Trotz Ankündigung in der Türkei Anzeige gegen Böhmermann bleibt bestehen

In der Türkei will Präsident Erdogan rund 1800 Klagen wegen Beleidigung fallen lassen. Nicht so in Deutschland: An Verfahren wie im Fall Böhmermann soll sich laut seinem Anwalt nichts ändern.

Türkischer Staatspräsident Erdogan
AP

Türkischer Staatspräsident Erdogan


Die Strafanzeigen wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten sind in Deutschland noch nicht ad acta gelegt. Das sagte Medienanwalt Ralf Höcker, der Recep Tayyip Erdogan hierzulande unter anderem im Fall Böhmermann juristisch vertritt.

Der türkische Präsident hatte am Freitagabend mitgeteilt, alle seine Anzeigen wegen Beleidigung zurückzuziehen. "Die Ankündigung bezieht sich nur auf die Türkei. In Deutschland ändert sich vorerst nichts", sagte Höcker. Der Anwalt hat Präsident Erdogan bereits bei rechtlichen Auseinandersetzungen wegen Beleidigung vertreten. Erdogan hat unter anderem Anzeige gegen den TV-Satiriker Jan Böhmermann erstattet.

Böhmermanns Anwalt war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein ZDF-Sprecher sagte am Samstagvormittag, dem Sender lägen noch keine Informationen darüber vor, welche Konsequenzen Erdogans Ankündigung für die Anzeigen in Deutschland habe.

Der Satiriker hatte Ende März in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" ein Gedicht mit dem Titel "Schmähkritik" vorgetragen. Es handelt unter anderem von Sex mit Tieren und Kinderpornografie und transportiert Klischees über Türken. Erdogan will das Gedicht ganz verbieten lassen.

Lesen Sie außerdem einen Kommentar über die schlappe Erdogan-Satire in der aktuellen "Titanic":

brk/dpa

insgesamt 42 Beiträge
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mauselkrausel 30.07.2016
1. ist doch schön
wenn man bedenkt was Herrn Böhmermann gesagt hat ist es meiner Meinung nach nicht verkehrt. Einen als Priklopil oder Frizel zu bezeichnen ist nicht angebracht. Frizel hat seine eigene Tochter im Keller eingesperrt und 24 Jahre lang vergewaltigt und so möchte niemand genannt werden. Dafür hätte ich tausend anzeigen gemacht.
matijas 30.07.2016
2. inzwischen entbehrlich
Innerhalb der Türkei kann Erdogan jetzt ohnehin willkürlich jeden verfolgen, bis hin zur Enteignung, da braucht er keine Beleidigungsklagen mehr, um Kritiker zu kriminalisieren und deren Existenz zu zerstören.
mcbarby 30.07.2016
3.
Wenn interessieren schon die Anzeigen eines verwirrten Despoten? Außer den Anhängern der Pro-Faschistischen Erdowahn-Partei nimmt den Spinner doch niemand mehr ernst. Einfach den Typen ganz gelassen ignorieren. Das tut Menschen mit Zwergen-Syndrom am meisten weh.
Hofa05 30.07.2016
4.
Hier gehts aber nicht um irgendwen sonder um diesen Bospurus-Diktator. Klar hat Böhmermann ein bisschen über die Stränge geschlagen aber in Anbetracht der Tatsache um wen es geht, ist das absolut im Rahmen
romilopez 30.07.2016
5. Ich habe keinerlei Sympathien für Erdogan als Politiker
und er wäre besser beraten gewesen, wenn er Böhmermann einfach ignoriert hätte, aber ich kann auch die Empörung über die Anzeige nicht verstehen. Politische Kritik und Satire kann ich nicht erkennen, wenn ihm "Fellaltio" mit hundert Schafen unterstellt wird oder von seinem stinkenden Geläut oder seinen Schrumpelklöten gesprochen wird. Da jetzt durch seine Anzeige die ganze Welt von dem Gedicht Kenntnis hat, kann er die Anzeige auch stehen lassen, denn mit Satire hat das wenig zu tun.
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