Reaktionen "Eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger"

Die Reaktionen auf die Erklärung Guttenbergs zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation fallen unterschiedlich aus. Während die CSU findet, dass der Verteidigungsminister alles Notwendige gesagt hat, fordert die Opposition weitere Konsequenzen - bis hin zum Rücktritt.


Berlin - Die Erklärung wirkte etwas überstürzt. Am Vormittag trat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor handverlesene Journalisten und erklärte, seinen Doktortitel kurzfristig ruhen zu lassen. Nach den Schummelvorwürfen bei seiner Arbeit spricht er zwar von Fehlern und will sich vorerst nicht Doktor nennen. Eine bewusste Täuschung wies er aber zurück.

Die CSU stellt sich anschließend demonstrativ hinter den Verteidigungsminister. Parteichef Horst Seehofer sicherte ihm "volle Solidarität und Unterstützung" zu. Guttenberg habe mit seiner Erklärung eine "sehr respektable Haltung" gezeigt. "Es muss jetzt Schluss sein mit den öffentlichen Anwürfen gegen den Bundesverteidigungsminister", erklärte Seehofer. "Wer jetzt noch weiter Vorverurteilung betreibt, dem geht es nicht um eine Sache, sondern schlicht um eine Kampagne." Ähnlich äußerte sich Generalsekretär Alexander Dobrindt. Jeder solle jetzt die Bereitschaft Guttenbergs anerkennen, den Sachverhalt gemeinsam mit der Universität Bayreuth zu erörtern, sagte er.

Den Grünen reicht dagegen das Statement des Ministers vom Freitag nicht. Sie fordern eine Erklärung Guttenbergs zu den Plagiatsvorwürfen im Bundestag. Für den Fall, dass der Minister diese in der kommenden Woche nicht zufriedenstellend liefert, schloss Fraktionschef Jürgen Trittin eine Rücktrittsforderung seiner Partei nicht aus. "Der heutige Auftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg ist eine Brüskierung der Öffentlichkeit und das in einer Form, die wirklich jedes Gefühl für Stil und für Anstand vermissen lässt", sagte Trittin am Freitag in Berlin. Statt sein Fehlverhalten beim Zustandekommen der Promotionsschrift zu erklären, flüchte sich Guttenberg in eine "halbgare Entschuldigung".

Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, zu wissen, was ein Ehrenwort des Oberkommandierenden der Bundeswehr wert sei. Der Vorgang werde in der Fragestunde und eventuell in einer aktuellen Stunde im Parlament erörtert.

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte SPIEGEL ONLINE: "Politisch macht Guttenberg einen schweren Fehler, sich vor handverlesenen Medienvertretern mit Verweis auf seine besonderen persönlichen Umstände herauszureden." Die Vorwürfe seien "schwerwiegend", so Özdemir. "Deshalb ist die Entscheidung richtig, den Titel bis auf weiteres abzugeben." Guttenberg könne keine Sonderbehandlung bei der Beurteilung seiner Doktorarbeit in Anspruch nehmen. "Die strengen Standards bei wissenschaftlichen Arbeiten gelten für alle und ohne Einschränkungen auch für Herrn zu Guttenberg", sagte der Grünen-Chef.

Die SPD fordert weitergehende Konsequenzen. Guttenberg sollte sich ein Beispiel an der Rücktrittsankündigung seines Showmaster-Kollegen Thomas Gottschalk nehmen", sagte Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy Handelsblatt Online. "Der Versuch des Wandelns über Wasser hat das letzte Mal vor 2000 Jahren funktioniert. Dass der Verteidigungsminister eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger ist, überrascht daher eigentlich nicht wirklich."

Die Linke meint, der Minister stelle sehr hohe moralische Anforderungen an andere Personen - und müsse nun akzeptieren, dass sie auch für ihn gälten. "Guttenberg hätte sagen müssen, wie es dazu gekommen ist und weshalb er diesen Fehler begangen hat", sagte Linke-Fraktionschef Gregor Gysi. Er setze sich aber "lieber politisch auseinander, nicht wegen solcher Sachen". Guttenbergs Rücktritt forderte er nicht.

Angela Merkel hält weiter zu ihrem Verteidigungsminister. "Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen zu dem Minister und seiner Arbeit", hieß es in Regierungskreisen nach der Erklärung Guttenbergs. "Seine heutige Erklärung zeigt, dass er auch mit Fragen zu seiner Dissertation verantwortungsbewusst umgeht." Merkel hatte am Donnerstagabend mit Guttenberg über die Vorwürfe und das weitere Vorgehen gesprochen.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller sieht keinen Grund für einen Rücktritt Guttenbergs. Wenn der Minister für die Phase der Klärung der Plagiatsvorwürfe seinen Doktortitel ruhen lasse, sei das "möglicherweise ein richtiges Signal", sagte Müller am Freitag in Saarbrücken. Ein Grund für einen Rücktritt seien die Vorwürfe aber "mit Sicherheit nicht". Die Frage, ob einzelne Zitate in einer Dissertation richtig gekennzeichnet worden seien oder nicht, müsse man trennen von der Frage, wie jemand ein politisches Amt und eine politische Verantwortung wahrnehme, betonte Müller. Entscheidend sei, dass Guttenberg sich "in geradezu hervorragender Weise in schwierigen politischen Feldern" bewege. So habe er eine Bundeswehrstrukturreform auf den Weg gebracht, die eine "großartige politische Leistung" darstelle, unterstrich Müller.

ler/dapd/dpa

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Seite 1
ewsz 16.02.2011
1. Nein, sicher nicht ...
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Davon ist nicht auszugehen. Er ist nach wie vor telegen, hat eine schicke Frau, ist adelig und kann drei Sätze frei sprechen, ohne allzu verbindlich zu werden. Alles in Butter ...
mickimücke 16.02.2011
2. ch glaube eher nicht.
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Werden Sie ihm schaden? Ich glaube eher nicht. Ausgerechnet der Mann, der in seiner Doktorarbeit abschreibt nennt einen Mann wie Wilders einen Scharlatan! Aber welchen Wert haben schon die Worte des "von und zu`s" noch ? Keinen
vatsug 16.02.2011
3. Praktikum
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Nein, der Dr. zu Guttenberg wird mit seinem Freund Kerner ein Praktikum auf der Gorch Fock absolvieren und anschliessend zum Admiral befördert. Dann werden ihn Bild, Bunte, Focus zum nächsten Kanzler aufbauen , das deutsche Volk wird jubeln und ihn wählen und das wars.
lalito 16.02.2011
4. Aller guten Dinge sind drei!
Na, wenn er jetzt den dritten, innerhalb eines Tages, zum Thema veröffentlichten Strang auch noch liest, oder lesen lässt, dann könnt er schon einen dauerhaften Schaden davontragen ;-))
Florian Geyer, 16.02.2011
5. Da wird jemand gezielt "angepinkelt"
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Nein, höchstens kurzfristig. Schon die Kunduzaffäre hat ihm zurecht nicht geschadet, er war noch nicht im Amt. Die Gorch Fock Affäre, den Unglücksfall in AFG und die Öffnung von Privatpost der Soldaten wird er auch überstehen. Ein Rückblick in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass Minister schon ganz andere Affären, ausgesessen haben. Zudem wird der Bogen überspannt und das merkt natürlich auch der Wähler. Ich bin überzeugt, bei Umfragen gibt es noch nicht einmal Kratzer. Warum? Ganz einfach, die Mehrheit der Bundesbürger hat das Gefühl, dass hier bewußt mit allen Mitteln zu Guttenberg "angepinkelt" werden soll! Das mögen die Leute nicht!
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