Rechtsextremismus Hohe Zahl von Anschlägen auf Flüchtlingsheime

Knapp 1000 Mal wurden in Deutschland in diesem Jahr Flüchtlingsunterkünfte attackiert. In beinahe allen Fällen geht das Bundeskriminalamt von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Handgranatenanschlag auf Unterkunft in Villingen-Schwenningen (Januar 2016)
DPA

Handgranatenanschlag auf Unterkunft in Villingen-Schwenningen (Januar 2016)


Auch 2016 wurden wieder rund tausend Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland verübt. Die amtliche Zahl der Attacken auf Asylbewerberunterkünfte bis zum 27. Dezember liegt bei 921 Delikten, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mitteilte. Im vergangenen Jahr waren 1031 solcher Straftaten gezählt worden - ein Rekordwert und eine Verfünffachung gegenüber 2014.

Für 2016 vermuten Ermittler bei 857 Fällen einen rechtsextremen Hintergrund, bei weiteren 64 Delikten konnte eine politische Motivation noch nicht sicher ausgeschlossen werden.

Im Einzelnen handelte es sich bei den 2016 registrierten Angriffen überwiegend um Sachbeschädigungen (371 Fälle) und Propagandadelikte (211 Fälle). In mehr als 150 Fällen wurden Gewalttaten gegen Flüchtlingsunterkünfte verübt, darunter 66 Brandstiftungen und vier Sprengstoffexplosionen.

2015 hatten die Ermittler 177 der Attacken gegen Asylbewerberheime als Gewalttat gewertet, darunter 94 Brandstiftungen und acht Sprengstoffexplosionen.

Die Aufklärungsquote bei Angriffen gegen Unterkünfte ist gering, wie Ende 2015 eine Analyse der "Zeit" ergab. Erfolgreich waren Ermittler kurz vor Weihnachten immerhin im sächsischen Bautzen: Nach einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft hat die Polizei dort drei Verdächtige gefasst. Zwei Männer im Alter von 19 Jahren und ein 23-Jähriger seien "insoweit geständig", sagte der Görlitzer Staatsanwalt. Sie hatten Mitte Dezember vier Brandsätze auf das Gelände der Unterkunft geworfen.

cht/dpa

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