Rechtspopulist: Lob von Geert Wilders empört Merkel

Auf dieses Lob kann Angela Merkel gut verzichten: Die Christdemokraten seien in Deutschland "führend auf dem Gebiet der Islamkritik", hatte der niederländische Rechtspopulisten Geert Wilders erklärt. Jetzt ließ die Kanzlerin die Äußerungen scharf zurückweisen.

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dpa

Bundeskanzlerin Merkel: Nicht islamkritisch geäußert

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich wenig erfreut über das Lob des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders für ihre Äußerungen zur multikulturellen Gesellschaft. Regierungssprecher Steffen Seibert wies am Mittwoch in Berlin zurück, dass sich Merkel islamkritisch geäußert habe. "Das ist nicht wahr. Man wird die Kanzlerin nicht als Islamkritikerin interpretieren können, weil sie natürlich vor einer wichtigen Weltreligion Respekt hat." Sie kritisiere keine Religion, sondern konkretes Fehlverhalten Einzelner.

Wilders hatte zuvor erklärt, Merkel habe "die Führung auf dem Gebiet der Islamkritik" übernommen. Laut einer von seiner Partei veröffentlichten Rede vor dem Parlament in Den Haag sagte Wilders: "Wenn selbst die Bundeskanzlerin sagt, dass die multikulturelle Gesellschaft vollkommen gescheitert ist, dann will das etwas heißen." Die wichtigste Politikerin der Christdemokraten im wichtigsten Land Europas habe ein Tabu durchbrochen.

Seibert betonte jetzt: "Die Bundeskanzlerin äußert ihre Überzeugung unabhängig davon, wer ihr im In- und Ausland beipflichtet oder widerspricht." Mit Sicherheit mache sie keine Äußerungen, um genau aus der rechten Ecke Beifall zu bekommen. Merkel hatte Mitte Oktober gesagt: "Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert." Zugleich steht für sie aber fest: "Der Islam gehört zu Deutschland."

Lob auch für Seehofer

Wilders ging nicht nur auf Merkels Äußerungen ein. Er lobte auch die Forderung von CSU-Chef Horst Seehofer nach Zuzugsbeschränkungen für Türken und Araber. So verwies Wilders auf die Forderung Seehofers nach Zuzugsbeschränkungen für Türken und Araber. "In Deutschland erklären inzwischen zwei Drittel der Bevölkerung: Der Islam gehört nicht zu unserem Land". Dies sei eine Reaktion auf die Äußerung des Bundespräsidenten Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland.

Europas politische Landschaft verändere sich, sagte Wilders. "Niemand kann verhindern, dass Bürger für die Bewahrung ihres Landes und ihrer Kultur stimmen. Der Geist ist aus der Flasche." Die neue Regierung der Niederlande werde für eine "sehr substantielle Verringerung von Zuwanderung und Asyl" sorgen.

Wilders' PVV wurde bei den Parlamentswahlen im Juni drittstärkste Partei des Landes. Sie ist nicht direkt an der Regierung beteiligt, verschafft ihr aber die Mehrheit im Parlament und verfügt daher über erheblichen Einfluss.

jok/dpa-AFX

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insgesamt 98 Beiträge
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1. die eigene Falle
unente 27.10.2010
Zitat von sysopAuf dieses Lob kann Angela Merkel gut verzichten:...
Man kann sich nicht gegen Lob verwahren, wenn man des gleichen Geistes Kind ist, wie der Laudator. Wer rechte Parolen drischt, muss auch den Beifall von Rechts ertragen.
2. Kritik
Zephira 27.10.2010
Und schon wieder bleibt SPON den Nachweis schuldig, was genau "Rechtspopulismus" sein soll, geschweige denn worin er sich bei Wilders äußert. Könnten diese inhaltslosen Hetzartikel daher in Zukunft bitte unterbleiben? Wir sind hier doch schließlich nicht beim WDR.
3. ...
TC Matic 27.10.2010
Zitat von sysopAuf dieses Lob kann Angela Merkel gut verzichten: Die Christdemokraten seien in Deutschland "führend auf dem Gebiet der Islamkritik", hatte der niederländische Rechtspopulisten Geert Wilders erklärt. Jetzt lies die Kanzlerin die Äußerungen scharf zurückweisen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725642,00.html
Sehr verständlich. Islamkritik kommt ja eher aus der Bevölkerung und weniger aus Parteien.
4. Braune Flecken.
Geziefer 27.10.2010
Zitat von sysopAuf dieses Lob kann Angela Merkel gut verzichten: Die Christdemokraten seien in Deutschland "führend auf dem Gebiet der Islamkritik", hatte der niederländische Rechtspopulisten Geert Wilders erklärt. Jetzt lies die Kanzlerin die Äußerungen scharf zurückweisen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725642,00.html
Die Kanzlerin sagt: "Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert." Zugleich steht für sie aber fest: "Der Islam gehört zu Deutschland." Und Wilders klatscht aus der rechten Ecke Beifall. So kann´s einem ergehen, wenn man sich so doppeldeutig wie Frau Merkel äußert und möglichst das ganze Spektrum ihrer verbliebenen Wählerschaft abdecken möchte. Da helfen auch keine Dementis, Frau Merkel, gegen solche braune Flecken.
5. Warum ist Frau Merkel empört?
sunhaq 27.10.2010
Sie hat sich klar hinter Seehofer und Sarrazin gestelllt, als sie gesagt hat, daß Multi Kulti absolut gescheitert ist. Daß damit nicht Menschen aus der USA, Italien oder Schweden gemeint sind, sondern die derzeit kontrovers diskutierte Gruppe der Muslime, muss man nicht gesondert erwähnen. In sofern war das ganze doch eine Steilvorlage für den Herrn Wilders und die Reaktion war von Anfang an abzusehen. Wer am rechten Rand fischen geht, der muss sich nicht beschweren, wenn sich der rechte Rand für die öffentliche Adelung bedankt.
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Rechtspopulist Wilders: "Hoch gefährdet"

Fläche: 41.528 km²

Bevölkerung: 16,730 Mio.

Hauptstadt: Amsterdam

Regierungssitz: Den Haag

Staatsoberhaupt: König Willem-Alexander

Regierungschef: Mark Rutte

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