Rechtsradikalismus Franz Schönhuber ist tot

Er war ein besessener Rechtsradikaler, stets stolz auf seine Jahre in der Waffen-SS: Franz Schönhuber, Gründer der "Republikaner" ist gestorben. Der 82-Jährige erlag einer Lungenembolie.


Frankfurt/Main - Noch im Oktober hatte Franz Schönhuber ein politisches Comeback versucht. Als parteiloser Direktkandidat trat der Mitbegründer der Republikaner im Alter von 82 Jahren für die rechtsextremistische NPD an - als Ersatz für deren verstorbene Kandidatin Kerstin Lorenz. Doch das Comeback scheiterte: Gerade einmal 2,5 Prozent der Erststimmen erreichte der Bayer im Freistaat Sachsen - sogar noch etwas weniger als die NPD Zweitstimmen erhielt.

Franz Schönhuber: Politagigator am äußerten rechten Rand
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Franz Schönhuber: Politagigator am äußerten rechten Rand

Eigentlich hatte sich Schönhuber nur noch auf seine Tätigkeit als Publizist konzentrieren wollen. Seine Rückkehr auf die politische Bühne erklärte er damit, dass die verstorbene NPD-Kandidatin Lorenz genau wie er im nationalen Lager das Gemeinsame gesucht habe und Trennendes habe überwinden wollen.

Seine Rückkehr hätte für die NPD ein politischer Coup werden sollen. Noch immer galt Schönhuber als Rechtspopulist, der konservative wie rechtsradikale und rechtsextreme Akteure zusammenschließen konnte. Hinzu kam bei dem langjährigen Journalisten ein unbestreitbares rhetorisches Geschick und der Hang zu großen (Selbst-)Inszenierungen.

Schönhuber wurde am 10. Januar 1923 im oberbayerischen Trostberg als Sohn eines Metzgers und Viehhändlers geboren. Nach dem Abitur in München meldete er sich als Freiwilliger zur Luftwaffe, wurde aber wegen Fluguntauglichkeit abgelehnt und kam zur "Leibstandarte-SS Adolf Hitler".

Nach anderthalb Jahren in britischer Gefangenschaft und Gelegenheitsarbeiten nach dem Krieg kam er zum Bayerischen Rundfunk, der im April 1982 das Arbeitsverhältnis mit der Begründung löste, dass Schönhuber nicht zwischen seiner Rolle als privater Buchautor und als Repräsentant des Senders getrennt habe.

Im Jahr zuvor war sein Buch "Ich war dabei" mit einer Verteidigung der Ideale der Waffen-SS erschienen. Im November 1983 gründete Schönhuber dann gemeinsam mit zwei früheren CSU-Bundestagsabgeordneten die Republikaner. Bei der bayerischen Landtagswahl 1986 erreichte die Partei auf Anhieb drei Prozent. Den ersten großen Erfolg erzielten die Republikaner 1989 bei der Wahl zum Berliner Senat mit 7,5 Prozent der Stimmen. Im gleichen Jahr zog Schönhuber mit den Republikanern ins Europaparlament ein.

Breite Empörung erntete Schönhuber, als er 1994 nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Lübeck erklärte, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, sei "einer der schlimmsten Volksverhetzer" und mitschuldig am zunehmenden Antisemitismus in Deutschland.

Misserfolge und parteiinterne Kämpfe

Nach mehreren Misserfolgen und parteiinternen Kämpfen zog sich Schönhuber im Dezember 1994 aus der Parteiführung zurück, knapp ein Jahr später trat er bei den Republikanern aus - unter anderem mit der Begründung, die Parteispitze sei auf "Schmusekurs" zu den etablierten Parteien gegangen.

Nach seinem Ausscheiden wandte sich Schönhuber den anderen Gruppierungen des ultrarechten Spektrums zu. 1998 kandidierte er als Parteifreier auf der Liste der DVU für die Bundestagswahl.

Schönhuber starb laut einem Zeitungsbericht in der Nacht von Samstag auf Sonntag an einer Lungenembolie in Folge einer verschleppten Grippe. Er war in zweiter Ehe verheiratet und hatte drei Kinder. Stephan Köhnlein, AP



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