Rechtsextremismus Fünf Jahre Haft für Holocaust-Leugner Zündel

Höchststrafe für Ernst Zündel: Wegen Leugnung des Holocausts wurde der 67-Jährige vom Landgericht Mannheim zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zündel hatte den millionenfachen Mord an Juden als Geschichtsfälschung bezeichnet.


Hamburg - Ernst Zündel hatte von Kanada aus den Massenmord an den Juden während der NS-Zeit auf einer Internetseite und in einschlägigen Publikationen systematisch bestritten. Als einer der ersten Rechtsextremisten weltweit hatte Zündel das Internet für seine nazistische und antisemitische Propaganda genutzt.

Holocaust-Leugner Zündel (r.): Zu fünf Jahren Haft verurteilt
DDP

Holocaust-Leugner Zündel (r.): Zu fünf Jahren Haft verurteilt

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, welche die nach deutschem Recht mögliche Höchststrafe für ein Delikt dieser Art gefordert hatte. Seine Wahl- und Pflichtverteidiger hatten Freispruch beantragt beziehungsweise kein Strafmaß genannt.

In seinem Schlusswort hatte Zündel beantragt, das Gericht möge eine unabhängige internationale Gutachterkommission einsetzen, um den Holocaust zu untersuchen. Sollte diese die bisher historisch bekannte Vergasung der Juden bestätigen, "werde ich mich in einer Pressekonferenz öffentlich bei Juden, Israelis und der Welt entschuldigen", sagte Zündel.

"Hätte es dieses Verfahren nicht gegeben, hätten die Rechten einmal weniger Gelegenheit gehabt, sich Gehör zu verschaffen", sagte Zündels Rechtsanwalt Hans Ulrich Beust. Der Verteidiger, der nach eigenen Angaben dem politischen Umfeld des Angeklagten nicht angehört, forderte kein konkretes Strafmaß.

Einen ersten Prozess gegen Zündel hatte das Landgericht im November 2005 ausgesetzt. Anfang Februar 2006 kam es zur Neuauflage, wobei die Verhandlung durch zahlreiche Verteidiger-Anträge immer mehr in die Länge gezogen wurde. Der Vorsitzende Richter hatte den Anwälten Zündels wiederholt "Prozessverschleppung" vorgeworfen.

Eine Wahlverteidigerin Zündels wurde wegen unzulässigen Verhaltens von dem Verfahren ausgeschlossen. Ein weiterer Verteidiger hatte in seinem Plädoyer aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" zitiert. Der bekannte Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger bestritt in seinem Plädoyer selbst ausdrücklich den Völkermord an den Juden. Damit habe er sich "durch volksverhetzende Äußerungen in Form der Auschwitz-Lüge strafbar gemacht", stellte das Gericht fest.

Nach seiner Ausweisung aus Kanada sitzt Zündel seit März 2005 in Deutschland in Untersuchungshaft. Zuvor war er bereits rund zwei Jahre in Kanada inhaftiert.

asc/hen/Reuters/dpa/ddp



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