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Rechtsextremismus: Templiner Bürgermeister räumt Problem ein

Die Tötung eines Mannes durch mutmaßliche Neonazis im brandenburgischen Templin hat Folgen. Erst hatte der Bürgermeister der Stadt abgestritten, dass es dort eine rechtsextreme Szene gibt - nun lenkt er ein. Die Behörden haben demnach ein Problem.

Templin - Jetzt nun doch: Nach der Tötung eines Mannes im brandenburgischen Templin vermutlich durch Rechtsextremisten hat der Bürgermeister Probleme der Stadt mit einigen Jugendlichen eingeräumt. Er wisse nicht, ob die beiden vorbestraften und auf Bewährung freien mutmaßlichen Täter Rechtsextremisten seien, sagte Ulrich Schoeneich (parteilos) am Sonntag. Es gebe aber Probleme mit Jugendlichen, die für sich keine Perspektive sähen.

Schoeneich war mit der Äußerung in die Kritik geraten, es gebe in Templin keine rechtsextreme Szene. Die Anti-Rechtsextremismus-Initiative "Gesicht zeigen!" sprach von Bagatellisierung durch den Bürgermeister. Die Äußerungen zeigten, dass er "seine Stadt offenbar nicht kennt", sagte der Vorsitzende der Initiative, der frühere Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye, der "Welt am Sonntag". Ein Sprecher des Landesbildungsministeriums sagte dem Blatt, Schoeneichs Äußerung sei "nicht unproblematisch". Es sei bekannt, dass in Templin eine rechtsextreme Szene existiere. Es arbeiteten in der Stadt aber auch Initiativen gegen Rechtsextremismus.

Der Bürgermeister räumte ein, dass möglicherweise andere Strategien der Jugendarbeit notwendig seien. Er sprach sich für Nachmittagsangebote an Schulen aus, die für Lehrer und Schüler verpflichtend sein müssten. Zudem dürften von Jugendlichen begangene Bagatelldelikte nicht ohne Sanktionen bleiben. "Wenn die Polizei wegguckt, sinkt die Hemmschwelle."

Der Tote war am Dienstag entdeckt worden. Ein 18- und ein 21- Jähriger wurden festgenommen. Sie sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Neuruppin der rechten Szene angehören und am Tattag T-Shirts mit rechtsextremistischen Motiven getragen haben. Wie das Opfer sollen sie betrunken gewesen sein. Bei einer von etwa 50 Menschen besuchten ökumenischen Andacht in Templin erinnerten Geistliche am Freitagabend an das Opfer und forderten mehr Aufmerksamkeit für "Menschen am Rand".

ffr/dpa

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