Politik

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Bei Deutschlandreise

Erdogan will offenbar Ditib-Moschee in Köln besuchen

In rund zwei Wochen wird der türkische Präsident in Deutschland erwartet. Einem Medienbericht zufolge möchte Recep Tayyip Erdogan dann auch einen Stopp in der umstrittenen Kölner Ditib-Moschee einlegen.

DPA

Ditib-Moschee in Köln (2017)

Mittwoch, 19.09.2018   10:34 Uhr

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will einem Medienbericht zufolge während seiner Deutschlandreise am 28. und 29. September die Ditib-Moschee in Köln besuchen. Diesen Wunsch habe Erdogan bei den deutschen Gastgebern angemeldet, berichtet die "Rheinische Post" und beruft sich dabei auf einen Berater der türkischen Regierung. Er betonte demnach: "Wir wollen dies aber nur im Einvernehmen mit der deutschen Politik machen."

Von deutscher Seite gibt es dafür keine Bestätigung. "Derzeit laufen die Planungen für den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan. Zu einzelnen Programmpunkten informieren wir zu gegebener Zeit", zitiert die Zeitung eine Sprecherin des Bundespräsidenten. Eine Sprecherin der Stadt Köln sagte, für einen Besuch Erdogans liege keine Anfrage vor.

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Die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet entsendet für die Ditib-Moscheegemeinden Imame nach Deutschland und bezahlt sie auch. Kritiker sehen in dem Verband den verlängerten Arm von Erdogan. Im Mai waren neue Vorwürfe gegen Ditib laut geworden. Damals erklärte das Innenministerium, den Moscheeverband weiter zu unterstützen.

Im Video: Spionageverdacht gegen Ditib - Stasi-Imame in Deutschland?

Deutschland und die Türkei haben sich nach vielen Monaten des erbitterten Streits zuletzt wieder angenähert. Die Beziehungen waren unter anderem wegen der Verhaftungen deutscher Staatsbürger in der Türkei lange Zeit schwer belastet.

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Erst am Dienstag war ein Bericht erschienen, wonach im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei vom Juli 2016 erstmals ein Deutscher verurteilt worden sein soll. Gegen den 55-jährigen Nejat U. sei bereits im vergangenen Jahr eine Haftstrafe von neun Jahren und neun Monaten verhängt worden, berichteten WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung". Weshalb der Fall erst jetzt öffentlich wurde, ist unklar.

Die Chefs der Linkspartei forderten jüngst von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD), "nicht der neuen Charmeoffensive des Despoten vom Bosporus" zu erliegen. Nach einem Treffen mit der Spitze der türkischen Oppositionspartei HDP in Berlin erklärten die Linken-Politiker Katja Kipping und Bernd Riexinger am Dienstag, "wer über Wirtschaftshilfe mit einem Despoten verhandelt, ohne die Einhaltung der Menschenrechte zu verlangen, der schlägt der verfolgten demokratischen Opposition in der Türkei offen ins Gesicht".

aar/dpa/AFP

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