Rechtsanspruch ab 1. August: Schröder erleichtert über Kita-Ausbau

Familienministerin Schröder beim Kita-Besuch: 813.000 Betreuungsplätze im neuen Kita-Jahr Zur Großansicht
DPA

Familienministerin Schröder beim Kita-Besuch: 813.000 Betreuungsplätze im neuen Kita-Jahr

Wenige Wochen vor der Wahl kann Familienministerin Schröder verkünden: Es wird genügend Kita-Plätze für unter Dreijährige geben, wenn am 1. August der Rechtsanspruch in Kraft tritt. Die befürchtete Klagewelle wird es ihrer Ansicht nach nicht geben. Doch gravierende Probleme bleiben.

Berlin - Zum 1. August haben Eltern einen Rechtsanspruch, ihre unter drei Jahre alten Kinder in einer Kita unterzubringen. Nach Ansicht von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) können die meisten Mütter und Väter ihre Kleinkinder nun betreuen lassen - die Bundesländer hätten beim Ausbau der Kitas große Fortschritte gemacht.

Demnach werden im Laufe des kommenden Kita-Jahres 2013/14 knapp mehr als 813.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige geschaffen sein. Das sind gut 30.000 Plätze mehr als die veranschlagten 780.000.

Schröder bezog sich auf Zahlen von Ende Juni, welche die Länder dem Ministerium gemeldet hatten. NDR Info hatte bereits vorab gemeldet, dass der Bedarf überraschend gedeckt sei. Lange haben die Bundesländer gebangt, ob es genug Plätze gibt - Städte und Gemeinden hatten schon eine Klagewelle befürchtet. Schröder glaubt, dass eine solche Masse von Rechtsstreitigkeiten jetzt ausbleibt.

Die Betreuungsplätze würden nicht alle bereits ab dem 1. August zur Verfügung stehen, sondern teilweise erst im Laufe des Kita-Jahres, schränkte Schröder ein. Bei vielen Plätzen werde aber nur noch auf die Betriebserlaubnis der Behörden gewartet. Die Ministerin versicherte: "Alle Bundesländer gehen fest davon aus, dass der Bedarf an Kita-Plätzen gesichert ist."

Das Problem bleiben die Großstädte. Dort werden weit mehr Plätze benötigt als auf dem Land. Vor allem in westdeutschen Ballungszentren wird es laut NDR Info weiter Engpässe geben. Nicht jedes Kind werde wirklich an seinem Wohnort einen Platz erhalten, glaubt das Familienministerium.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldete zuvor, dass zum Stichtag 1. März rund 597.000 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder von Tageseltern betreut wurden. Diese Zahlen gäben nicht den aktuellen Ausbaustand wieder, sagte Schröder zu der Diskrepanz. Die Statistiker zählten nicht die real vorhandenen Plätze, sondern die Kinder, die zum Zeitpunkt 1. März "in einer öffentlich geförderten Kinderbetreuung waren".

Wie gut ist die Betreuung der Kleinsten?

Umstritten bleibt weiter die Qualität der Betreuung. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung bemängelt den Betreuungsschlüssel: Eine Erzieherin oder ein Erzieher betreuen in Deutschland im Schnitt 4,5 Kinder unter drei Jahren. Das sei zu viel, kritisiert der jährliche "Länderreport frühkindliche Bildungssysteme".

Keines der Bundesländer erfülle das Verhältnis, das die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt: ein Angestellter, drei Kinder. Dieses berücksichtige einerseits die tatsächliche Zeit einer Erzieherin bei den Kindern. Jedoch würden Elterngespräche, Teamsitzungen und Fortbildungen ebenfalls ein Viertel der Arbeit ausmachen. "Nur bei einem Personalschlüssel von eins zu drei können alle Kinder ausreichend gefördert werden", erklärt Anette Stein, Expertin der Stiftung für frühkindliche Bildung.

In den neuen Bundesländern sei die Lage deutlich schlechter als im Westen. "Im Osten muss hauptsächlich mehr in Qualität investiert werden", sagt deshalb Jörg Dräger, Mitglied im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Während in westdeutschen Krippen eine Erzieherin 3,7 Kinder betreut, sind es in Ostdeutschland sechs. Im Vergleich der Bundesländer liegt Sachsen-Anhalt am Ende der Liste mit einem Verhältnis von eins zu 6,5. Spitzenreiter ist Bremen, dort ist eine Erzieherin im Schnitt für 3,1 Kinder zuständig.

Leseraufruf
  • SPIEGEL ONLINE möchte wissen, wie die Situation bei Ihnen ist. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht bei der Suche nach einem Kita-Platz?

