Von der Leyens Pläne So soll die Bundeswehr attraktiver werden

Die Bundeswehr braucht einen Imagewandel - findet Verteidigungsministerin von der Leyen. Daher verordnet sie der Truppe eine Radikalkur: mehr Flexibilität, Teilzeit, Kinderbetreuung. Der Überblick.

Ministerin von der Leyen beim Truppenbesuch (im Kosovo): Reformen geplant
DPA

Ministerin von der Leyen beim Truppenbesuch (im Kosovo): Reformen geplant


Berlin - Über Fünf Monate wurde gefeilt, geplant und reformiert. Nun hat ein Stab unter der Leitung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein Konzept für mehr Attraktivität der Bundeswehr vorgestellt. Das Ziel der Ministerin: Die Bundeswehr soll einer der verlockendsten Arbeitgeber Deutschlands werden. Dazu will sie im Laufe der kommenden zwei Jahre diese Punkte unter dem Motto "Aktiv.Attraktiv.Anders." umsetzen - und sich das Paket rund hundert Millionen Euro kosten lassen:

  • Mehr Flexibilität für Soldaten: Soldaten sollen mehr mobil oder von zu Hause aus arbeiten können. Dazu will die Bundeswehr bis 2015 rund 3000 Laptops anschaffen und die Regelungen zur Telearbeit für Soldaten vereinfachen. Über Langzeitarbeitskonten sollen Soldaten in arbeitsintensiven Phasen Zeitguthaben ansparen, die sie später abbummeln können.
  • Mehr Teilzeit: Bis 2015 will von der Leyen die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, um Teilzeitjobs in allen Bereichen der Bundeswehr zu ermöglichen. Ausgeschlossen sind nur Soldaten im Auslandseinsatz.

  • Bessere Ausstattung der Kasernen: Die Stuben der Soldaten bekommen ein deutliches Upgrade. Flachbildfernseher, Kühlschränke, modernes Mobiliar und kostenloser Internetzugang sollen den Soldaten ein besseres Umfeld schaffen.
  • Bewerbungsoffensive im Internet: Künftig sollen sich Interessenten auch online bewerben können. Binnen einer Woche sollen sie eine Antwort erhalten, ob sie bei der Truppe einen Job finden können. Abgelehnte Kandidaten werden in einem Talentpool gespeichert und angesprochen, wenn sie später gebraucht werden können.
  • Weniger Versetzungen: Häufige Ortswechsel gehören zu den Punkten, die Soldaten häufig kritisieren. Durch das neue Konzept sollen solche Versetzungen seltener und vor allem besser planbar werden - ohne die Karriere und den Aufstieg innerhalb der Truppe zu gefährden. Deswegen sollen mögliche Karrierepfade im Voraus umrissen werden.
  • Mehr Betreuung für Kinder: Das Lieblingsprojekt der Ministerin. Sie will eine flächendeckende Betreuung für Soldatenkinder, angestrebt sind Ganztageskindergärten an fast allen Kasernen. Zudem soll es an allen Standorten einen zentralen Ansprechpartner geben. Dort können Soldaten ihre privaten Wünsche und Sorgen melden und nach Lösungen suchen.
  • Weiterbildung: Die Bundeswehr will sich stärker in der Weiterbildung engagieren und Soldaten über die ganze Dienstzeit Angebote zur Qualifizierung machen, die auch für einen späteren Wechsel in die Wirtschaft genutzt werden können.
  • Bessere Führung: Noch dieses Jahr soll das gesamte Führungspersonal in Coaching-Seminaren geschult werden, mehr auf die Bedürfnisse der Soldaten einzugehen. Moderne Führungskonzepte, jährliche Perspektivgespräche über die Karriere und die familiäre Situationen will von der Leyen zum Standard in der Truppe machen.
  • Gesundheitsvorsorge: Noch dieses Jahr soll ein Pilotprojekt für ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagements starten. Mit regelmäßigen Gesundheits-Checks, Sport- und Ernährungsangeboten und Stressprävention soll die Truppe gesünder und damit leistungsfähiger werden.
  • Bundesweiter "Tag der Bundeswehr": Mit einem zentralen Tag der Bundeswehr soll die Truppe ab 2015 für sich werben, die Tore der Kasernen öffnen und bürgernäher werden. Ergänzt wird die PR-Offensive durch einen Preis der Bundeswehr, der an Menschen verliehen wird, die sich für die Verankerung der Truppe in der Gesellschaft engagieren.

mgb

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
vorsicht 30.05.2014
1. Was in der Aufzaehlung fehlt
..wie soll die Versorgung und Absicherung der Soldaten und deren Familien aussehen, wenn sie traumatisiert, verletzt oder aber gar nicht mehr von Auslandseinsätzen zurückkehren?
jonas4711 30.05.2014
2. aha, heimarbeitsplätze
dann werden Flugzeuge künftig von daheim aus getankt und aufmunitioniert. panzer vom Laptop aus gesteuert. ...weis die familienminiterin, die nun Verteidigungsministerin spielt ?berhaut, von was sie redet?..
andrac1001 30.05.2014
3. Kujat
Auch wenn "Bundeswehrexperte Kujat" die Ministerin kritisiert, sie habe keine Ahnung und würde wie eine Hausfrau führen: Es war wirklich an der Zeit, dass solche Maßnahmen in Angriff genommen werden. Die Bundeswehr ist schließlich keine Fremdenlegion.
bodybodyhead 30.05.2014
4. Nicht verkehrt aber....
Die Verbesserungen der Standorte hinsichtlich heutiger Standards ( I-Net/TV ) sind lange überfällig und Runden das Konzept wohnen 2000 ab.Auch KITAS werden helfen!! Aber die Bundeswehr der Zukunft ist eine Einsatzarmee und dazu Bedarf es ausreichend Finanzieller Mittel das auch für den EINSATZ ausgebildet und trainiert werden kann!! Es kann nicht sein das einem Infanterie Verband zur Hälfte des Jahres das Geld ausgeht und die Schiessausbildung eingestellt werden muss!!
bafibo 30.05.2014
5. Man muß nicht alles gleich lächerlich machen
Zitat von jonas4711dann werden Flugzeuge künftig von daheim aus getankt und aufmunitioniert. panzer vom Laptop aus gesteuert. ...weis die familienminiterin, die nun Verteidigungsministerin spielt ?berhaut, von was sie redet?..
Nach allem, was von der Bundeswehr zu hören ist, besteht sie zu einem erheblichen Teil aus Schreibtischjobs, und nur solche kommen dafür in Frage. Etliche von diesen sind nicht zwingend ortsgebunden, Ersatzteilbestellung beispielsweise. Daß Fluglotsen genausowenig zu Hause arbeiten können wie Mechaniker, ist klar.
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