalisiert werden. Es ist schäbig und verletzt den Hamburger Anstand, den Bürgermeister in dieser Weise bloßstellen zu wollen."

SPD-Landeschef Olaf Scholz meinte: "Hamburgs Ansehen ist durch die jüngsten Affären in den letzten Wochen bereits großer Schaden zugefügt worden." Er sprach von einem Amoklauf von Schill. Die Grünen-Fraktionschefin Christa Goetsch sagte: "Der Rausschmiss war nötig." Schill sei skrupellos und kenne keinen politischen Anstand. Sie forderte Neuwahlen, wie auch die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Krista Sager.

Auch Vertreter der FDP zeigten sich erleichtert: "Wir haben absolut kein Verständnis für das Verhalten von Herrn Schill. Das Vorgehen von Bürgermeister von Beust halten wird für richtig." Allerdings sprach sich die FDP für eine Fortsetzung der Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP aus.

Der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle hat von Beust Rückendeckung der Liberalen in Bund und Land zugesichert. In einer Erklärung sprach Westerwelle von einem "mafiosen Erpressungsversuch". Er zeige, dass Schill "weder politisch noch charakterlich in der Lage ist, ein Regierungsamt auszuüben".

Von Beust hat auch die Rückendeckung von CDU-Parteichefin Angela Merkel. Aus ihrem Umfeld hieß es, von Beust habe Merkel am Vormittag von seinem geplanten Schritt unterrichtet. Merkel habe ihm dabei ihre Unterstützung für seine Position versichert.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hat die Entlassung Schills als "mutigen Schritt" bezeichnet. Von Beust verdiene dafür Respekt. Schill bleibe dennoch "das Verdienst, in Hamburg wieder Recht und Ordnung zum Durchbruch verholfen zu haben".



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