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Kurioser Brief: Koalition spottet über Verkehrsminister Dobrindt

Bundesverkehrsminister Dobrindt: "Wesentliche Projekte" Zur Großansicht
DPA

Bundesverkehrsminister Dobrindt: "Wesentliche Projekte"

Vier Seiten Eigenlob: Alexander Dobrindt hat sich in einem Brief an Union und SPD gewandt - und vor allem die Erfolge seines eigenen Ressorts gefeiert. Die Aktion des CSU-Ministers sorgt für Unverständnis.

Berlin - Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat zum Jahreswechsel in der Koalition für Spott gesorgt. In einem vierseitigen Brief meldete sich der CSU-Politiker bei den Abgeordneten von Union und SPD zu Wort. Sein Schreiben ist allerdings voller Plattitüden und Eigenlob. "2014 war ein gutes Jahr für unser Land und seine Menschen", schreibt Dobrindt darin unter anderem.

Die Koalition habe "Haushaltswende und Investitionswende zusammengebracht". Und nicht zu vergessen: Auch 2015 "liegen wichtige Aufgaben vor uns". Gleich mit neun "wesentlichen Projekten", rühmt der Ressortchef sein eigenes Tun, habe er dazu beigetragen, "Deutschlands Spitzenposition in Europa und der Welt" weiter zu stärken.

Neben zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur ("Investitionshochlauf") und einer neuen Generation öffentlich-privater Partnerschaften habe er auch die Elektromobilität vorangetrieben, den Breitbandausbau intensiviert und den Luftverkehrsstandort Deutschland gestärkt.

Sein bislang wichtigstes Projekt einer Ausländer-Maut auf Autobahnen versteckt Dobrindt dagegen nur am Rande in einem einzigen Satz. Wohl aus gutem Grund: Das Vorhaben steht nach wie vor auf wackligem Fundament.

Dobrindt freut sich nach eigener Aussage zudem, mit den Abgeordneten "gemeinsam unsere erfolgreiche Arbeit fortzusetzen und unser Land in den wichtigen Zukunftsfeldern des Ministeriums für Mobilität und Modernität weiter voranzubringen".

In der Koalition kommt das Schreiben nur mäßig gut an. "Andere Minister würden sich nicht trauen, solche Liebe-Freunde-Briefe mit der eigenen Pseudo-Leistungsbilanz zu verschicken", heißt es in Koalitionskreisen, "das wäre ihnen zu peinlich."

böl

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insgesamt 85 Beiträge
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1.
deus-Lo-vult 09.01.2015
Herr Dobrindt, haben Sie jemals etwas von Selbstreflexion gehört?
2. PR ausgesourced?
rainer_daeschler 09.01.2015
Offensichtlich ist die PR-Abteilung des Bundesverkehrsministeriums nach Pjöngjang ausgesourced worden. Nur dort versteht man es so vortrefflich jedes Ereignis zur Heldentat hochzujubeln, selbst wenn der Chef nur einen Eimer umtritt.
3. Hallo, Herr Dobrindt!
dbrown 09.01.2015
Können Sie mir Ihren Brief bitte auch einmal zukommen lassen? Ich würde ihn gerne händisch korrigieren und Ihnen dann zurückschicken! 3 Punkte liegen mir besonders am Herzen: - Breitbandausbau: WANN bekomme ich zuhause endlich eine vernünftige, SCHNELLE Leitung? - Maut. Mir reicht eine Jahresplakette, fertig. Bitte zuschicken. - Schmeißen Sie ihre Brille weg, sie ist extrem unvorteilhaft! Vielen Dank im Voraus!
4. Dobrindt ist nur peinlich
Pfaffenwinkel 09.01.2015
Er sollte schnellstmöglich seinen Abschied nehmen.
5.
sylkeheimlich 09.01.2015
Mit seiner Ausländermaut könnte er weich viele Freunde in Dresden machen. Meine Oma hat immer gesagt: Eigenlob stinkt. Und Oma hatte immer recht.
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