Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung Rechtsextremismus in Ostdeutschland nimmt zu

Rechtsextremes Gedankengut findet in Deutschland immer mehr Verbreitung: Einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge haben inzwischen neun Prozent der Bevölkerung ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. In Ostdeutschland kommen die kruden Thesen besonders gut an.

Neonazis in Plauen (Archivbild): Wachsende Zustimmung zu rechtsautoritärer Diktatur
dapd

Neonazis in Plauen (Archivbild): Wachsende Zustimmung zu rechtsautoritärer Diktatur


Berlin - In den ostdeutschen Bundesländern breitet sich rechtsextremes Gedankengut einer aktuellen Studie zufolge massiv aus. Seit 2006 hat sich die Gruppe mit rechtsextremem Weltbild von 6,6 auf 15,8 Prozent mehr als verdoppelt, wie aus der am Montag in Berlin vorgestellten Untersuchung "Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012" der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hervorgeht. In Westdeutschland sei diese Gruppe von 9,1 auf 7,6 Prozent dagegen geschrumpft.

Bezogen auf ganz Deutschland ist in den vergangenen beiden Jahren ein Anstieg rechtsextremen Denkens von 8,2 auf 9 Prozent zu verzeichnen. Zugleich bleibt die Zufriedenheit mit der Demokratie im Vergleich zu anderen Staatsformen mit 94,9 Prozent (West: 95,5 Prozent; Ost: 92,1 Prozent) hoch.

Verharmlosung des Nationalsozialismus

Als besonders dramatisch bezeichneten die Autoren, dass in Ostdeutschland inzwischen eine neue Generation von Rechtsextremisten entstanden ist. Anders als bei früheren Befragungen wiesen 14- bis 30-Jährige hinsichtlich ihrer Zustimmung zu einer rechtsautoritären Diktatur, zu Sozialdarwinismus oder zur Verharmlosung des Nationalsozialismus höhere Werte auf als über 60-Jährige.

"Bestand in der Vergangenheit ein enger Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und rechtsextremer Einstellung, so findet sich dieser nun nicht wieder", warnt die Studie. "Die Brisanz dieser Situation darf keinesfalls unterschätzt werden." Es handle sich offensichtlich um eine Folge der Strukturprobleme in Ostdeutschland sowie des Gefühls einer Generation, nicht gebraucht zu werden.

Probleme für die Demokratie

Der Verweis auf die soziale und wirtschaftliche Abkopplung zeige auch, dass es sich im Kern nicht um ein ostdeutsches Problem handle, betonten die Autoren. Entscheidend seien wirtschaftliche Strukturmerkmale. Im Osten gebe es nur besonders viele "abwärtsdriftende Regionen".

Angesichts einer enormen Jugendarbeitslosigkeit und unsicherer Perspektiven mache das auch mit Blick auf andere Regionen Deutschlands und Europas pessimistisch. "Diese zurückgelassenen Regionen bringen für die Demokratie langfristig viel schwerwiegendere Probleme mit sich als 'nur' hohe Arbeitslosenzahlen oder Verschuldungsraten", erklärte die FES.

Der Erhebung zufolge sind in Deutschland in hohem Maße auch antisemitische und antiislamische Einstellungen vorhanden. Antisemitische Einstellungen seien bei mindestens knapp einem Drittel (28 Prozent) in der einen oder anderen Form festzustellen. Daneben gebe es ein "enormes Potential" an antiislamischen Haltungen. So seien 36,2 Prozent islamfeindlich, 60,8 Prozent islamkritisch.

Als Grundlage für die Studie wurden im Sommer 2415 deutsche Staatsangehörige sowie 95 Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft vom Berliner Meinungsforschungsinstitut Usuma befragt.

hen/dpa/dapd/AFP

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Schwarze-Banane 12.11.2012
1.
Zitat von sysopdapdRechstextremes Gedankengut findet in Deutschland immer mehr Verbreitung: Einer Studie der SPD-nahen Ebert-Stiftung zufolge haben inzwischen neun Prozent der Bevölkerung ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. In Ostdeutschland kommen die kruden Thesen besonders gut an. Rechtsextremismus in Ostdeutschland nimmt zu - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsextremismus-in-ostdeutschland-nimmt-zu-a-866712.html)
Rechtsextreme Gedanken kommen gut an? Das Versagen der politischen Elite kommt eher schlecht an. So wird ein Schuh daraus. Wie schwach der Rechtsextremismus ist, hat sich bis jetzt bei jeder Wahl bewiesen. Die Ergebnisse sind so mager wie die der FDP. Hier wird eher ein Rechtsextremismus hochgerechnet, welcher die idiologisch korrekte Verwurstungsindustrien "Gegen Rechts" mit Kapital aus dem Steuersäckel versorgt. Eine Machtübernahme durch die NPD in den neuen Bundesländern ist kaum zu befürchten.
physikuss 12.11.2012
2.
Rechstextremes Gedankengut korreliert stark mit dem Bildungsniveau. Doch gerade junge Akademiker verlassen die neuen Bundesländer überproportional. Zurück bleiben die "Dummen und Frustrierten". Somit ist der Trend nicht allzu verwunderlich. Dagegen hilft nur, endlich Perspektiven für junge und gut ausgebildete Menschen zu schaffen.
seine_unermesslichkeit 12.11.2012
3. ...
Wiso sieht man immer nur den einen Zusammenhang, ich meine den, dass hohe Jugendarbeitslosigkeit und unsichere Pespektiven Jugendlicher den Rechtsextremismus fördern. Es gibt da noch eine mindestens genauso signifikante Korrelation: Je grösser der Lobbyismus, den unsere Politiker betreiben, desto mehr erstarkt der Rechtsextremismus! Aber das zu thematisieren, ist natürlich höchst unanständig!
martin-z. 12.11.2012
4. die
demokratischen parteien können froh sein, dass die npd so bekloppt ist und sich nochimmer in disskussionen über hess, kriegsschuld und israel verwickel lässt. die npd besteht halt aus hängengebliebenen ewiggestrigen. eine moderne rechte partei, könnte in deutschland sicher 20% holen. dann doch lieber die npd. aus diesem grund waere auch ein npd verbot kontraproduktiv, weil sich dann womöglich einbe moderne npd gründen würde.
lapaz 12.11.2012
5.
92 % der Ostdeutschen sind mit der Demokratie zufrieden. 15 % der Ostdeutschen haben ein geschlossenes rechtsradikales Weltbild. Es gibt im Osten also mindestens 7 % rechtsradikale Unterstützer der Demokratie. Statistiken sind klasse. Da ist für jeden was dabei.
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