Kinderbetreuung: In Deutschland fehlen 220.000 Kita-Plätze

Der Ausbau der Kinderbetreuung läuft schleppender als von der Bundesregierung behauptet. Laut Statistischem Bundesamt fehlen bis zum kommenden Jahr noch 220.000 Kita-Plätze. Kommunalpolitiker fürchten massenhaft Klagen von enttäuschten Eltern.

Kind in der Kita: Ab 1. August gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz Zur Großansicht
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Kind in der Kita: Ab 1. August gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz

Hamburg - Deutschland ist weit davon entfernt, bis zum August 2013 ein ausreichendes Betreuungsangebot für Kleinkinder zur Verfügung stellen zu können. Um das Ziel, ein Betreuungsangebot für 780.000 der unter Dreijährigen anzubieten, müssten noch rund 220.000 Plätze für Kleinkinder geschaffen werden. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin mit. "Der Zuwachs muss binnen 18 Monaten damit stärker ausfallen als in den letzten vier Jahren insgesamt", sagte der Direktor Karl Müller. Er bezog sich dabei auf den Stand von März dieses Jahres.

Familienministerin Kristina Schröder hatte bislang von 160.000 Plätzen gesprochen, die noch fehlten. Der Ausbau der Kinderbetreuung läuft also noch schleppender als von der Regierung befürchtet.

Von August 2013 an haben Kinder ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Dann sollen nach dem Wunsch der Bundesregierung 39 Prozent der unter Dreijährigen in einer Kita unterkommen können. Doch schon seit geraumer Zeit ist klar, dass vor allem mehrere Länder im Westen Deutschlands mit dem Ausbau nicht ausreichend hinkommen.

Gut ein Jahr vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs fehlen nun also noch 220.000 Plätze. Kaum zu stemmen, wenn man bedenkt, dass in den fünf Jahren von 2006 bis 2011 nur rund 230.000 Plätze geschaffen wurden. Zudem fehlen Zehntausende Erzieher. Besonders niedrig ist die Betreuungsquote den Statistikern zufolge in Nordrhein-Westfalen und Bremen. Deutlich besser schneiden die ostdeutschen Länder ab.

Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin unternahm im laufenden Jahr diverse Versuche, um das Ausbautempo zu beschleunigen.

  • Im Mai verabschiedete das Kabinett einen Zehn-Punkte-Plan, um den Ausbau zu fördern. Es sah zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 350 Millionen Euro für Kommunen und Träger vor, zudem die Förderung von Betriebskindergärten und eine befristete Absenkung von Baustandards.
  • Im September stellte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder 580,5 Millionen Euro zusätzlich für die Länder zur Verfügung. Damit sollen 30.000 Plätze mehr entstehen als ursprünglich geplant. Jetzt also 780.000 statt der ursprünglich geplanten 750.000. Die Länder haben die Annahme allerdings bisher verweigert, weil damit eine monatliche Berichtspflicht verbunden sein soll.

Doch der durchschlagende Erfolg bleibt weiterhin aus. Wegen der mangelnden Plätze befürchten die Kommunen im kommenden Jahr eine Klagewelle von Eltern. Der Städte- und Gemeindebund spricht sich dafür aus, den Betreuungsanspruch aufzuweichen. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg forderte bei Handelsblatt Online "flexible Lösungen", zum Beispiel die Vergrößerung von Kindergartengruppen oder auch das vorübergehende Aussetzen gewisser baulicher Standards. Experten befürchten aber, dass derartige Maßnahmen das Kindeswohl gefährden können.

"Die Eltern müssen sich darauf einstellen, dass sie nicht überall den Wunsch-Kita-Platz um die Ecke erhalten können", sagte Landsberg. "Insofern erwarten die Kommunen von Eltern auch eine gewisse Flexibilität."