    Senden Sie uns Ihre Erfahrungen per E-Mail, wir sammeln und veröffentlichen Ihre Beiträge.

kgp/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
franko_potente 11.07.2013
Zitat von sysopWenige Wochen vor der Wahl kann Familienministerin Schröder verkünden: Es wird genügend Kita-Plätze für unter Dreijährige geben, wenn am 1. August der Rechtsanspruch in Kraft tritt. Die befürchtete Klagewelle wird es ihrer Ansicht nach nicht geben. Doch gravierende Probleme bleiben. Rechtsanspruch für Kleinkinder: Kristina Schröder lobt Kita-Ausbau - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsanspruch-fuer-kleinkinder-kristina-schroeder-lobt-kita-ausbau-a-910584.html)
Was ist denn das für ein Unsinn? Plätze stehen erst im Laufe des Jahres zur Verfügung? Nicht am Wohnort? Ab 1.08. habe ich einen Rechtsanspruch...mein Arbeitgeber geht doch auch nciht her und meint, dann fangrne SIe eben erst am 23.11 an...was soll denn dieser verlogene Unsinn? Und können wir uns bitte darauf einigen, daß es eine Kinderkrippe und ein Kindergarten ist, und keine KITA.
2. Übertreibungen
Klaus100 11.07.2013
sind heute wohl üblich. Interessengruppen - diesmal die Sozialverbände - haben mit den dazugehörigen Medien kräftig Druck gemacht. Dabei zeigt das Beispiel von Bayern, wie es auch gehen kann. Sturm im Wasserglas. Wochenlange Kampagnenbeiträge in Talkshows, Nachrichtensendungen und Tendenzartikeln. Nicht immer, aber diesmal hat Frau Schröder einen guten Job gemacht.
3. Schröder ist erleichtert über Kita-Ausbau, wir wären erleichtert, wenn
Cortado#13 11.07.2013
Zitat von sysopWenige Wochen vor der Wahl kann Familienministerin Schröder verkünden: Es wird genügend Kita-Plätze für unter Dreijährige geben, wenn am 1. August der Rechtsanspruch in Kraft tritt. Die befürchtete Klagewelle wird es ihrer Ansicht nach nicht geben. Doch gravierende Probleme bleiben. Rechtsanspruch für Kleinkinder: Kristina Schröder lobt Kita-Ausbau - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsanspruch-fuer-kleinkinder-kristina-schroeder-lobt-kita-ausbau-a-910584.html)
sie endlich entlassen wird! Diese Frau ist politisch nicht mehr tragbar und man sollte sie vom Bildschirm verbannen. Die einzige Ausstrahlung die sie hat, ist ihre Unfähigkeit für diesen Job!!!
4.
weber-seeheim 11.07.2013
Toll, so kann man sich eine missglückte Aktion mit Statistikdaten schön reden. Was nutzen KiTa-Plätze an Orten, wo sie nicht gebraucht werden?
5. es wird ein paar Tage dauern....
fritzfrie 11.07.2013
...und dann werden wir erfahren, dass diese Zahlen genauso getürkt sind wie die Arbeitslosenstatistik und viele andere Zahlenwerke, mit ddenen dem Michel positive Entwicklungen oder gar heile Welt vorgegaukelt werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Kita
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 31 Kommentare
  • Zur Startseite
Leseraufruf
  • SPIEGEL ONLINE möchte wissen, wie die Situation bei Ihnen ist. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht bei der Suche nach einem Kita-Platz?

    Senden Sie uns Ihre Erfahrungen per E-Mail, wir sammeln und veröffentlichen Ihre Beiträge.


Krippen: Jünger als drei Jahre
Bundesland
Kinder pro Vollzeitkraft
Bremen 3,1
Baden-Württemberg 3,3
Saarland 3,4
Nordrhein-Westfalen 3,4
Schleswig-Holstein 3,7
Rheinland-Pfalz 3,8
Hessen 3,8
Bayern 3,9
Niedersachsen 4,0
Thüringen 5,0
Hamburg 5,2
Mecklenburg-Vorpommern 5,7
Brandenburg 6,2
Sachsen 6,1
Sachsen-Anhalt 6,5
Berlin Keine Angaben
Neue Bundesländer
6,0
Alte Bundesländer
3,7
Deutschland gesamt
4,5
Kindergärten: Dreijährige bis Schuleintritt
Bundesland
Kinder pro Vollzeitkraft
Bremen 7,3
Baden-Württemberg 8,1
Niedersachsen 8,1
Schleswig-Holstein 8,2
Hamburg 8,2
Bayern 8,8
Nordrhein-Westfalen 8,8
Rheinland-Pfalz 9,0
Hessen 9,1
Saarland 9,2
Thüringen 10,5
Brandenburg 10,9
Sachsen-Anhalt 11,7
Sachsen 12,3
Mecklenburg-Vorpommern 13,6
Berlin Keine Angaben
Neue Bundesländer
11,8
Alte Bundesländer
8,6
Deutschland gesamt
9,1

Grafik: Ehebezogene Leistungen Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Grafik: Ehebezogene Leistungen