SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. September 2006, 18:59 Uhr

Reaktionen

Merkel spricht Angehörigen Beileid aus

Kanzlerin Angela Merkel ist inzwischen aus Berlin zum Ort des Transrapid-Unglücks geflogen. Mit "Bestürzung und Trauer" hat Bundespräsident Horst Köhler auf den Unfall reagiert. Verkehrsminister Tiefensee brach einen China-Besuch ab

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Abend am Ort des schweren Transrapid-Unglücks eingetroffen. Sie wollte sich im emsländischen Lathen ein eigenes Bild von dem Ausmaß der Katastrophe machen. Merkel hatte deswegen das internationale Bertelsmann-Forum in Berlin unmittelbar nach ihrer Rede verlassen und alle ursprünglich geplanten weiteren Termine für den Rest des Tages abgesagt.

Den Angehörigen der Opfer sprach sie im Namen der Bundesregierung tiefes Beileid und Mitgefühl aus. "Ich bin aus traurigem Anlass hier", sagte sie sichtlich erschüttert in Lathen. "Ich habe mir ein Bild nach dem Unglück machen können."

Die Transrapid-Technologie stellte sie trotz des Unglücks der Magnetschwebebahn nicht grundsätzlich in Frage. Nach jetzigem Kenntnisstand sei es eine sichere Technologie, sagte sie am Abend am Unfallort. "Heut Abend steht erstmal die Trauer im Vordergrund", betonte sie jedoch. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac bekundete Merkel sein Beileid.

"Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und bei denen, die jetzt an der Unfallstelle im Rettungs- und Bergungseinsatz sind", sagte Bundespräsident Köhler in einer Stellungnahme. Das Staatsoberhaupt reagierte mit "Bestürzung und Trauer" auf das Unglück.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee brach wegen des Unfalls seine China-Reise vorzeitig ab. Der SPD-Politiker erfuhr nach Informationen der "Saarbrücker Zeitung" am Mittag in Peking während eines Gesprächs mit dem chinesischen Eisenbahnminister vom Unfall auf der Transrapid-Teststrecke im Emsland. Tiefensee wollte ursprünglich fünf Tage in China bleiben.

Es handele sich um eine "furchtbare Katastrophe", die sich im Emsland zugetragen habe, sagte Tiefensee auf einer Pressekonferenz in Peking. Die Ursache des Unglücks müsse "tiefgründig" untersucht werden.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) sagten ihre Termine ab, um sich selbst an der Unglücksstelle über das Ausmaß der Katastrophe zu informieren. Die Landesregierung sei "sehr bestürzt" über das Unglück, erklärten Wulff und Hirche. Sie kündigten eine "umfassende Aufklärung" der Ursache an.

Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) forderte eine rasche, vollständige Aufklärung des Unglücks. Selbstverständlich müssten "aus den Unfallursachen Schlussfolgerungen für die weitere Entwicklung gezogen werden", sagte Huber in München. In der bayerischen Hauptstadt soll ab 2008 eine Schwebebahn-Strecke vom Hauptbahnhof zum Flughafen gebaut werden.

Auch die FDP-Bundestagsfraktion fordert eine rasche Aufklärung. "Vorschnelle Urteile über die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Technik sind jetzt nicht sinnvoll", sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Friedrich. Der Transrapid gehöre zu den innovativsten und technologisch anspruchsvollsten Leistungen Deutschlands. Er habe sich in Jahre langen Erprobungen und im Einsatz in China als außerordentlich sicher erwiesen. Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Renate Künast und Fritz Kuhn, zeigten sich "bestürzt über das tragische Unglück".

als/ddp/dpa

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung