Rechtsextremismus NPD verhöhnt Opfer der Norwegen-Attentate

Die NPD hat ihre ganz eigene Sicht auf den Doppelanschlag von Anders Breivik mit 76 Toten: Statt Anteilnahme verbreiten die Rechtsextremen über ihre Website Empörung, dass man das Attentat als Hebel nutzen wolle, die Partei zu verbieten - und machten einen skandalösen Vergleich auf.


Hamburg - 76 Menschen tötete Anders Breivik, erst ließ er eine Bombe im Osloer Regierungsviertel hochgehen, dann schoss er auf der Insel Utøya auf Teilnehmer eines Feriencamps der sozialdemokratischen Jugend - mit der Tat, den Motiven des rechtsradikalen und muslimfeindlichen Killers und den Opfern will sich die rechtsextreme NPD offenbar nicht beschäftigen. Die Partei sieht sich vielmehr in der Debatte über die Anschläge zu Unrecht in der Kritik: "Die Politiker der BRD versuchen, die Anschläge eines Ökobauern in Norwegen für ihre Zwecke auszunutzen", heißt es in einer Erklärung des NPD-Präsidiums.

Hintergrund sind NPD-Verbotsforderungen, die nach den Anschlägen in Oslo erneut aufgekommen sind. So hatte etwa SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Innenminister der Bundesländer dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für ein Verbot der rechtsextremen Partei zu schaffen. Die "reflexartig vorgetragene Forderung" könne "nicht überraschen", heißt es in der NPD-Erklärung.

Breiviks Namen erwähnt die NPD in ihrer Erklärung mit keinem Wort. Sie spricht lediglich von dem "Ökobauern in Norwegen" - der 32-Jährige hatte einen Bauernhof in der Nähe von Oslo unter dem Vorwand angemietet, dort Gemüse anbauen zu wollen. Die Polizei hatte auf dem Hof zuletzt weiteren Sprengstoff sichergestellt.

Vergleich mit dem Attentat vom 20. Juli

Ansonsten zeigt man bei der NPD demonstratives Unverständnis dafür, dass in Deutschland Trauer und Bestürzung über das Attentat in Norwegen herrschen: In der Presseerklärung zieht die rechtextreme Partei einen direkten Vergleich zwischen den Anschlägen in Norwegen und dem gescheiterten Attentat auf den Diktator Adolf Hitler vom 20. Juli 1944.

Es müsse daran erinnert werden, schreiben die Rechtsextremen, "dass die politische Klasse der BRD erst vor wenigen Tagen den Bombenanschlag vom 20. Juli erneut als legitimes Mittel der Politik gefeiert hat. Auch bei diesem Anschlag kamen Unschuldige zu Tode" - gemeint ist damit das Gedenken führender Politiker an das gescheiterte Attentat auf Hitler. So hatte etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert an der Gedenktafel im Bendlerblock einen Kranz niedergelegt.

Im Juli 1944 wollten Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit dem Attentat auf Hitler dem diktatorischen und mörderischen Regime ein Ende setzen. Breivik ging es darum, wahllos Vertreter der von ihm verachteten politischen Linken zu töten. Seine Opfer waren in der Hauptsache Jugendliche.

Für die NPD ist es offenbar dennoch kein Problem, die beiden Ereignisse in einen Atemzug zu nennen.

hen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 247 Beiträge
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Seite 1
smokey44 28.07.2011
1. ...
Und würden die Medien nicht darüber berichten, hätte die NPD von dieser Aussage gar nichts... So hat die NPD aber schon gewonnen und erreicht, was sie wollte: Aufmerksamkeit! Herzlichen Glückwunsch an die deutsche Medienwelt -.-
DergerechteZorn 28.07.2011
2. ...
Ökobauer mit Kunstdünger?
Smartpatrol 28.07.2011
3. Keine Neuigkeiten.
Zitat von smokey44Und würden die Medien nicht darüber berichten, hätte die NPD von dieser Aussage gar nichts... So hat die NPD aber schon gewonnen und erreicht, was sie wollte: Aufmerksamkeit! Herzlichen Glückwunsch an die deutsche Medienwelt -.-
Nichts neues. Ernsthaft: Einfach in der Bedeutungslosigkeit ruhen lassen. Und sich mal ein Sommerfest der NPD (bevorzugt per Youtube) ansehen und erkennen, daß die Partei nichts als ein Sammelbecken für eher bemitleidenswerte, gescheiterte Existenzen ist, die Zuflucht in Mythologie suchen. Eine Alternative ist die Partei in allen Punkten, außer vielleicht den Bereichen politischer, kultureller, wissenschaftlicher, ökonomischer und (ästh)ethischer Kompetenz. Davon ab eine Frage an Spiegel Online: Ist Antiislam-Anders echt so ein Leser-Zugpferd, daß man sein Gesicht 3mal auf einer Seite bei Spon sehen kann?
Transmitter, 28.07.2011
4. Nützliche Idioten
Zitat von sysopDie NPD hat ihre ganz eigene Sicht auf den Doppelanschlag von Anders Breivik mit 76 Toten: Statt Anteilnahme verbreiten die Rechtsextremen über ihre Website Empörung, dass man das Attentat als Hebel nutzen wolle, die Partei zu verbieten - und macht einen skandalösen Vergleich auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,777211,00.html
Wenn den wahren Rechtsextremen so billig Aufmerksamkeit und Diskussionsgründe verschafft wird wie in diesem SPIEGEL-Artikel, sollte man sich über die weiter zunehmende Polarisierung der Gesellschaft nicht allzu sehr wundern. Wo bleibt die objektive, sachliche und transparente Auseinandersetzung mit national-konservativen - aber strikt demokratischen - politischen Parteien und Bewegungen wie DIE FREIHEIT, PRO-NRW, PAX Europa usw.? Deren Forderungen werden von dem hierzulande herrschenden Meinungskartell diffamiert und perfide unterdrückt, ihre Protagonisten und Repräsentanten in eine "rechtspopulistische Ecke" gedrängt. SPON sollte berechtigte Sorgen grosser Bevölkerungsgruppen offen objektiv diskutieren und sich nicht zum nützlichen Idioten für die NPD machen. Ausgerechnet für diese schwachsinnigen, vom BND unterwanderten Faschismus-Schauspieler!
pascal 66, 28.07.2011
5. Der Unterschied...
...zwischen beiden Geschehnissen *könnte nicht größer sein!* Wenn es 1944 beim Hitler-Attentat geklappt hätte, hätte dies mit allergrößter Wahrscheinlichkeit den Tod von Millionen Unschuldiger noch verhindern können - und viele deutsche Städte wären nicht in Schutt und Asche geendet!!! Und die Politik sollte sich wirklich gut überlegen, ob ein Verbot der NPD nicht auch noch viele unschuldige Opfer in der Zukunft verhindern würde - und man sich deshalb vielleicht schon etwas mitschuldig macht, wenn unter ziemlich fadenscheinigen Begründungen jedesmal aufs Neue eine diesbezügliche Initiative scheitert... (Und diese Parteien auch noch zu einem Großteil aus Steuermitteln sowie über V-Männer finanziert werden!) Und auch das Bundesverfassungsgericht hat in seiner letzten Entscheidung zu diesem Thema leider auch nichts anderes zu tun gehabt, als formale Gründe anzuführen, um ein Verbot zu verhindern - traurig, traurig, *wo doch gerade die Justiz im 3. Reich eine besonders unrühmliche Rolle gespielt hat!*
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