cte/ler/dpa/dapd

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1. Na bitte
suum.cuique 06.11.2012
Zitat von sysopDPADer Ausbau der Kinderbetreuung läuft schleppender als von der Bundesregierung behauptet. Laut Statistischem Bundesamt fehlen bis zum kommenden Jahr noch 220.000 Kita-Plätze. Kommunalpolitiker fürchten massenhaft Klagen von enttäuschten Eltern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsanspruch-in-deutschland-fehlen-220-000-kita-plaetze-a-865538.html
da sieht man es doch wieder einmal: Deutschland hat zu viele Kinder. Es muss dringend gegen gelenkt werden. Mehr Geburtenpraevention, mehr Aufklaerung in den Schulen. mehr Abtreibungsberatungen bei Pro Familia. In zwei, drei Jahren koennte man das Angebot so mit der Nachfrage auf einen Level bekommen.
2.
sehdarm 06.11.2012
Zitat von sysopDPADer Ausbau der Kinderbetreuung läuft schleppender als von der Bundesregierung behauptet. Laut Statistischem Bundesamt fehlen bis zum kommenden Jahr noch 220.000 Kita-Plätze. Kommunalpolitiker fürchten massenhaft Klagen von enttäuschten Eltern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsanspruch-in-deutschland-fehlen-220-000-kita-plaetze-a-865538.html
Es fehlen entweder 220.000 Kita-Plätze? Vielleicht haben wir auch nur 220.000 zu viele Neugeborene?
3. Kinder
kdshp 06.11.2012
Zitat von sysopDPADer Ausbau der Kinderbetreuung läuft schleppender als von der Bundesregierung behauptet. Laut Statistischem Bundesamt fehlen bis zum kommenden Jahr noch 220.000 Kita-Plätze. Kommunalpolitiker fürchten massenhaft Klagen von enttäuschten Eltern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsanspruch-in-deutschland-fehlen-220-000-kita-plaetze-a-865538.html
Sollen doch die eltern zahlen und nicht der staat! Istmir eh viel zu sozialistisch das ganze und erinnert mich irgendwie an die DDR wo der staat auchmeinte er müsse alles regeln und zahlen. Aber warum nicht DANN aber beide eltern voll besteuern und keien vorteile weil man kinder hat. Dieses anspruchsdenken an den staat kanns ja nu wirklich nicht sein.
4. Na und?
BettyB. 06.11.2012
Dafür haben sich CDU/CSU/FDP doch für die Herdprämie entschieden. Und die Mehrheit der Wähler ist von der Kanzlerin überzeugt. Es geht eben nicht um Erziehung und Ermöglichung der Arbeit und finaniellen Unabhängigkeit von Frauen. Aus Sicht des die Interesse seiner Kinder verteidigenden Mitelstandes und der Oberschicht müßte es doch heißen: Was lief falsch, wenn nur 220.000 Plätze fehlen?
5. Was passiert ohne Kitaplatz?
MetalunaIV 06.11.2012
Was passiert denn, wenn ich trotz Rechtsanspruch keinen Kita-Platz für mein Kind erhalte? Die Klage zieht sich bis zur Einschulung hin, ich bekomme irgendwann Recht gesprochen und gut ist? Oder wird die Kommune für jeden einzelnen Fall bestraft, was ja u.a. das Ziel eine Klage ist? Wie kann diese Strafe aussehen? Oder darf ich alternativ eine private Kinderbetreuung (Tagesmutter) beauftragen und erhalte nach meiner erfolreichen Klage dies Kosten hierfür zurückerstattet? Was ist, wenn es keine private Betreuung für mein Kind gibt und ich meinen Job aufgeben muss, um mein Kind zu betreuuen? Erhalte ich meinen Lohnverlust nach erfolgreicher Klage ebenfalls erstattet? Hier wird seitens der Medien m.E. zu wenig drüber informiert, was der Rechtsanspruch im Ergebnis bedeutet.
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Bundesländerranking 2012 – Kita-Betreuungsquote
Platzierung Bundesland Betreuungsquote* (in %)
1 Sachsen-Anhalt 57,5
2 Mecklenburg-Vorpommern 53,6
3 Brandenburg 53,4
4 Thüringen 49,8
5 Sachsen 46,4
6 Berlin 42,6
7 Hamburg 35,8
8 Rheinland-Pfalz 27,0
9 Schleswig-Holstein 24,2
10 Hessen 23,7
11 Baden-Württemberg 23,1
12 Bayern 23,0
13 Niedersachsen 22,1
14 Saarland 22,1
15 Bremen 21,2
16 Nordrhein-Westfalen 18,1
* Anteil der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder unter 3 Jahren an allen Kindern dieser Altergruppe

Quelle: Statistisches Bundesamt,
Stand: März 2012